Superbanner

Charlotte Knobloch: "Der Konflikt wird einseitig dargestellt"

Interview mit Charlotte Knobloch

"Der Konflikt wird einseitig dargestellt"

2709.01.09|Politik|Politik
Drucken|Empfehlen|Schrift   a  /  A||recommendbutton_count130

Schliessen

Druckvorschau

Artikel: "Der Konflikt wird einseitig dargestellt"

München - Die Münchnerin Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist nicht zufrieden mit der deutschen Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und den Palästinensern.

Fordert Blauhelm-Soldaten mit einem robusten Mandat: Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden.

© Haag

Fordert Blauhelm-Soldaten mit einem robusten Mandat: Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden.

Im Interview fordert sie deshalb mehr Solidarität von deutscher Seite und kritisiert Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

- Frau Präsidentin, Sie haben die Deutschen zur Solidarität mit Israel aufgerufen. Wo sehen Sie die Defizite?

Die einseitige öffentliche Debatte über diesen Konflikt ist für mich völlig unverständlich. Egal, welche Medienberichte ich mir in den vergangenen Tagen angesehen habe: Sie stellen alle vollkommen rücksichtslos den Blickwinkel der Palästinenser dar. Es wird ausgeblendet, dass die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah seit Jahren Raketen auf israelische Städte feuern. Die Menschen haben in Orten wie Sderot und Aschkelon oft nur wenige Sekunden Zeit, um ihr Leben zu retten. Die Terroristen greifen gezielt die Zivilbevölkerung an.
Stellen Sie sich einmal vor, auf dem Marienplatz würden immer wieder Bomben aus Tschechien einschlagen. Hätte unsere Regierung da nicht die Pflicht, ihre Bürger zu schützen? Genau diese Pflicht hat auch die israelische Regierung.
Es geht hier um ein Land, das um sein Überleben kämpft. Darüber erfährt man bei uns jedoch kaum etwas. Ich würde mir zudem wünschen, dass sich die muslimischen Gemeinden in Deutschland objektiv und eindeutig zu diesem Thema äußern - und dies nicht den Fanatikern in den eigenen Reihen oder linken Chaoten überlassen.

- Bundeskanzlerin Merkel hat sich ja eindeutig zum Selbstverteidigungsrecht Israels bekannt.

Die Kanzlerin hat sich stets sehr objektiv über den Konflikt geäußert. Nicht gefallen hat mir dagegen Außenminister Steinmeier. Es war nicht notwendig, die negative Berichterstattung noch durch seine eigene Schuldzuweisung an Israel anzuheizen. Dabei ist doch klar: Wegen der einseitigen Aufhebung des Waffenstillstands durch die Hamas und den permanenten Raketenbeschuss auf israelische Städte tragen die Palästinenser die Schuld an der Eskalation. Das ist ein Krieg, den Israel sicher nicht verschuldet hat. Ich will aber auch ganz deutlich sagen, dass unser Mitgefühl der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten gilt.

- Könnte ein Einsatz von UN-Blauhelmen den Krieg beenden?

Ich werde oft gefragt, ob ich ein Problem sehe, wenn sich deutsche Soldaten an einem solchen Einsatz beteiligen würden. Nein, das wäre kein Problem. Die Bundesmarine leistet seit langem vorbildlichen Einsatz im Kampf gegen Waffenschmuggler vor der Küste Libanons und trägt so zum Schutz Israels bei. Wenn jetzt ein Blauhelm-Einsatz diskutiert wird, sage ich aber auch ganz klar: eine solche Mission muss ein robustes Mandat haben. Eine Beobachterrolle für Blauhelm-Soldaten genügt nicht, da sie sich Terrororganisationen gegenüber sehen.

- Inzwischen wird Israel auch aus dem Libanon beschossen. War das zu erwarten?

Ja. Wer sich die Attacken von Hamas und Hisbollah in der Vergangenheit anschaut, musste damit rechnen. Sie wollen Israel in einen Zwei-Fronten-Krieg zwingen, um das Land zu schwächen und damit ihrem Ziel näherzukommen, die einzige Demokratie im Nahen Osten auszulöschen.

-Welche Rolle spielt der Iran in diesem Krieg?

Er finanziert die Terroristen von Hamas und Hisbollah.

- Ist der Westen in der Vergangenheit zu rücksichtsvoll mit Teheran umgegangen?

Die Politik des Appeasement gegenüber dem Regime in Teheran war ein Fehler. Ich darf eine Analogie zur deutschen Geschichte ziehen: Hitler wurde ebenfalls von den westlichen Staaten lange Zeit nicht ernstgenommen. So hat man auch den Herrscher von Teheran nicht ernst genug genommen - etwa im Streit um den Bau der Atombombe. Ich weiß nicht, inwieweit dieser Fehler jetzt wiedergutzumachen ist.

- Eine Ihrer Töchter lebt mit ihrer Familie in Israel. Wie geht es ihnen?

Heute ist ein schwieriger Tag, da mein jüngster Enkel gerade zum Militär eingezogen wurde. Er ist 18 Jahre alt. Die beiden anderen wurden in Bereitschaft versetzt.

Michael Schleicher

Fotostrecke: Der Jahreswechsel in Gaza

zurück

  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza
  • Der Jahreswechsel in Gaza

vor

Lesen Sie auch:

NPD demonstriert gegen Israel

Weiter Kämpfe trotz UN-Forderung nach Feuerpause im Gazastreifen

zurück zur Übersicht: Politik

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Lesen Sie auch:

Putschversuch auf den Malediven

Putschversuch auf den Malediven

Colombo - Unruhen im Urlaubsparadies: Auf den Malediven ist es am Dienstag zu einem Putschversuch gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten der südasiatischen Inselkette gekommen.Mehr...

Kommentare

Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Ajatollah warnt USA und Israel vor Iran-Angriff

Tel Aviv - Im Streit um das iranische Atomprogramm wird der Ton immer schärfer. Der geistliche Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, warnte am Freitag die USA und Israel eindringlich vor einem Krieg.Mehr...

Wiesn-Affäre um Wulff

Berlin - Immer neue Vorwürfe tauchen gegen Bundespräsident Christian Wulff auf. Zu einer Privatkredit-, Medien- und Flugmeilen-Affäre kommt jetzt offenbar auch noch eine Oktoberfest-Affäre hinzu.Mehr...

Ort des Geschehens

48.1391268,11.5802135

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Aktuelle Fotostrecken

Deutsch-Französischer Ministerrat: Merkel besucht Sarkozy

06.02.12|Politik|0

weitere Fotostrecken:
Newsletter

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Guttenberg nimmt Homepage vom Netz

Berlin - Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist im Visier von unbekannten Aktivisten. Am Sonntag wurde seine Homepage gehackt.Mehr...

Hat Bayern 209 Milliarden Miese?

München - Der Bund der Steuerzahler fordert, dass der Freistaat deutlich mehr Geld für Beamtenpensionen zurücklegt. Eine Studie im Auftrag des Bundes kommt zum Ergebnis, dass schon jetzt mehr als 200 Milliarden Euro fehlen. Für die Pensionen zu sparen sei sinnvoller, als Schulden abzubauen.Mehr...

"Kresse halten!" Piraten-Politiker beschimpft Abgeordnete

Berlin - Mit Zwischenrufen im Parlament kann Piraten-Politiker Christopher Lauer offenbar nichts anfangen. Er pöbelte anderen Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus entgegen, sie könnten "die Kresse halten".Mehr...

Wirtschaft

BP schließt 2011 mit Milliardengewinn ab

BP schließt 2011 mit Milliardengewinn ab

London - Der britische Ölkonzern BP hat das Jahr 2011 mit einem Milliardengewinn abgeschlossen.Mehr...

Schlecker-Frauen zeigen sich kämpferisch

Schlecker-Frauen zeigen sich kämpferisch

Dresden - Gruselarbeitgeber Schlecker? Der Ruf der insolventen Drogeriekette löste auch viel Misstrauen unter den Mitarbeitern aus. Doch Verkäuferinnen wie eine 30-jährige Dresdnerin hoffen auf eine Zukunft - und zwar bei Schlecker.Mehr...

Dreamliner bereitet Boeing erneut Probleme

Dreamliner bereitet Boeing erneut Probleme

Chicago - Boeing hat wieder Probleme mit dem Dreamliner 787. Bei einigen Modellen des neuen Langstreckenflugzeugs seien Reparaturarbeiten am Heck nötig, teilte der US-Flugzeugbauer am Montag mit.Mehr...

Probeabo

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

SkyScraper