Superbanner

Günther Oettinger (CDU) soll überraschend deutscher EU-Kommissar werden

Oettinger soll überraschend deutscher EU-Kommissar werden

Berlin - Mit einem völlig überraschenden Vorschlag für die Besetzung des deutschen Postens in der EU-Kommission hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) für Furore gesorgt.

© dpa

Günther Oettinger (CDU) soll neuer deutscher EU-Kommissar werden.

Nach ihrem Willen soll Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) neuer deutscher EU-Kommissar werden. Merkel zeigte sich am Samstag in Berlin überzeugt, dass Oettinger "ein politisches Schwergewicht in Brüssel" werden wird. Grüne und Linkspartei reagierten auf die Personalentscheidung mit scharfer Kritik.

Merkel sagte, Oettinger werde ein "interessantes und für Deutschland wichtiges Ressort" innerhalb der EU-Kommission bekommen und mit seiner wirtschaftspolitischen Erfahrung ein wichtiger Ansprechpartner in Brüssel sein.

Dies Oettinger sagte, er sei an einer Aufgabe interessiert, die mit wirtschaftlichen Fragen zusammenhänge. Er soll Nachfolger des SPD-Politikers Günter Verheugen werden, der Vizepräsident und Industriekommissar in der noch bis Ende Oktober amtierenden EU-Kommission ist. Für den Wechsel nach Brüssel braucht der CDU-Politiker noch die Bestätigung durch das Europaparlament.

Oettinger sagte nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstands: "Ich sehe mich als Dienstleister für den europäischen Gedanken und für die Interessen Deutschlands in Brüssel und Straßburg." Er räumte ein, dass das Angebot Merkels für ihn unerwartet gekommen sei. "Ich bin überrascht worden." Merkel habe ihn von ihrer Absicht erst vor der abschließenden Koalitionsrunde am Freitag informiert.

Als Favorit für die Nachfolge als Regierungschef im Südwesten gilt CDU-Landtagsfraktionschef Stefan Mappus. Der 43-Jährige kündigte umgehend an, für das Amt kandidieren zu wollen. Er habe die Rückendeckung der CDU-Fraktion, hieß es in Berlin und Stuttgart. Als erster Kreisverband im Südwesten forderte die CDU in Heilbronn, die Parteimitglieder in einer Urwahl über den Nachfolger Oettingers abstimmen zu lassen. Oettinger kündigte an, er wolle keinen Personalvorschlag machen, sondern verstehe sich als "Moderator" bei der Suche nach einem Nachfolger als Ministerpräsident.

Der 56-jährige Oettinger ist seit 2005 Regierungschef in Baden-Württemberg. Er setzte sich seinerzeit in einer Urwahl gegen Landeskultusministerin Annette Schavan (CDU) durch. Der CDU-Landeschef gilt als Wirtschafts- und Finanzexperte. Zuletzt war mehrfach Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als möglicher EU-Kommissar genannt worden. Schäuble soll aber nun Bundesfinanzminister werden.

Das Verhältnis zwischen Merkel und Oettinger war nicht immer harmonisch. Zuletzt hatte der Regierungschef die Kanzlerin mit seinen Gedankenspielen über eine höhere Mehrwertsteuer wenige Wochen vor der Bundestagswahl verärgert. Auch in Baden-Württemberg hatte er in den vergangenen Monaten nach Umfragen erheblich an Sympathie eingebüßt. Von 2007 bis 2009 leitete Oettinger gemeinsam mit dem damaligen SPD-Fraktionschef Peter Struck die Föderalismuskommission II. Diese lieferte das Konzept für eine effektive Schuldenbremse, die seit Sommer im Grundgesetz steht.

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, sieht durch die Personalentscheidung das deutsche Ansehen in der EU bedroht. "Einen Landesfürsten da hinzuschicken, ist außerordentlich problematisch", sagte er der dpa in Rostock. Als Ministerpräsident habe sich Oettinger bislang in den Reihen der Bremser der EU-Integration befunden. Die Linkspartei forderte eine Neuwahl des Landtags. "Jetzt muss ein Schnitt gemacht werden. Sonst droht eine lange Zitterpartie", teilte am Samstag der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Ulrich Maurer, mit.

Die Südwest-SPD sieht in dem Wechsel einen Offenbarungseid der CDU. "Kanzlerin Angela Merkel zieht einen angeschlagenen Ministerpräsidenten aus dem Verkehr", sagte SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel der dpa: "Das Land steht in der größten Wirtschaftskrise, ist finanzpolitisch am Ende, und die CDU ist jetzt erstmal mit sich selbst beschäftigt." Die Grünen im Landtag sprachen von einer Flucht vor der Verantwortung. "Ein Kapitän verlässt das Schiff nicht, wenn Sturm aufkommt, sondern führt es", sagte Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann der dpa. 

Henning Otte und Bernward Loheide, dpa

zurück zur Übersicht: Politik

Lesen Sie auch:

SPD wirft Merkel Trickserei vor

SPD wirft Merkel Trickserei vor

Berlin  - Die SPD hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, bei der Griechenland-Rettung mit Zahlen zu tricksen.Mehr...

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Live-Ticker: So läuft die Nachfolger-Suche

Berlin - Der Druck auf Christian Wulff war gewaltig. Um 11 Uhr hat der Bundespräsident schließlich seinen Rücktritt erklärt. Die aktuelle Entwicklung im Live-Ticker:Mehr...

Live-Ticker: So läuft die Nachfolger-Suche

Berlin - Der Druck auf Christian Wulff war gewaltig. Um 11 Uhr hat der Bundespräsident schließlich seinen Rücktritt erklärt. Die aktuelle Entwicklung im Live-Ticker:Mehr...

Ort des Geschehens

48.7722015,9.1919927

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Attacken und Bier: Bilder vom politischen Aschermittwoch

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Jubelnder Beifall für "Mister Aschermittwoch"

Passau - Fast alles wie früher beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau: Edmund Stoiber feiert einen Triumph. Und er mahnt sanft die eigene Partei.Mehr...

Live-Ticker: So läuft die Nachfolger-Suche

Berlin - Der Druck auf Christian Wulff war gewaltig. Um 11 Uhr hat der Bundespräsident schließlich seinen Rücktritt erklärt. Die aktuelle Entwicklung im Live-Ticker:Mehr...

Live-Ticker: So läuft die Nachfolger-Suche

Berlin - Der Druck auf Christian Wulff war gewaltig. Um 11 Uhr hat der Bundespräsident schließlich seinen Rücktritt erklärt. Die aktuelle Entwicklung im Live-Ticker:Mehr...

Wirtschaft

Car-Sharing: Mit dem geteilten Auto Geld sparen

Mit dem geteilten Auto Geld sparen

Teilen und sparen – das ist die Idee des Carsharings. Doch ein Auto, das sich viele Nutzer teilen, lohnt sich nicht für jeden. Bei rund 50 Cent pro Kilometer profitieren vor allem Wenigfahrer.Mehr...

EU will Ungarn Geld entziehen

EU will Ungarn Geld entziehen

Brüssel/Budapest - Weil Ungarn ein zu hohes Haushaltsdefizit hat, droht die EU jetzt mit Konsequenzen: Als erstem EU-Land sollen EU-Fördergelder entzogen werden.Mehr...

Anleger der Deutschen Bank können aus "Todeswette" aussteigen

Deutsche Bank: Ausstieg aus "Todeswette"

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank bietet Anlegern nun den Ausstieg aus der heftig kritisierten "Todeswette" an. Der geschlossene Fonds wirft Gewinn ab, wenn bestimmte Personen früher sterben als erwartet.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper