Superbanner

Obamas Coup: "Schützer der Mittelschicht" schlägt zu

Obamas Coup: "Mittelschicht-Schützer" schlägt zu

Washington - Perfektes Timing: Milliarden-Hilfen für Hausbesitzer - die Regierung verkündet die Nachricht zu einem besonders wichtigen Zeitpunkt des Wahlkampfes. Aber wird Obama davon profitieren?

© dpa

Hofft, dass seine Rechnung aufgeht: US-Präsident Barrack Obama.

An einen Zufall glauben wohl nur wenige. In Washington versammelte sich am Donnerstag die Prominenz der republikanischen Partei, auf einer mehrtägigen Konferenz soll für eine Renaissance sozialkonservativer Werte und gegen Präsident Barack Obama getrommelt werden. Just zur selben Zeit, nach mehr als einjährigen Verhandlungen, verkündete die US-Regierung ihren spektakulären Immobilien-Milliardenvergleich mit den Banken - und landete damit einen doppelten Coup.

Bedrängte Hausbesitzer erhalten Hilfen, Kreditinstitute, die weitgehend für die Immobilienblase und den folgenden Zusammenbruch des Häusermarktes verantwortlich gemacht werden, eine Strafe: Das klingt gut in Wahlkampfzeiten - egal, ob sich die Maßnahmen am Ende vielleicht nur als Tropfen auf den heißen Stein erweisen. So sparte Justizminister Eric Holder denn auch nicht mit Superlativen, als er den Deal bekanntgab: Historisch nannte er ihn, überaus bedeutend und bisher einmalig. Fernsehsender, die noch am Morgen das Publikum ausführlich auf das republikanische Spektakel in Washington eingestimmt hatten, schalteten auf Holders Pressekonferenz um.

Oval-Office: Hier arbeitet der US-Präsident

zurück

vor

Schon seit Monaten ist das Leitmotiv klar, mit dem Obama für seine Wiederwahl am 6. November kämpft: Er präsentiert sich als ein Advokat der Mittelschicht und brandmarkt seine konservativen Herausforderer als Beschützer der Reichen. Verbunden hat er das mit zunehmend scharfen Tönen gegen die Banken. Mit dem jetzt verkündeten Vergleich spielt Obama weiter auf dieser Klaviatur.

Mit der Vereinbarung würden die Kreditinstitute für ihre “missbräuchlichen Praktiken“ zur Rechenschaft gezogen, sagte Holder mit Blick auf die Reihe fehlerhafter Zwangsvollstreckungen. Banken seien jetzt gezwungen, gründlich “bei sich selbst aufzuräumen“, stieß Wohnungsbauminister Shaun Donovan ins selbe Horn. Und: Amerikas Familien könnten sich künftig auf neue Standards bei der Hypotheken-Vergabe verlassen, die “vom gesunden Menschenverstand“ diktiert würden.

Geht Obamas Rechnung auf? Gestiegene Umfragewerte in den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass der Demokrat mit seiner Strategie bei einem großen Teil der Bevölkerung gut ankommt. Noch stärker fällt natürlich ins Gewicht, dass es gleich an mehreren Fronten Zeichen für einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend gibt - allem voran Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt. Experten sind sich seit langem weitgehend darin einig: Setzt sich der Trend fort, hat Obamas Herausforderer - wer immer es auch sein wird - im November einen schweren Stand.

Einigkeit besteht aber auch in diesem Punkt: Es ist nach wie vor hauptsächlich der zerrüttete Häusermarkt, der das Wirtschaftswachstum hemmt. Milliarden an Steuergeldern zur Stützung, die etwa an die staatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae gingen, änderten wenig an der Misere der Millionen Amerikaner, denen das Wasser bis zum Hals steht.

Analysten wühlten sich am Donnerstag noch durch die teils komplizierten Regeln und Bestimmungen des Vergleichs, der nach Schätzungen der “New York Times“ knapp einer Million Hausbesitzer in irgendeiner Form Erleichterungen bringen wird. Das ist ein relativ kleiner Teil der betroffenen Bürger, “aber auf jeden Fall eine gute Hilfe“, wie es etwa der demokratische Kongressabgeordnete Peter Welch eher vorsichtig formulierte. Wichtig, ja, aber “kein Schritt, der das Leben der Kreditkunden verändert“, meint Gus Altuzarra von der Vertical Capital Market Group, die Kredite von Banken aufkauft.

Viel hänge davon ab, wie das Programm umgesetzt werde, nachdem frühere Hilfsmaßnahmen für bedrängte Hausbesitzer weitaus weniger Wirkungen gezeigt hätten als erwartet, urteilt die “New York Times“. Aber bis man weiß, ob der Vergleich ein größerer Wurf ist oder nicht, hat Amerika vermutlich bereits gewählt - und Obama könnte davon profitiert haben, dass er die Banken zum Wohl des “kleinen Bürgers“ an die Kandare genommen hat. Schon jetzt ist es ihm zumindest gelungen, den Republikanern zum Auftakt ihrer Konferenz die Show zu stehlen. Und besonders wichtig: Es gelang der Regierung, Florida zum Mitmachen beim Vergleich zu gewinnen. Hier ist der Häusermarkt besonders am Boden - und hier könnte sich entscheiden, wie der nächste Präsident heißt.

dpa

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Steinbrück: Sarrazins Thesen sind "Bullshit"

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die jüngsten Euro-Thesen des Autors und früheren Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin für “erbärmlich“ und wirft ihm “D-Mark-Chauvinismus“ vor.Mehr...

Özdemir warnt Piraten-Wähler

Berllin - Die Grünen haben die Wähler davor gewarnt, mit Stimmen für die Piratenpartei große Koalitionen zu ermöglichen und Rot-Grün zu verhindern.Mehr...

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Röttgen-Verabschiedung: Merkel wie versteinert

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Organspende: So sieht die neue Regelung aus

Berlin - Niemand wird zum Ja gezwungen, aber alle werden gefragt - die Bürger sollen sich zur Organspende bekennen. Nach rund 15 Jahren Debatte zieht der Bundestag Konsequenzen aus dem fatalen Organmangel.Mehr...

Holocaust & Euro: Sarrazin-Eklat bei Jauch

Berlin - Thilo Sarrazin hat erneut mit gewagten Äußerungen provoziert. Sein Auftritt in Günther Jauchs ARD-Talkshow wurde von Politikern von SPD, FDP und Grünen scharf kritisiert.Mehr...

Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.Mehr...

Wirtschaft

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

London - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat wenig Mitleid für die unter Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen leidenden Griechen. Ihre Lösungsvorschläge.Mehr...

Sonne liefert Deutschland erstmals soviel Leistung wie 20 AKW

Sonne liefert soviel Leistung wie 20 AKW

Münster - Energiewende und sommerliches Wetter machen es möglich: Deutschland hat eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie erreicht. Dass ist auch ein Verdienst der Bundesregierung.Mehr...

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Stuttgart - Jeder dritte Deutsche sieht einer Studie zufolge wegen der Flucht vieler Anleger ins “Betongold“ im Zuge der Finanzkrise die Gefahr einer Immobilienblase. Was die Deutschen befürchten.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper