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Türkei spaltet Schwarz-Gelb

Türkei spaltet Schwarz-Gelb

Berlin - Zündstoff für die künftige Bundesregierung: Die CSU dringt auf ein klares Nein zum EU-Betritt der Türkei, der künftige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sperrt sich.

© dpa

Guido Westerwelle (FDP)

In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und FDP gibt es offenen Streit über die gemeinsame Position zu einem Beitritt der Türkei zur Europäischen Union. Nach Informationen unserer Zeitung dringen CSU und Teile der CDU auf eine strikte Absage an eine Vollmitgliedschaft der Türkei, während der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle jede Festlegung im Koalitionsvertrag ablehnt. „Die Frage stellt sich in den nächsten vier Jahren nicht, deshalb brauchen wir auch nicht darüber zu verhandeln“, wird der künftige Außenminister von Gesprächsteilnehmern zitiert.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dagegen bekräftigt den Widerstand der Union gegen einen EU-Beitritt. „Für uns ist klar: Im Koalitionsvertrag muss deutlich werden, dass es keine Zustimmung zu einer Vollmitgliedschaft der Türkei geben kann“, sagte Dobrindt unserer Zeitung. CDU und CSU seien sich einig, dass ein EU-Beitritt des Landes nicht in Frage komme. „Die Beziehungen der EU zur Türkei müssen immer eine Vollmitgliedschaft ausschließen.“ Das Angebot einer „privilegierten Partnerschaft“ bleibe „eine Option unterhalb der Mitgliedschaft“.

Der von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und dem FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer geleitete Koalitionsarbeitskreis zur Außenpolitik kommt heute zu weiteren Beratungen zusammen. Dabei soll es auch um die Türkei gehen. Der CSU-Außenpolitiker Thomas Silberhorn kritisiert die Weigerung von FDP-Chef Westerwelle, auf konkrete Festlegungen zu verzichten: „Die Koalition muss ihre Grundlinie deutlich machen und eine Aussage zur Erweiterungspolitik der EU treffen. Wir sind uns mit der FDP einig, dass man das Thema Türkei nicht auslassen darf“, so Silberhorn gestern. Er sagte mit Blick auf den neuen Fortschrittsbericht der EU-Kommission, der diese Woche veröffentlicht werden soll: „Die Feststellungen werden ernüchternd bis verheerend sein. In der Türkei herrscht Reformstillstand.“

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), kritisiert die Haltung der CSU und verteidigt die Position der FDP. „Man kann sich in einem Koalitionsvertrag nicht von etwas verabschieden, was eine frühere Regierung rechtsverbindlich für Deutschland begonnen hat – nämlich die Aufnahme ergebnisoffener Verhandlungen mit dem Ziel eines EU-Beitritts der Türkei.“ Polenz befürwortet eine Vollmitgliedschaft der Türkei. Er forderte gegenüber unserer Zeitung, die Verhandlungen mit der Türkei müssten „fair geführt werden, aber es kann auch keinen Rabatt geben bei der Erfüllung der Beitrittskriterien“. Der CDU-Politiker warnte die neue Koalition davor, konkrete Aussagen zu einem Beitritt der Türkei zu treffen: „Man tut sich keinen Gefallen, wenn man sich in einem Koalitionsvertrag zu allen denkbaren Kandidaten in der EU-Nachbarschaft äußert. Wer mit einem Land anfängt, gerät bei anderen Ländern schnell in Zugzwang.“

Auch der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Günter Gloser (SPD), richtete einen Appell an die Union: „Ich kann nur davor warnen, die Türe zuzuschlagen. Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei müssen ein ergebnisoffener Prozess bleiben – dazu hat sich die gesamte EU verpflichtet“, sagte Gloser. „Auch die CSU muss einsehen, dass man die Karten nicht bei jedem Regierungswechsel neu mischen kann.“

Holger Eichele

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