Berlin - Der geplante Umzug des Bundesnachrichtendienstes nach Berlin wird zum Millionengrab. Auf der Großbaustelle tauchen immer neue Probleme auf. Ein Ende der Kostensteigerungen ist nicht in Sicht.

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Das Modell der neuen BND-Zentrale in Berlin .
Es ist der größte und teuerste Neubau des Bundes seit Gründung der Republik vor 60 Jahren: An der Berliner Chausseestraße entsteht die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND). Architekten und Bauarbeiter sind zum Stillschweigen verpflichtet – der Geheimdienst lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Ein hoher Zaun schützt das kameraüberwachte Areal vor neugierigen Blicken, Stacheldraht hält ungebetene Besucher fern.
So sehr sich der BND auch bemühen mag, er wird nicht alle Eindringlinge abhalten können. Demnächst dürfte der Geheimdienst Besuch vom Rechnungshof erhalten. Der Grund: Drastische Kostensteigerungen auf Deutschlands geheimster Baustelle. Als die rot-grüne Bundesregierung 2003 den Umzug der Agenten von Pullach bei München nach Berlin-Mitte verfügte, war von Kosten von bis zu einer Milliarde Euro die Rede, davon 650 Millionen für den Neubau. 2008 wurden die Gesamtkosten inklusive Umzug und Technik bereits auf 1,5 Milliarden veranschlagt. In neuen Prognosen gehen die Planer von knapp 2 Milliarden Euro aus.
Der Sprecher des BND wollte die Mehrkosten auf Anfrage nicht kommentieren. Das Bundesbauministerium betont, der BND-Neubau befinde sich „im vorgegebenen und kommunizierten Kosten- und Zeitplan“. BND-intern geht man jedoch davon aus, dass die neue Zentrale erst Mitte bis Ende 2014 voll funktionsfähig ist. Ursprünglich war geplant, den Geheimdienst-Umzug bereits 2008 abzuschließen, dann wurde der Termin immer wieder verschoben, zuletzt ins Jahr 2013.
Doch nicht nur auf Berliner Baustellen gibt es Ärger – auch im Ausland vergräbt der Bund Steuergelder in Millionenhöhe. Ein aktueller Lagebericht, herausgegeben vom Auswärtigen Amt und dem Finanzministerium, liest sich wie ein Drehbuch zur Sendung „Pleiten, Pech und Pannen“. Das Dokument, das unserer Zeitung vorliegt, listet massive Verzögerungen und Preissteigerungen bei Botschaftsbauten in Bosnien , Brasilien, Schweden, Mexiko und der Slowakei auf.
Beispiel Brasilia: Die Sanierung der deutschen Botschaft endete in einem Fiasko. Weil die „Bauausführung so mangelhaft und schleppend war“, warf der Bund die Baufirma und den Generalplaner hinaus. Drohende Mehrkosten: fünf Millionen. Die Sanierung der Botschaft in Mexiko wird sich um mindestens zwei Millionen verteuern, weil die Baufirma „die Behebung einer großen Zahl schwerwiegender Mängel abgelehnt“ und sich dann auf Nimmerwiedersehen verabschiedet hat. Bei der Sanierung der deutschen Botschaftskanzlei in Sarajewo drohten die Kosten sogar von 2,9 auf geschätzte 12,6 Millionen zu explodieren – das Auswärtige Amt zog rechtzeitig die Reißleine und prüft nun einen Abriss und Neubau des Gebäudes.
Besonders hart trifft es Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Stockholm: Sie müssen seit zwei Jahren in einem Provisorium arbeiten (Mietkosten bisher: 1,1 Millionen Euro), weil sich im ganzen Land keine Baufirma zur Sanierung der alten Kanzlei findet. Es gebe bei schwedischen Unternehmern „keine Neigung, für ausländische Auftraggeber Angebote abzugeben“, beklagt die Bundesregierung. Die öffentliche Ausschreibung musste annulliert werden - wegen „exorbitant überhöhten und völlig unangemessenen Kostenangeboten“.
von Holger Eichele
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