Hamburg - Überwachung am Transformator war nicht installiert - Kraftwerksleiter geht - “Schlicht vergessen“

© dpa
Das Kernkraftwerk im schleswig-holsteinischen Krümmel bei Geesthacht.
Die Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel reißt nicht ab: Weil an dem Reaktor in Geesthacht der Einbau einer hochmodernen Sicherheitsanlage schlicht vergessen wurde, musste der Kraftwerksleiter seinen Posten räumen.
Betreiber Vattenfall gab am Dienstag die neue Sicherheitspanne in dem seit drei Tagen abgeschalteten AKW bei Hamburg zu. Krümmel wird nun mindestens neun Monate stillstehen, weil Vattenfall auf Wunsch der Atomaufsichtsbehörde für 16 Millionen Euro zwei neue Maschinentransformatoren kaufen will.
Vattenfall-Vorstandsvorsitzender Tuomo Hatakka machte den Unfall zur Chefsache. Vattenfall räumte am Dienstag ein, dass eine behördlich vorgeschriebene Überwachungseinrichtung am betroffenen Maschinentransformator nicht installiert war. Der Einbau sei “schlicht vergessen“ worden, sagte eine Sprecherin. Die Atomaufsichtsbehörde in Kiel erklärte, die Montage genau dieses Gerätes sei fest mit Vattenfall vereinbart gewesen.
Ein Kurzschluss an der Anlage war es, der am Samstag zur Notabschaltung von Krümmel geführt hatte.
Das Knistern unter Hochspannungsleitungen beispielsweise geht auf Teilentladungen zurück. Die vergessenen Detektoren registrieren die Geräusche der Teilentladungen. Aus diesen Daten können Hinweise auf Schäden an Isolierungen abgelesen werden.
Das Kraftwerk Krümmel ist seit einem Transformator-Kurzschluss am Samstag auf unabsehbare Zeit abgeschaltet. Nach der Panne kam es zu Störungen im Stromnetz von Hamburg und Teilen von Schleswig-Holstein. Der Unfall hatte Ähnlichkeit mit dem schweren Unfall von vor zwei Jahren, als nach einem Brand der Reaktor für zwei Jahre stillstand.
Vattenfall will nun die beiden Maschinentransformatoren in Krümmel komplett austauschen. Damit geht das Unternehmen auf eine Forderung der Atomaufsicht ein. Der Austausch kostet Vattenfall rund 16 Millionen Euro. Neue Transformatoren könnten frühestens April/Mai 2010 geliefert und eingebaut werden. Bis dahin steht das Kraftwerk still.
Zwischenbericht für Donnerstag angekündigt
Als Konsequenz aus der fehlenden Überwachungsanlage gab der Kraftwerksleiter laut Unternehmen auf eigenen Wunsch seine Aufgaben ab. Sein Stellvertreter übernahm die Verantwortung. Vattenfall-Chef Hatakka will am Donnerstag in Berlin einen Zwischenbericht über den Unfall abgeben. Die neuen Fehler verlängern die Pannenliste nach dem Unfall: Zunächst gab es am Samstag um 12.02 Uhr den Unfall selbst. Dann versäumte Vattenfall es, die Atomaufsicht schnell zu informieren.
Am Sonntag räumte Vattenfall drei Folgeschäden der Notabschaltung des Reaktors ein: Wegen eines defekten Brennelementes kam es zu einer Erhöhung der Radioaktivität im Reaktorwasser. Außerdem kam es zu Problemen bei der Kühlung des Reaktorwasser-Reinigungssystems. Des weiteren war ein Elektronikteil kaputt, das der Sicherheit eines Steuerstabes dient.
Das AKW Krümmel war nach einem Brand in einem der beiden Maschinentransformatoren im Sommer 2007 für zwei Jahre stillgelegt worden. Bei der Reparatur und den folgenden Wartungsarbeiten tauchten immer neue technische Probleme auf. Es war erst wenige Tage wieder in Betrieb als der Unfall am Samstag passierte.
ap
Karte wird geladen...




Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.