Superbanner

Die EU-Reform - Ihr seid das Volk!

Die EU-Reform

Ihr seid das Volk!

001.07.09|Politik|Politik|1
Drucken|Empfehlen|Schrift   a  /  A||recommendbutton_count130

Schliessen

Druckvorschau

Artikel: Ihr seid das Volk!

Berlin/Karlsruhe – Das Bundesverfassungsgericht hat den umstrittenen EU -Reformvertrag gebilligt, aber mehr Mitsprache für den Bundestag gefordert – ein Kompromiss, mit dem alle Seiten gut leben können.

Klarer Appell an die Bundestagsabgeordneten: der Zweite Senat in Karlsruhe.

© dpa

Klarer Appell an die Bundestagsabgeordneten: der Zweite Senat in Karlsruhe.

Bis auf den bemitleidenswerten Richter, der sich vor laufenden Fernsehkameras durch fast 200 Seiten Urteilsbegründung kämpfen muss, sieht man nur strahlende Gesichter: Die Beschwerdeführer Peter Gauweiler ( CSU ) und Oskar Lafontaine (Linke) freuen sich, dass das Bundesverfassungsgericht ihren Klagen zum Teil gefolgt ist und Europa klare Grenzen setzt. Der ebenfalls nach Karlsruhe gereiste Außenminister und SPD -Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist froh, dass der EU -Vertrag von Lissabon generell mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ) zeigt sich erleichtert, dass Deutschland der EU -Reform nicht länger im Wege steht. Und auch die Karlsruher Richter sind zufrieden: Immerhin haben sie nebenbei in eigener Sache klargestellt, dass auch künftig an den nationalen Verfassungsorganen kein Weg vorbeiführt.

„Das Grundgesetz sagt Ja zu Lissabon, verlangt aber auf nationaler Ebene eine Stärkung der parlamentarischen Integrationsverantwortung“, fasste der Vizepräsident des Gerichts, Andreas Voßkuhle , das einstimmige Urteil zusammen. Im Klartext: Das deutsche Parlament und die Länder, also Bundestag und Bundesrat, müssen bei der weiteren Entwicklung Europas mitreden können. Mit dem eigentlichen Vertragswerk von Lissabon, das die Rolle des EU -Parlaments stärkt und die bisherigen Vetorechte der 27 Mitgliedstaaten stark einschränkt, haben die obersten Richter kein Problem. Was sie beanstanden ist, dass sich vor allem der Bundestag seines Einflusses beraubt. Das Urteil legt das Kanzleramt in Ketten: Wenn etwa die EU in Brüssel eigene Strafgesetze erlassen oder Steuern festsetzen wollte, kann die Bundesregierung dies nicht einfach abnicken – sie muss künftig für solche Fälle ein eigenes Gesetz entwerfen und es von Bundestag und Bundesrat absegnen lassen. „Die Mitgliedstaaten bleiben die Herren der Verträge“, so Richter Voßkuhle. Zwar erlaube das deutsche Grundgesetz die Verlagerung von politischer Macht auf internationale Organisationen wie die EU , dabei müsse aber immer die demokratische Selbstbestimmung gewahrt bleiben. Ein klarer Appell der obersten Richter an die Abgeordneten von Bund und Ländern, ihre Mitspracherechte zu nutzen und zu verteidigen – frei nach dem Motto: „Ihr seid das Volk!“

Ob die 612 Abgeordneten des Deutschen Bundestags schon bei der Umsetzung des Karlsruher Richterspruchs von ihren Mitspracherechten Gebrauch machen können, ist fraglich. Die Zeit drängt, der Reformvertrag von Lissabon soll spätestens Anfang 2010 in Kraft treten. Die Fraktionen im Bundestag wollen eiligst das von Karlsruhe für verfassungswidrig erklärte Begleitgesetz ändern und es während der Sommerpause in zwei Sondersitzungen am 26. August und 8. September durchs Parlament peitschen. Der Bundesrat wird dann am 18. September über das Gesetz entscheiden. Erst danach kann Bundespräsident Horst Köhler seine Unterschrift unter den Vertrag setzen. Das Staatsoberhaupt hatte auf das gestrige Urteil gewartet und die Ratifizierung bewusst aufgeschoben.

Während sich einzelne Abgeordnete durch den Karlsruher Richterspruch ermuntert sehen, die Rolle des Parlaments neu zu diskutieren, machte Kanzlerin Merkel gestern bei einem Auftritt vor der CDU -Bundestagsfraktion deutlich, dass sie keine weitere Diskussion wünsche und das Gesetz im Eildurchgang nachbessern will. „Wir können das schnell schaffen“, wurde Merkel von Teilnehmern zitiert. Bislang haben 24 der 27 EU -Staaten den Vertrag ratifiziert. Noch fehlen die Urkunden von Deutschland, Tschechien, Polen und Irland. Die Iren stimmen im Herbst in einem Referendum erneut über die EU -Reform ab. Merkel und Steinmeier wollen vermeiden, dass eine erneute Debatte in Deutschland von den EU -Gegnern in Irland , Tschechien und Polen zum Vorwand genommen werden könnte, den Vertrag endgültig abzulehnen.

von Holger Eichele

zurück zur Übersicht: Politik

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Lesen Sie auch:

Neue Gräueltaten in Homs - Arabische Beobachter ziehen ab

Syrien: Neue Gräueltaten in Homs

Homs - In Syrien geht die blutige Unterdrückung der Opposition weiter. Neue Gräueltaten des Assad-Regimes werden aus Homs gemeldet. In Berlin kommen zwei mutmaßliche syrische Spione in Untersuchungshaft.Mehr...

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Ajatollah warnt USA und Israel vor Iran-Angriff

Tel Aviv - Im Streit um das iranische Atomprogramm wird der Ton immer schärfer. Der geistliche Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, warnte am Freitag die USA und Israel eindringlich vor einem Krieg.Mehr...

Wiesn-Affäre um Wulff

Berlin - Immer neue Vorwürfe tauchen gegen Bundespräsident Christian Wulff auf. Zu einer Privatkredit-, Medien- und Flugmeilen-Affäre kommt jetzt offenbar auch noch eine Oktoberfest-Affäre hinzu.Mehr...

Ort des Geschehens

49.0125027,8.4017377

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Aktuelle Fotostrecken

Putsch auf den Malediven

07.02.12|Politik|0

Auf den Malediven ging die Bevölkerung auf die Straße. Infolgedessen trat der Staatspräsident trat zurück. 
weitere Fotostrecken:
Newsletter

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Neue Vorwürfe gegen Wulff - mit pikantem Detail

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff sieht sich weiteren Vorwürfen ausgesetzt. Die Ungereimtheiten reichen ins Jahr 2007 zurück: Es gibt ein pikantes Detail.Mehr...

Hat Bayern 209 Milliarden Miese?

München - Der Bund der Steuerzahler fordert, dass der Freistaat deutlich mehr Geld für Beamtenpensionen zurücklegt. Eine Studie im Auftrag des Bundes kommt zum Ergebnis, dass schon jetzt mehr als 200 Milliarden Euro fehlen. Für die Pensionen zu sparen sei sinnvoller, als Schulden abzubauen.Mehr...

"Kresse halten!" Piraten-Politiker beschimpft Abgeordnete

Berlin - Mit Zwischenrufen im Parlament kann Piraten-Politiker Christopher Lauer offenbar nichts anfangen. Er pöbelte anderen Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus entgegen, sie könnten "die Kresse halten".Mehr...

Wirtschaft

Beratungen über neues griechisches Sparprogramm haben begonnen

Athen: Erste Details über Sparprogramm bekannt

Athen - In Griechenland haben die Gespräche über das neue Sparprogramm begonnen. Nun veröffentlichten Medien erste Details. Die jungen Griechen trifft es besonders hart.Mehr...

Bayern LB will Schadenersatz

200-Millionen-Klage gegen Faltlhauser

München - Die BayernLB verklagt ihre Ex-Chefaufseher Kurt Faltlhauser (CSU) und Siegfried Naser wie erwartet auf 200 Millionen Euro Schadenersatz. Zahlen sollen aber vor allem Versicherungen. Doch es gibt Zweifel, ob die Klage überhaupt zu gewinnen ist.Mehr...

Hilfe vom Staat: Welche Rücklagen zulässig sind

Hilfe vom Staat: Welche Rücklagen zulässig sind

München - Kindergeld, Bafög oder Hartz IV: Welche Rücklagen sind erlaubt, wenn es Geld vom Amt geben soll? Ein Überblick.Mehr...

Probeabo

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

SkyScraper