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Amoklauf in Baden-Württemberger Schule: 16 Tote  

Bluttat in Realschule

16 Tote nach Amoklauf bei Stuttgart: Täter (17) erschießt sich selbst

Winnenden - In einer Realschule in Baden-Württemberg sind bei einem Amoklauf 15 Menschen getötet worden. Zudem hat sich der erst 17 Jahre alte Täter Tim K. auf der Flucht erschossen.

Die Leiche eines Opfers des Amokläufers liegt auf dem Gelände neben der Schule.

© ap

Die Leiche eines Opfers des Amokläufers liegt auf dem Gelände neben der Schule.

Bei der Schule handelt es sich um die Albertville-Realschule in Winnenden (bei Stuttgart). Der Täter war nach der Bluttat in die kleine Innenstadt geflohen, nachdem er gegen 9.30 Uhr während des Unterrichts zwei Klassenzimmer gestürmt und mit einer Maschinenpistole wahllos um sich geschossen hatte.

Video: Fassungslosigkeit nach Amoklauf

Dem Kriseninterventionsteam, das unmittelbar nach der Tat in das Gebäude eingedrungen war, bot sich ein schreckliches Bild: Der 17-Jährige hatte neun Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren sowie drei Lehrerinnen getötet. Unter den Toten soll eine Referendarin sein, die erst seit vier Wochen an der Schule war. Die Ermittler gehen davon aus, dass Tim K. noch mehr Menschen töten wollte. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) sagte, der Tim K. habe den meisten seiner Opfer in der Realschule gezielt in den Kopf geschossen. Er fügte hinzu: "Es ist auffällig, dass primär Mädchen getötet wurden." Daraus könne man aber noch kein Motiv ableiten, erklärte Rech.

Video: Amoklauf in Realschule

Am Nachmittag hatte die Polizei zwischenzeitlich verbreitet, dass eine Schülerin im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Damit wäre die Opferzahl auf insgesamt 17 gestiegen. Diese Angaben wurden allerdings um 16.45 Uhr widerrufen.

Auf der Flucht tötete der 17-Jährige weitere Personen. Auf dem Gelände der an die Schule angrenzenden Psychiatrie erschoss er eine Person, angeblich handelt es sich um eine Krankenschwester.  "Ich habe sechs bis sieben Schüsse gehört", sagte eine Sprecherin der Einrichtung. Anschließend setzte der Täter seine blutige Spur nach Wendlingen (Kreis Esslingen) fort. Tim K. entführte einen Mann in einem Auto, ließ den Wagenbesitzer aber aussteigen, um selbst weiter zu fahren. In dem Autohaus in Wendlingen verlangte er einen neuen Wagen und eröffnete mit seiner Pistole wieder das Feuer. Zwei Angestellte starben im Kugelhagel. Zudem wurden zwei Polizisten verletzt. Der Amokläufer soll bei einem Schusswechsel von einem Polizisten am Bein verletzt worden sein und sich dann selbst getötet haben. Zuvor hatte er etwa 50 Mal gefeuert. Zwischenzeitlich hatte es geheißen, Tim K. war von Scharfschützen getötet worden.

Polizisten vor der Albertville-Realschule.© apPolizisten vor der Albertville-Realschule.

Der 17-jährige Tim K., der bei der Polizei bekannt ist, soll bei seiner Bluttat eine schwarze Kampfuniform getragen haben. Sein Gesicht hatte der Jugendliche nicht verdeckt. Er kommt aus dem Nachbarort Leutenbach-Weiler am Stein im Rems-Murr-Kreis. Sein Elternhaus wurde gestürmt, die Mutter verhört. Erste Angaben einer Polizistin über die Festnahme des Täters wurden von der Polizei später aber wieder zurückgewiesen. 

Der Amokläufer ist ein Ex-Schüler, der 2007 seinen Abschluss gemacht haben soll. Seine Eltern hatten angeblich 18 Waffen legal zuhause. Bei der Hausdurchsuchung durch die Polizei stellte sich heraus, dass der 17-Jährige sich für seine Tat aus diesem Arsenal bedient hat. Der Vater soll ein wohlhabender Unternehmer sein. 

Die Beamten hatten davor gewarnt, in der Region Anhalter mitzunehmen. Die Stadt und die Region war großflächig abgesperrt, das Schulzentrum und mehr als 1400 Schüler evakuiert worden. Neben der Albertville-Realschule liegt ein Gymnasium und eine Grundschule. Augenzeugin Nathalie Haug schreibt auf twitter.com: "Schüler in der angrenzenden Grundschule sind in den Klassenzimmern. Die Schüler von Gymnasium und Realschule sind ins Wunnebad evakuiert." Inzwischen sind die geschockten Kinder nachhause geschickt worden.

Die Polizei suchte mit Hunden und drei Helikoptern nach dem flüchtigen Täter. Zudem die Beamten mit einem Sondereinsatzkommando und einem Mobilen Einsatzkommando - insgesamt 1000 - vor Ort. Besorgte Angehörige wurden von der Polizei zur Schule gebracht, die zahlreichen Rettungswagen kamen kaum durch verstopfte Straßen. "Es ist ein Blaulicht-Gewitter auf den Straßen, Passanten stehen Schock und Entsetzen ins Gesicht geschrieben", sagte ein Augenzeuge bei Spiegel-online.de.

Winnenden ist eine Stadt ca. 20 km nordöstlich von Stuttgart in Baden-Württemberg. Sie ist die fünftgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises und ein Unterzentrum im Mittelbereich Waiblingen/Fellbach der Region Stuttgart. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ist mit dem Hubschrauber zum Tatort geeilt, er hatte alle anderen Termine abgesagt.  "Das ganze schreckliche Ausmaß des Geschehens ist noch nicht fassbar", sagt Innenminister Heribert Rech (CDU).

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat eine Krisenhotline für Lehrer, Schüler und Angehörige eingerichtet. Unter der Telefonnummer 0711-90440149 stehen vier Schulpsychologen des Kriseninterventionsteams zur Verfügung. Das Team ist nach Angaben von Regierungspräsident Johannes Schmalzl zudem mit zahlreichen Kräften vor Ort in Winnenden. Darüber hinaus würden auch an den benachbarten Schulen und Gemeinden Beratungsgespräche geführt. Dafür kommen laut Schmalzl Psychologen aus ganz Baden-Württemberg zum Einsatz.

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