Superbanner

Atomkraftwerk: Neue Panne in Krümmel-Sicherheitstechnik

Neue Panne in Sicherheitstechnik des AKW Krümmel

Hamburg - Überwachung am Transformator war nicht installiert - Kraftwerksleiter geht - “Schlicht vergessen“

© dpa

Das Kernkraftwerk im schleswig-holsteinischen Krümmel bei Geesthacht.

Die Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel reißt nicht ab: Weil an dem Reaktor in Geesthacht der Einbau einer hochmodernen Sicherheitsanlage schlicht vergessen wurde, musste der Kraftwerksleiter seinen Posten räumen.

Betreiber Vattenfall gab am Dienstag die neue Sicherheitspanne in dem seit drei Tagen abgeschalteten AKW bei Hamburg zu. Krümmel wird nun mindestens neun Monate stillstehen, weil Vattenfall auf Wunsch der Atomaufsichtsbehörde für 16 Millionen Euro zwei neue Maschinentransformatoren kaufen will.

Vattenfall-Vorstandsvorsitzender Tuomo Hatakka machte den Unfall zur Chefsache. Vattenfall räumte am Dienstag ein, dass eine behördlich vorgeschriebene Überwachungseinrichtung am betroffenen Maschinentransformator nicht installiert war. Der Einbau sei “schlicht vergessen“ worden, sagte eine Sprecherin. Die Atomaufsichtsbehörde in Kiel erklärte, die Montage genau dieses Gerätes sei fest mit Vattenfall vereinbart gewesen.

Ein Kurzschluss an der Anlage war es, der am Samstag zur Notabschaltung von Krümmel geführt hatte.

Neue Transformatoren frühestens April 2010

Bei dieser Überwachungseinrichtung des Maschinentransformators geht es um die sogenannte Teilentladungsmessung mit Hilfe von Körperschall-Detektoren. Teilentladungen können in der Hochspannungstechnik Hinweise auf Fehler in der Isolierung sein. Schäden in der Isolierung wiederum können sich unter bestimmten Umständen zu Kurzschlüssen auswachsen.

Das Knistern unter Hochspannungsleitungen beispielsweise geht auf Teilentladungen zurück. Die vergessenen Detektoren registrieren die Geräusche der Teilentladungen. Aus diesen Daten können Hinweise auf Schäden an Isolierungen abgelesen werden.

Das Kraftwerk Krümmel ist seit einem Transformator-Kurzschluss am Samstag auf unabsehbare Zeit abgeschaltet. Nach der Panne kam es zu Störungen im Stromnetz von Hamburg und Teilen von Schleswig-Holstein. Der Unfall hatte Ähnlichkeit mit dem schweren Unfall von vor zwei Jahren, als nach einem Brand der Reaktor für zwei Jahre stillstand.

Vattenfall will nun die beiden Maschinentransformatoren in Krümmel komplett austauschen. Damit geht das Unternehmen auf eine Forderung der Atomaufsicht ein. Der Austausch kostet Vattenfall rund 16 Millionen Euro. Neue Transformatoren könnten frühestens April/Mai 2010 geliefert und eingebaut werden. Bis dahin steht das Kraftwerk still.

Zwischenbericht für Donnerstag angekündigt

Als Konsequenz aus der fehlenden Überwachungsanlage gab der Kraftwerksleiter laut Unternehmen auf eigenen Wunsch seine Aufgaben ab. Sein Stellvertreter übernahm die Verantwortung. Vattenfall-Chef Hatakka will am Donnerstag in Berlin einen Zwischenbericht über den Unfall abgeben. Die neuen Fehler verlängern die Pannenliste nach dem Unfall: Zunächst gab es am Samstag um 12.02 Uhr den Unfall selbst. Dann versäumte Vattenfall es, die Atomaufsicht schnell zu informieren.

Am Sonntag räumte Vattenfall drei Folgeschäden der Notabschaltung des Reaktors ein: Wegen eines defekten Brennelementes kam es zu einer Erhöhung der Radioaktivität im Reaktorwasser. Außerdem kam es zu Problemen bei der Kühlung des Reaktorwasser-Reinigungssystems. Des weiteren war ein Elektronikteil kaputt, das der Sicherheit eines Steuerstabes dient.

Das AKW Krümmel war nach einem Brand in einem der beiden Maschinentransformatoren im Sommer 2007 für zwei Jahre stillgelegt worden. Bei der Reparatur und den folgenden Wartungsarbeiten tauchten immer neue technische Probleme auf. Es war erst wenige Tage wieder in Betrieb als der Unfall am Samstag passierte.

ap

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Steinbrück: Sarrazins Thesen sind "Bullshit"

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die jüngsten Euro-Thesen des Autors und früheren Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin für “erbärmlich“ und wirft ihm “D-Mark-Chauvinismus“ vor.Mehr...

Özdemir warnt Piraten-Wähler

Berllin - Die Grünen haben die Wähler davor gewarnt, mit Stimmen für die Piratenpartei große Koalitionen zu ermöglichen und Rot-Grün zu verhindern.Mehr...

Ort des Geschehens

53.5534074,9.9921962

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Röttgen-Verabschiedung: Merkel wie versteinert

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Organspende: So sieht die neue Regelung aus

Berlin - Niemand wird zum Ja gezwungen, aber alle werden gefragt - die Bürger sollen sich zur Organspende bekennen. Nach rund 15 Jahren Debatte zieht der Bundestag Konsequenzen aus dem fatalen Organmangel.Mehr...

Holocaust & Euro: Sarrazin-Eklat bei Jauch

Berlin - Thilo Sarrazin hat erneut mit gewagten Äußerungen provoziert. Sein Auftritt in Günther Jauchs ARD-Talkshow wurde von Politikern von SPD, FDP und Grünen scharf kritisiert.Mehr...

Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.Mehr...

Wirtschaft

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

London - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat wenig Mitleid für die unter Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen leidenden Griechen. Ihre Lösungsvorschläge.Mehr...

Sonne liefert Deutschland erstmals soviel Leistung wie 20 AKW

Sonne liefert soviel Leistung wie 20 AKW

Münster - Energiewende und sommerliches Wetter machen es möglich: Deutschland hat eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie erreicht. Dass ist auch ein Verdienst der Bundesregierung.Mehr...

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Stuttgart - Jeder dritte Deutsche sieht einer Studie zufolge wegen der Flucht vieler Anleger ins “Betongold“ im Zuge der Finanzkrise die Gefahr einer Immobilienblase. Was die Deutschen befürchten.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper