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Gillamoos-Volksfest - Gesundheitsminister Phillip Rösler spottet über "Barbiepuppe" Merkel

Rösler spottet über "Barbiepuppe" Merkel

206.09.10|Politik|Politik|22
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Artikel: Rösler spottet über "Barbiepuppe" Merkel

Abensberg - Irgendwie muss Philipp Rösler etwas falsch verstanden haben.  Bei seinem Auftritt auf dem Gillamoos-Volksfest hat er Kanzlerin Angela Merkel als “Barbiepuppe“ verspottet.

© dpa

Prost! Rösler auf dem Gillamoos in Abendsberg.

Als der FDP-Gesundheitsminister am Montag auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg seine erste bayerische Bierzeltrede hält, verzichtet er weitgehend auf die sonst üblichen Attacken auf den politischen Gegner.

Bilder vom Gillamoos-Volksfest

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Auch sein Dauer-Kontrahent innerhalb der Koalition, der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) - er redet im Festzelt nebenan - kommt ungeschoren davon. Rösler knöpft sich stattdessen die eigene schwarz-gelbe Regierung vor, spottet gar in einer kabarettreifen Rede über Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Söder gibt sich derweil handzahm - so dass die erwartete Redeschlacht zwischen den beiden ausfällt.

Nur Gabriel erfüllt sein Bierzelt-Soll

Einzig SPD-Chef Sigmar Gabriel erfüllt das Bierzelt-Soll - er attackiert Merkels Regierung aufs Heftigste, vor allem wegen des in der Nacht zuvor erzielten Atom-Kompromisses. Die Sicherheit der deutschen Bevölkerung beim Thema Atomkraft sei an vier große Konzerne “verkauft“ worden.

“So dreist ist in Deutschland noch nie der Eindruck erweckt worden, Politik sei käuflich. Die haben Geld geboten - und die anderen haben danach Gesetze gemacht“, wettert Gabriel. Das sei das “Leitprinzip“ von Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle. Über Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) schimpft er: “Der ist als schwarz-grüner Tiger gestartet und als begossener Pudel gelandet.“

Auch sonst lässt Gabriel kein gutes Haar an Union und FDP - und an Merkel, die sich intern den Spitznamen “Mutti“ gefallen lassen muss. “Mutti ist meistens außer Haus. Und wenn sie nicht da ist, dann benehmen sich Horst und Guido schlimmer als die “Wilde 13“ in der Augsburger Puppenkiste“, lästert Gabriel unter großem Gelächter der Zuhörer.

Mit Horst ist CSU-Chef Seehofer gemeint. “Und gegen das, was die da machen, da sind die Kinderläden der 68er schon so was wie eine preußische Kadettenanstalt.“ Und was solle man als Oppositionsführer machen, wenn sich die Koalitionäre schon gegenseitig als “Gurkentruppe“ und “Wildsau“ beschimpfen. “Aber eines muss ich sagen: Widersprechen will ich ihnen nicht.“

Söder bleibt zahm

Söder, bei dem das Festzelt anders als bei Verteidigungsminister und CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg im Vorjahr längst nicht gefüllt ist, hält sich dagegen zurück - auch gegenüber Rösler, dessen Gesundheitsreformpläne er noch vor kurzem scharf kritisiert hatte. Söder kokettiert zwar mit früheren Angriffen auf Rösler, eine Neuauflage der Attacken bleibt aber aus.

“Es besteht die Gefahr, dass es Koalitionskrisen geben könnte, wenn wir über Gesundheitspolitik reden“, scherzt Söder. Er beschränkt sich dann aber darauf, seine Positionen zu verdeutlichen - ohne Rösler direkt zu kritisieren. Den meisten Beifall erntet Söder, wenn er typische Bierzeltthemen anstimmt. “Es kann nicht sein, dass am Ende der Täterschutz fast wichtiger ist als der Opferschutz“, sagt er über die geplante Reform der Verwahrung gefährlicher Straftäter.

Und angesichts der Debatte über die Integration von Ausländern betont Söder die christliche Tradition des Freistaats: “In bayerische Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher - und dabei soll es auch bleiben.“

Bundeskanzlerin Merkel als Barbiepuppe verspottet

Nebenan spottet Rösler derweil über die Bundeskanzlerin. “Angela Merkel gibt es jetzt auch als Barbiepuppe. Die kostet 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro, aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge.“ Anschließend erläutert der FDP-Politiker immerhin vor Journalisten: “Ich habe schon immer Witze über meine Chefs gemacht.“

Doch auch sonst zieht Rösler kräftig vom Leder - über die eigenen Leute. “Das ist keine Koalition, sondern manchmal eine schlagende Verbindung.“ Seiner eigenen Regierung bescheinigt er, in den ersten zehn Monaten nichts getan zu haben: “Das waren genau die zehn Monate, die die Wirtschaft gebraucht hat, um sich zu erholen.“ Nun habe sich Merkel aber entschieden, “mit dem Regieren anzufangen“.

Erste Maßnahme: Live-Übertragungen der Kabinettssitzungen im Internet: “Google Kabinett View“, sagt Rösler dazu, “Untertitel Big Sister“. Die Übertragungen habe dann Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verhindert - mit der Begründung: “Wir wollen keine Gewalt im Internet.“ Denn im Kabinett gebe es “gelegentlich Zickenterror“. Was Merkel von Röslers Rede hält, bleibt am Montag erst einmal offen.

von Christoph Trost und Ulf Vogler

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