Superbanner

Westerwelle: „Sanktionen gegen den Iran wirken“

Westerwelle: "Sanktionen gegen den Iran wirken"

München - Ägypten, Syrien, Afghanistan, Iran, Irak – Selten schien die Zahl der Krisenherde so groß wie heute. Und damit die Herausforderungen für Außenminister Westerwelle. Zum Start der Siko besuchte er den Münchner Merkur.

© Schlaf

„Die Gleichstellung Islam = Intoleranz wäre töricht“, sagt Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

In Ägypten überschlagen sich die Ereignisse, Demonstranten werden erschossen. Droht ein Bürgerkrieg?

Diese Entwicklungen erfüllen uns mit großer Sorge. Ich erwarte, dass alle Hintergründe der jüngsten Gewaltausbrüche lückenlos aufgeklärt werden. Der Prozess der Übergabe der Macht in zivile Hände muss im Fahrplan bleiben. Vor wenigen Tagen habe ich das in Kairo mit dem Vorsitzenden des Militärrats besprochen.

Offenbar schossen Polizei und Militär gezielt!

Ich spekuliere nicht. Das muss aufgeklärt werden.

Was kann der Westen tun?

Ägypten weiß, dass die eigene wirtschaftliche Entwicklung von Berechenbarkeit abhängt. Es hat ein großes Interesse daran, dass der Weg weiter in Richtung Demokratie geht. Wir unterstützen dies nach Kräften und sollten unser Engagement für die demokratischen Kräfte noch verstärken. Diejenigen, die zurück zu den alten Verhältnissen wollen oder extremistisch und fundamentalistisch sind, dürfen keine Chance bekommen. Wir sollten die islamisch-demokratischen Kräfte nicht in eine Schublade stecken, sondern sie ermutigen, den Prinzipien von Pluralität und Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat sowie der Wahrung des inneren und äußeren Friedens zu folgen. Eine pauschale Gleichstellung Islam = Intoleranz wäre töricht.

Blicken wir auf Afghanistan. Es gibt Sorgen, die USA könnten schon 2013 abziehen – rüttelt das am deutschen Zeitplan?

Wir haben einen internationalen Fahrplan zur Übergabe der Verantwortung vereinbart. Dabei bleibt es. Die Bundesregierung hat den Abzug unserer kämpfenden Truppen eingeleitet. Wenn sich die Sicherheitslage günstiger entwickelt, freuen wir uns über die daraus erwachsenden neuen Spielräume. Wir müssen aber dafür sorgen, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Hafen für den Terrorismus wird.

Die internationalen Truppen gehen, die Taliban kommen – so wird es doch wohl aussehen.

Da sehe ich anders. Es gibt in der Tat Schatten, aber auch Licht in Afghanistan. Man muss da genau hinschauen. Es gibt Regionen, in denen die Lage noch unsicher ist. An vielen Orten sind wir schon viel weiter. Und: Es gibt auch Fortschritte: Viele Kinder haben wieder Zugang zu Bildung, auch Mädchen, es gibt Wasser, die Infrastruktur wird aufgebaut. Es ist nicht alles gut in Afghanistan. Aber es ist auch nicht alles schlecht.

Sie reden sich die Lage schön!

Nein. Wenn die Bürger in Deutschland Nachrichten sehen, kommen meist nur Bilder von Anschlägen und Kämpfen. Ich kenne aus meinen zahlreichen Reisen nach Afghanistan auch eine andere Seite des Landes; die der Jungen und Mädchen, die eine Chance auf ein normales Leben verdient haben. Der Einsatz unserer Truppen ist vor zehn Jahren begonnen worden, unter einer anderen Regierung. Ich habe diese Verantwortung übernommen. Und ich möchte, dass der Einsatz verantwortlich zu Ende gebracht wird. So, dass unsere Soldaten nicht zusätzlichen Gefahren ausgesetzt sind.

Der nächste akute Krisenherd bildet sich im Iran. Ajatollah Chamenei droht offen mit Vergeltung für die Sanktionen. Wie ernst nehmen Sie das?

Ich rufe nachdrücklich dazu auf, jede Eskalation der Worte zu beenden. Der Iran hat den Schlüssel zum Ende der Sanktionen selbst in der Hand. Dann, wenn der Iran nachprüfbar bei der Überwachung des Atomprogramms kooperiert und sichergestellt ist, dass er nicht nach der Atombombe greift, werden wir unsere Sanktionen beenden. Eine nukleare Bewaffnung würde nicht nur die Region, sondern die ganze Welt massiv gefährden.

Sind die Sanktionen der letzte Pfeil im Köcher? Haben Sie noch einen?

Wir haben den Eindruck, dass die Sanktionen wirken. Irans Verweigerung der Kooperation führt zur Isolation. Das wissen die Menschen im Iran.

Sie brechen nach unserem Gespräch auf zur Sicherheitskonferenz. Ein großes Thema dort: Syrien. Sehen Sie noch die Chance zu einer vernünftigen Lösung? Wird sich der Weltsicherheitsrat je auf eine Resolution einigen?

Während wir hier sitzen, verhandeln unsere Diplomaten in New York über eine gemeinsame Resolution. Die ist überfällig und notwendig...

...für ein Syrien ohne Assad?

Präsident Assad hat keine politische Zukunft. Er muss endlich friedlichen Wandel zulassen.

Russland blockiert die Resolution. Kann in einem Münchner Nebenzimmer der Durchbruch gelingen?

Ich werde in München auch Gespräche mit dem russischen Außenminister und mit meiner amerikanischen Kollegin führen. Die Sicherheitskonferenz findet in einer sehr bewegten Zeit statt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass Fortschritte erreicht werden, auch hier in München. Ich sehe erste Zeichen für mehr Flexibilität im Sicherheitsrat. Russland weiß: Wir wollen nicht seinen Einfluss in der Region mindern. Es geht uns ausschließlich darum, den Menschen in Syrien in ihrem Streben nach Freiheit und friedlichem Wandel zu helfen.

Ein Hoffnungsschimmer?

Ich glaube daran, dass sich die Dinge immer durch Gespräche bewegen lassen.

Zusammengefasst von Christian Deutschländer

zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare

Meist kommentierte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

"Maut-Vignette ist so ziemlich das Dämlichste"

Berlin - Die Grünen lehnen die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vorgeschlagene Pkw-Maut mit einem Schildchen zum Aufkleben an der Windschutzscheibe strikt ab.Mehr...

Özdemir warnt Piraten-Wähler

Berllin - Die Grünen haben die Wähler davor gewarnt, mit Stimmen für die Piratenpartei große Koalitionen zu ermöglichen und Rot-Grün zu verhindern.Mehr...

Newsletter

Aktuelle Fotostrecken

Energiewende: Diese Probleme sind noch zu lösen

weitere Fotostrecken:
Probeabo

Meist gelesene Artikel

  • Heute
  • Letzte Woche
  • Monat
  • Themen

Maut-Streit: Huber wirft Ramsauer "Pfusch" vor

München/Berlin - In der CSU ist ein heftiger Streit über die Pkw-Maut ausgebrochen. Der frühere Vorsitzende Huber äußerte Unverständnis über die Vorstöße von Verkehrsminister Ramsauer.Mehr...

Organspende: So sieht die neue Regelung aus

Berlin - Niemand wird zum Ja gezwungen, aber alle werden gefragt - die Bürger sollen sich zur Organspende bekennen. Nach rund 15 Jahren Debatte zieht der Bundestag Konsequenzen aus dem fatalen Organmangel.Mehr...

Innenminister Herrmann bei Baggerunfall verletzt

Kempten - Beim Spatenstich zur Bau einer neuen Straße in Kempten ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einen tonnenschweren Bagger geklettert - und mit dem Gefährt umgekippt.Mehr...

Wirtschaft

EU segnet günstigere Roaming-Tarife ab

EU beschließt Gesetz gegen Telefon-Abzocke

Brüssel - Pünktlich zum Sommer hat die EU der Verbraucherabzocke durch horrende Roaming-Gebühren einen Riegel vorgeschoben.Mehr...

DIHK: Unternehmen optimistischer - Konjunkturplus von 1,3 Prozent

DIHK: Unternehmen optimistischer

Berlin - Die deutsche Wirtschaft rechnet ungeachtet der Euro-Schuldenkrise weiterhin mit guten Geschäften und steigenden Exporten.Mehr...

Stromautobahnen durch Deutschland geplant

Stromautobahnen durch Deutschland geplant

Berlin - 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen werden gebraucht, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. Das geht aus dem neuen Netzentwicklungsplan hervor, den die vier Übertragungsnetzbetreiber erarbeitet haben.Mehr...

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

SkyScraper