Sie hatte die steigenden Geburtenzahlen 2007 als Erfolg ihres Elterngeldes verbucht und war dann mit Häme übergossen worden, als sie 2008 wieder sanken: Eine neue Studie gibt Familienministerin Ursula von der Leyen dennoch Recht.

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Forscher sagen: Das Elterngeld wirkt schon.
Ministerin Ursula von der Leyen wird diese Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung mit Freude lesen. Denn sie erklärt, warum trotz neuer Familienpolitik in Deutschland weniger Kinder geboren werden, das 2007 eingeführte Elterngeld aber trotzdem ein Erfolg ist. Ein kleiner wenigstens.
„2008 war kein Rückschlag, die Geburtenfreudigkeit ist nicht gesunken“, schreiben die Autoren und merken an: „Die Richtung der Familienpolitik stimmt.“ Das eigentliche Problem sei, dass in Deutschland die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter rapide abnimmt. Den höchsten Geburtenstand hatten wir 1964; damals kamen 1.357.304 Kinder zur Welt. Inzwischen sind diese Babyboomer-Jahrgänge Mittvierziger und haben die Phase des Kinderkriegens weitgehend abgeschlossen.
Bis 2006 sanken die Geburten auf einen Tiefstand von 672.724. Nach einer leichten Erholung 2007 kamen 2008 wieder weniger Babys. Dennoch sind die Forscher vorsichtig optimistisch, denn die Zahl der potenziellen Mütter ist noch viel stärker geschrumpft. Das heißt: Trotz sinkender absoluter Zahlen bekommen die Menschen in Deutschland wieder mehr Kinder. Der statistische Mittelwert der letzten Jahre von 1,34 Kindern pro Frau gehört weltweit allerdings zu den niedrigsten.
Zu den geburtenärmsten Kreisen gehören derzeit aber auch die Städte Passau und Würzburg, wo die Frauen durchschnittlich nur 0,97 Kinder bekommen. Das sei ein generelles Phänomen von Universitätsstädten, schränkt Reiner Klingholz, einer der Autoren der Studie, ein. Junge Frauen konzentrierten sich hier auf ihr Studium und gingen als Mütter dann in die Landkreise. Generell seien in den urbanen Zentren, wo mehr qualifizierte, erwerbstätige Frauen leben, die Geburtsraten aber gestiegen.
Noch ein zweiter Trend ist zwischen Ost und West gegenläufig. Während die Mütter im Osten traditionell sehr jung sind, haben Teenagergeburten dort weiter zugenommen und liegen heute bei fünf bis sieben Prozent. Im Westen sind sie dagegen eher Ausnahme.
Deutschlandweit hat sich die Schwangerschaft in höhere Altersgruppen verschoben. Die meisten Kinder bekommen derzeit die 30-Jährigen. Aber auch noch mit 35 liegen Babys im Trend. 2007 haben die 35-Jährigen doppelt so viele Kinder zur Welt gebracht wie die 21-Jährigen. Späte Mutterschaft scheint allerdings das Privileg wohlhabender Regionen mit hohem Qualifikationsniveau zu sein. „Im reichen Landkreis Starnberg wird bereits jedes dritte Kind von einer Mutter im Alter von 35 bis 39 Jahren geboren.
Im wenig wohlhabenden Frankfurt/Oder hat nur jedes elfte Kind so eine alte Mutter“, haben die Forscher festgestellt. Dieser Trend setzt sich offenbar fort. So sei der Anteil der Spätgeburten in Regionen wie München, Erlangen und dem Kreis Ebersberg in den letzten zehn Jahren über zehn Prozentpunkte angestiegen. Resümee der Autoren: Ein Ausbau der Kinderbetreuung „ist dringend geboten“. Dies komme dem offensichtlichen Wunsch junger Menschen nach, sowohl einen Beruf als auch eine Familie zu haben
Monika Reuter



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