Winnenden - Die Kleinstadt Winnenden ist gelähmt vor Entsetzen: Ein unvorstellbares Blutbad hat der 17-jährige Tim K. an seiner früheren Realschule angerichtet. "Ich habe gesehen, wie Mitschüler aus den Fenstern gesprungen sind", berichtet ein Mädchen (15).
Fassungslos sitzen völlig verstörte Schüler und Eltern am Straßenrand - inmitten eines Großaufgebots der Polizei. Immer mehr Einsatzwagen treffen rund um die Schule ein. Die 15-jährige Betty kämpft mit den Tränen und ringt mit den Worten: "Ich habe zwei Schüsse und Geschrei gehört", berichtet sie. "Erst dachte ich, es sei ein Scherz. Aber dann rief jemand: 'Rennt, rennt'. Dann hab ich gesehen, wie Mitschüler aus den Fenstern gesprungen sind und bin losgerannt."
Der erste Notruf aus der Schule erreichte die Polizei um 09.33 Uhr. Tim K., der als unauffälliger Schüler beschrieben wird, ist dort in zwei Klassenräume gestürmt. Wild und offenbar wortlos schießt er um sich und richtet dabei ein wahres Blutbad an - anders, sagt Landespolizeipräsident Erwin Hetger, könne man das Verbrechen nicht beschreiben. Ein "Amoklauf in Reinkultur" sei es gewesen.
Als zwei Einsatzkräfte des Polizei-Interventionsteams kurz nach dem Notruf die Schule erreichen, ist der Täter schon geflohen. Eine Mutter, die gegen 10.00 Uhr ihren Sohn vom Unterricht im angrenzenden Gymnasium abholen wollte und atemlos hinter einer Absperrung warten muss, sagt, sie habe "nur Polizei gesehen".
Der Täter ist ein Deutscher aus dem Leutenbacher Stadtteil Weiler zum Stein, im letzten Jahr hatte er an der Albertville-Schule seinen Abschluss gemacht. Laut Innenminister Heribert Rech hat Tim K. die Mittlere Reife, und ist "nie auffällig gewesen". Der Vater des Täters besitze als Mitglied im Schützenverein legal mehrere Schusswaffen, eine fehle. Die Familie sei normal in die 5.000 Einwohner zählende Gemeinde und ins Vereinsleben integriert gewesen, sagt der um Fassung ringende Bürgermeister von Leutenbach, Jürgen Kiesl.
Die Politiker, die am Unglücksort eintreffen, sind sichtlich berührt. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) spricht den Angehörigen und den Schülern und Lehrer sein Mitgefühl aus: "Baden-Württemberg ist tief getroffen", sagte Oettinger. Diese Tat habe ein Ausmaß angenommen, die das Land bisher nicht gekannt habe. Die Schüler des Schulzentrums werden vor Ort von Psychologen betreut und von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Am Mittag suchten immer noch Eltern verzweifelt nach ihren Kindern. "Meine Tochter ist elf Jahre. Ich weiß nicht, was passiert ist", sagte ein Vater. Später strahlte er, als er das Mädchen in die Arme schließen konnte.



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