Berlin - Bei der Eröffnung der Berlinale zeigte sich das Filmfestival erneut politisch ambitioniert. Kulturstaatsminister Bernd Neumann erinnerte an die Menschen in Syrien.

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Die Berlinale macht ihren Ruf als politischstes der großen Filmfestivals auch in diesem Jahr wieder alle Ehre. Zur Eröffnungsgala der 62. Festspiele am Donnerstagabend im Berlinale-Palast war es Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der dem Festival die Aufgabe zuwies, Flagge zu zeigen für Menschenrechte und die Freiheit der Kunst. Dieser Aufgabe stellt sich das Festival: Es werden unter anderem Filme über den arabischen Frühling und über den in China unterdrückten Künstler Ai Weiwei gezeigt.
Neumann nutzte das Forum vor den rund 1.800 Gästen, harsche Kritik an China zu üben. Trotz aller Diplomatie und wirtschaftlichen Interessen dürfe man nicht dazu schweigen, dass in China “die Freiheit von Kunst und Kultur mit Füßen getreten wird“, sagte er unter dem Beifall des Publikums. Es müsse immer wieder gesagt werden, dass Ai Weiwei unterdrückt werde - “auch wenn wir im Moment nicht direkt helfen können“.
Neumann erinnerte nicht nur an den im Iran zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilten Panahi, dessen Jury-Stuhl im vergangenen Jahr leer geblieben war, sondern versicherte auch den unterdrückten Menschen in Syrien seine Solidarität. Darüber hinaus ging der CDU-Politiker auf die Revolution in Kairo vor einem Jahr ein. Die Berlinale habe in den vergangenen Jahren mit anspruchsvoller Filmkunst und großem Kino wichtige Einblicke in die Welt ermöglicht. “Nirgendwo sind Kino, Politik und Weltoffenheit derart beispielhaft vereint“, betonte er. Die Berlinale, die politischer denn je sei, stehe “ganz im Zeichen des Umbruchs und des Aufbruchs“.
Politisch war dann auch der Eröffnungsfilm, das Historiendrama “Leb' wohl, meine Königin“, das sich mit den Anfängen der Französischen Revolution im Juli 1789 beschäftigt. Auch in vielen anderen Produktionen steht die Politik im Fokus: Thematisiert werden das Ende des chinesischen Kaiserreichs (“Bai Lu Yuan“), eine Entführung von Touristen auf den Philippinen (“Captive“), Gewalt gegen Minderheiten (“Just the wind“), das Leben von Kindersoldaten (“War Witch“).
In der Reihe Berlinale Special wird nicht nur ein Dokumentarfilm über Ai Weiwei präsentiert. In dieser Sektion zeigt Angelina Jolie auch ihr Regiedebüt. “In the land of blood and honey“ beschäftigt sich mit dem Bürgerkrieg in Jugoslawien. Und in der Sektion Panorama setzen sich gleich vier Produktionen mit dem arabischen Frühling und seinen Auswirkungen auseinander.
Seltsam gelangweilt wirkten bei der Eröffnung Festival-Direktor Dieter Kosslick und Moderatorin Anke Engelke. Zum sechsten Mal eröffneten sie nun gemeinsam die Berlinale, erklärte Kosslick. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit konterte: Ihm mache die Berlinale immer Spaß. Um zum elften Mal in dieser Funktion dabei zu sein, habe er im vergangenen Jahr hart gekämpft, sagte er und spielte auf seine Wiederwahl 2011 an.
dapd



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