Superbanner

Umzug des BND wird zum Millionengrab

Umzug des BND wird zum Millionengrab

Berlin - Der geplante Umzug des Bundesnachrichtendienstes nach Berlin wird zum Millionengrab. Auf der Großbaustelle tauchen immer neue Probleme auf. Ein Ende der Kostensteigerungen ist nicht in Sicht.

BND-Zentrale

© dpa

Das Modell der neuen BND-Zentrale in Berlin .

Es ist der größte und teuerste Neubau des Bundes seit Gründung der Republik vor 60 Jahren: An der Berliner Chausseestraße entsteht die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND). Architekten und Bauarbeiter sind zum Stillschweigen verpflichtet – der Geheimdienst lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Ein hoher Zaun schützt das kameraüberwachte Areal vor neugierigen Blicken, Stacheldraht hält ungebetene Besucher fern.

So sehr sich der BND auch bemühen mag, er wird nicht alle Eindringlinge abhalten können. Demnächst dürfte der Geheimdienst Besuch vom Rechnungshof erhalten. Der Grund: Drastische Kostensteigerungen auf Deutschlands geheimster Baustelle. Als die rot-grüne Bundesregierung 2003 den Umzug der Agenten von Pullach bei München nach Berlin-Mitte verfügte, war von Kosten von bis zu einer Milliarde Euro die Rede, davon 650 Millionen für den Neubau. 2008 wurden die Gesamtkosten inklusive Umzug und Technik bereits auf 1,5 Milliarden veranschlagt. In neuen Prognosen gehen die Planer von knapp 2 Milliarden Euro aus.

Ursache der Kostenexplosion: „Technische Probleme bei Umsetzung und Planung“. Wie es in einer vertraulichen Information an den Bundestag heißt, sind die Baufirmen bei einzelnen Gebäudeteilen – Verwaltung, Logistikzentrum, Garagen – drei bis acht Monate im Verzug. Weil allein der Rohbau auf dem sandigen Boden zwölf Millionen Euro teurer komme als geplant, muss das Parlament wohl im Herbst über eine Erhöhung des Budgets entscheiden. Verantwortlich für die Mehrkosten seien die hochwertige Sicherheitstechnik und die Spezialbauweise: Um die BND-Zentrale gegen Anschläge und Lauschangriffe zu schützen, thront der monströse Stahlbetonbau (Bruttogeschoßfläche: 260000 Quadratmeter) auf einem fünf Meter dicken Betonsockel in einer tiefen Grube.

Der Sprecher des BND wollte die Mehrkosten auf Anfrage nicht kommentieren. Das Bundesbauministerium betont, der BND-Neubau befinde sich „im vorgegebenen und kommunizierten Kosten- und Zeitplan“. BND-intern geht man jedoch davon aus, dass die neue Zentrale erst Mitte bis Ende 2014 voll funktionsfähig ist. Ursprünglich war geplant, den Geheimdienst-Umzug bereits 2008 abzuschließen, dann wurde der Termin immer wieder verschoben, zuletzt ins Jahr 2013.

Doch nicht nur auf Berliner Baustellen gibt es Ärger – auch im Ausland vergräbt der Bund Steuergelder in Millionenhöhe. Ein aktueller Lagebericht, herausgegeben vom Auswärtigen Amt und dem Finanzministerium, liest sich wie ein Drehbuch zur Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“. Das Dokument, das unserer Zeitung vorliegt, listet massive Verzögerungen und Preissteigerungen bei Botschaftsbauten in Bosnien , Brasilien, Schweden, Mexiko und der Slowakei auf.

Beispiel Brasilia: Die Sanierung der deutschen Botschaft endete in einem Fiasko. Weil die „Bauausführung so mangelhaft und schleppend war“, warf der Bund die Baufirma und den Generalplaner hinaus. Drohende Mehrkosten: fünf Millionen. Die Sanierung der Botschaft in Mexiko wird sich um mindestens zwei Millionen verteuern, weil die Baufirma „die Behebung einer großen Zahl schwerwiegender Mängel abgelehnt“ und sich dann auf Nimmerwiedersehen verabschiedet hat. Bei der Sanierung der deutschen Botschaftskanzlei in Sarajewo drohten die Kosten sogar von 2,9 auf geschätzte 12,6 Millionen zu explodieren – das Auswärtige Amt zog rechtzeitig die Reißleine und prüft nun einen Abriss und Neubau des Gebäudes.

Besonders hart trifft es Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Stockholm: Sie müssen seit zwei Jahren in einem Provisorium arbeiten (Mietkosten bisher: 1,1 Millionen Euro), weil sich im ganzen Land keine Baufirma zur Sanierung der alten Kanzlei findet. Es gebe bei schwedischen Unternehmern „keine Neigung, für ausländische Auftraggeber Angebote abzugeben“, beklagt die Bundesregierung. Die öffentliche Ausschreibung musste annulliert werden - wegen „exorbitant überhöhten und völlig unangemessenen Kostenangeboten“.

von Holger Eichele

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Steinbrück: Sarrazins Thesen sind "Bullshit"

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die jüngsten Euro-Thesen des Autors und früheren Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin für “erbärmlich“ und wirft ihm “D-Mark-Chauvinismus“ vor.Mehr...

Özdemir warnt Piraten-Wähler

Berllin - Die Grünen haben die Wähler davor gewarnt, mit Stimmen für die Piratenpartei große Koalitionen zu ermöglichen und Rot-Grün zu verhindern.Mehr...

Ort des Geschehens

52.5234051,13.4113999

Karte wird geladen... Karte wird geladen - Downloadanzeige

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Röttgen-Verabschiedung: Merkel wie versteinert

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Aigner fordert halbe Portionen im Restaurant

Berlin - Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner sind die Portionen in Restaurants zu groß. Sie fordert deshalb kleinere Mengen Essen auf dem Teller. Um die Figur geht es ihr dabei aber nicht.Mehr...

Steinbrück: Sarrazins Thesen sind "Bullshit"

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die jüngsten Euro-Thesen des Autors und früheren Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin für “erbärmlich“ und wirft ihm “D-Mark-Chauvinismus“ vor.Mehr...

Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.Mehr...

Wirtschaft

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

IWF-Chefin Lagarde hat mit Griechen kein Mitleid

London - Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat wenig Mitleid für die unter Wirtschaftskrise und Sparmaßnahmen leidenden Griechen. Ihre Lösungsvorschläge.Mehr...

Sonne liefert Deutschland erstmals soviel Leistung wie 20 AKW

Sonne liefert soviel Leistung wie 20 AKW

Münster - Energiewende und sommerliches Wetter machen es möglich: Deutschland hat eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie erreicht. Dass ist auch ein Verdienst der Bundesregierung.Mehr...

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Stuttgart - Jeder dritte Deutsche sieht einer Studie zufolge wegen der Flucht vieler Anleger ins “Betongold“ im Zuge der Finanzkrise die Gefahr einer Immobilienblase. Was die Deutschen befürchten.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper