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Koran-Verbrennung: US-Botschaften in Alarmbereitschaft

Koran-Verbrennung: US-Botschaften in Alarmbereitschaft

Washington - US-Botschaften in aller Welt überprüfen vor der angekündigten Koranverbrennung durch eine Kirche in Florida ihre Sicherheitsmaßnahmen. Auch das US-Mililtär rechnet mit gravierenden Folgen.

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In Ländern, in denen antiamerikanische Proteste zu erwarten seien, sollen Warnhinweise an US-Bürger ausgegeben werden, teilte das Außenministerium am Mittwoch mit. Die US-Regierung befürchtet, dass die für Samstag von einer Kirchengemeinde in Florida angekündigte Verbrennung des heiligen islamischen Buchs in muslimischen Ländern zu Ausschreitungen führen könnten. Die Kirche - das Dove World Outreach Center in Gainesville will am Samstag, dem Jahrestag der Anschläge auf New York und Washington am 11. September 2001, Koranbücher verbrennen. Sie ließ sich davon bisher auch nicht von Außenministerin Hillary Clinton und US-Generälen abbringen, die warnten, diese gefährde amerikanische Soldaten, Diplomaten und Reisende.

Die Pläne von Pastor Terry Jones repräsentierten nicht die amerikanische Haltung zum Islam. “So sind wir nicht“, sagte Clinton laut CNN am Mittwoch bei einer außenpolitischen Tagung in Washington. Der Oberkommandierende der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, verglich die Auswirkungen, die eine Verbrennung des Korans auf das Ansehen der USA haben würde, mit den Folter-Fotos von Abu Ghoreib.

“Wir sind besorgt, dass die Bilder (...) in der gleichen Weise benutzt würden wie Bilder von Abu Ghoreib - sie wären sozusagen nicht zu löschen“, so der General. “Sie würden von jenen benutzt, die uns Böses wollen, um zur Gewalt anzustacheln und die öffentliche Meinung gegen uns und unsere Mission hier ein Afghanistan aufzubringen - und zweifellos auch gegen unsere Missionen rund um die Welt.“

Petraeus bezog sich dabei auf die Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghoreib im Irak. Fotos, die 2004 im Internet auftauchten, lösten damals weltweit Abscheu und Empörung aus, insbesondere aber in der islamischen Welt.

Clinton sagte, sie wünsche sich, dass die Medien kein so großes Interesse an Pastor Jones zeigen würden. Dabei verwies sie darauf, dass er nur einer kleinen Gemeinde von gerade mal 50 Mitgliedern vorstehe. Aber “das ist die Welt, in der wir jetzt leben“, fügte sie hinzu. Zugleich bekräftigte Clinton die von Petraeus vorgebrachte Sorge, dass eine Koran-Verbrennung US-Soldaten in Ländern wie Afghanistan gefährden könnte.

In der ganzen Welt haben sich politische und religiöse Führer mit Abscheu zu den Plänen der radikalen Christen aus Florida geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu der Ankündigung: “Das ist schlicht respektlos. Abstoßend - einfach falsch.“

Aus dem Vatikan hieß es: “Man kann die verwerflichen Gewalttaten (des 11. September) nicht damit heilen, dass man die heilige Schrift einer anderen Religion grob beleidigt.“ Alle Religionen hätten ein Anrecht auf Respekt und Schutz, erklärte der Vatikanische Rat für Interreligiösen Dialog.

Die Vereinten Nationen in Afghanistan warnten vor schweren Folgen. Sollte die “abscheuliche Tat“ wirklich vollzogen werden, würde dies die Gegner von Frieden und Versöhnung am Hindukusch stärken, meinte der UN-Sondergesandte, Staffan de Mistura. Auch die Europäische Union kritisierte die geplante Aktion scharf.

Jones zeigte sich trotz der Kritik an seinem Vorhaben weiter unbeirrt. Er bekräftigte, dass er mit der Aktion am neunten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September dem “radikalen Islam“ klarmachen wolle, “dass wir sein Verhalten nicht tolerieren werden“. Ein mögliches Einlenken komme für ihn nur infrage, wenn Gott ihm ein entsprechendes Signal sende. Jones, der auch lange Jahre in Köln tätig war, hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 100 Morddrohungen erhalten und trägt jetzt eine Pistole bei sich.

Der Sender MSNBC zitierte am Mittwoch ein Mitglied der evangelikalen Gemeinde, dem Dove World Outreach Center, mit den Worten, Kirchenmitglieder hätten bereits einen Stapel von etwa 150 Koranen aus verschiedenen Teilen der Welt erhalten. “Wir erwarten, mindestens 200 zu verbrennen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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