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Militärexperte Sascha Lange zu Bundeswehr in Afghanistan: „Taliban taktisch immer gewiefter“

Militärexperte: „Taliban taktisch immer gewiefter“

116.04.10|Politik|Politik|4
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Artikel: Militärexperte: „Taliban taktisch immer gewiefter“

München - Die Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan sind einer wachsenden Gefahr ausgesetzt. Warum, das erklärt Militärexperte Sascha Lange im Interview:

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Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Über die Situation der Bundeswehr in Afghanistan sprachen wir mit Sascha Lange von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Seine Spezialgebiete sind militärische Waffen und Strategien.

Sind die deutschen Soldaten in Afghanistan ausreichend bewaffnet, um sich gegen die Taliban wehren zu können?

Sondern? Wo liegen die Defizite?

Bei solchen asymmetrischen Kämpfen haben wir das Problem, dass man erst mal Aufklärung betreiben und ein Lagebild erstellen muss. Ziele müssen geortet und identifiziert werden, um sicherzustellen, dass es sich um gegnerische Kämpfer und nicht um Zivilisten oder eigene Kräfte handelt. Sonst können wir nach unseren Maßgaben eigentlich nicht feuern. Dazu könnten noch mehr Mittel, vor allem unbemannte Luftfahrzeuge wie die Heron-1, bereitgestellt werden.

Haben die Panzerhaubitzen, die nun nach Afghanistan gebracht werden sollen, dann überhaupt einen Nutzen?

Ich will nicht sicher ausschließen, dass die auch mal eingesetzt werden können. Aber wenn man sich beispielsweise die Kämpfe vom Karfreitag anschaut, sieht man, dass Kampfflugzeuge stundenlang über dem Gefechtsfeld gekreist sind, ohne ihre Waffen einzusetzen. Und wenn man von einem Flugzeug aus schon keine Bomben abwirft, dann wird man wohl auch eine Panzerhaubitze nicht zum Einsatz bringen. Denn auch für diese gilt: Man braucht erst mal ein gutes Lagebild.

Unsere Soldaten in Afghanistan

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Die Bundeswehr soll zudem neue Eagle-IV-Fahrzeuge bekommen – in genau so einem sind nun Soldaten gestorben: Wie viel Schutz bieten solche Fahrzeuge?

Im Vergleich zu den Fahrzeugen anderer Nationen sind die Dingos, Fuchs-Transportpanzer und Eagle IV der Bundeswehr sehr gut geschützt. Dagegen sind die Briten im Süden Afghanistans überspitzt formuliert oft mit „Campingmobilen“ wie dem Coyote oder Jackal unterwegs. Diese Fahrzeuge haben nicht mal ein Stoffdach. Wenn die beschossen werden oder auf eine Mine fahren, haben sie ein viel höheres Verletzungs- oder gar Todesrisiko als die Bundeswehr.

Reichen die 60 neuen Eagle IV aus, die der Verteidigungsminister angekündigt hat?

Es wäre besser, wenn man zudem noch deutlich mehr geschützte Fahrzeuge wie Fuchs oder Dingo hätte. Momentan ist der Einsatzbedarf in Afghanistan so hoch, dass die Fahrzeuge aus der Produktion direkt dorthin geliefert werden. Deshalb sind nicht genügend für die Ausbildung in Deutschland vorhanden. Es ist nicht selten der Fall, dass die Soldaten die Fahrzeugtypen erst in Afghanistan richtig kennenlernen und deshalb auch noch keine Erfahrung damit haben, wie sie in Stresssituationen oder im Gefecht zu handhaben sind.

Und offenbar verfügen die Taliban über Mittel, um die Panzerung der deutschen Fahrzeuge zu brechen – wie nun durch eine Sprengfalle.

Die Taliban gehen so vor: Wenn eine Sprengfalle mit zehn Kilogramm nicht ausreicht, packen sie beim nächsten Mal 20 oder 30 Kilo drunter. Hundertprozentige Sicherheit gibt es also nicht. Selbst wenn die Bundeswehr nur noch mit schweren Leopard-Panzern herumfahren würde, wäre sie nicht unverwundbar.

Interview: Andreas Zimniok

Rubriklistenbild: © dpa

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