225.03.09|Welt|Welt|
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Osnabrück - Im Tierpark von Osnabrück ist ab Donnerstag ein deutschlandweit einmaliges neues Gehege zu sehen: ein unterirdischer Zoo. Gleich hinter dem Eingang beginn ein 120 Meter langer Stollen, der wie aus dem Film “Indiana Jones“ wirkt.

© Tierpark Osnabrück
Ein Feldhamster in seiner Höhle, die er allein bewohnen darf, weil die Art als einzelgängerisch bekannt ist.
Aus den von Balken und Bohlen gestützten Decken hängen Wurzeln, Grubenlampen verbreiten funzeliges Licht. In den Wänden sind hinter Glasscheiben Tierbauten zu erkennen. Darin wuselt fast alles, was im Boden so kreucht und fleucht. Am Donnerstag ist Eröffnung. Der Nacktmull zum Beispiel. Ein ausgesprochen unansehnliches Geschöpf, hoch interessant aber auch. Die nur zeigefingergroßen, faltigen Säugetiere mit den langen Zähnen leben unterirdisch in Stämmen wie Bienen zusammen: Manche warten den Bau, andere bewachen ihn, wieder andere sorgen mit der Königin für Nachwuchs. Die aus Ostafrika stammenden Nacktmulle können mehr als 20 Jahre alt werden und sind offenbar schmerzunempfindlich, weshalb sich die medizinische Forschung für sie interessiert. Gleich gegenüber lässt sich ein ebenfalls in Afrika heimischer, 15 Jahre alter und mit rund 20 Zentimetern Körpergröße ausgewachsener Riesengraumull von einem Jungtier Karottenstücken herbeischaffen. Ein paar Meter weiter druselt ein Feldhamster in seiner Höhle, die er allein bewohnen darf, weil die Art als einzelgängerisch bekannt ist. Die Ratten fressen derweil in ihrem gläsernen Gehege, für das Chefgestalter Detlev Gehrs einen mittelalterlichen Abwasserkanal samt Kellerruine nach dem Vorbild einer Osnabrücker Ausgrabungsstätte schuf.
“Insgesamt haben wir hier rund zehn Arten - einheimische und exotische“, erklärt der Zoo-Revierleiter Oliver Schüler. Dazu gehören auch Erdhummeln, Feldmäuse und Präriehunde. Wenn er die Menagerie in den 500 Quadratmetern Zoo unter dem Zoo zusammenzählt, kommt er auf etwa 70 Tiere plus vier Kilogramm Regenwürmer, die vor den Augen der Besucher ihre Gänge durch dunkle, feuchte Erde ziehen. Die Nager haben Sägespäne zum Hin- und Hertransportieren, dürfen aber nicht selbst graben. Daran hindert sie Epoxidharz, mit dem die Gänge ausbruchssicher gemacht wurden. Einen Naturboden wie auch Jahreszeiten kann der Zoo nur begrenzt nachahmen: Glück für die Besucher, denn es gibt keinen ausgiebigen Winterschlaf. Den Bewohnern aber gehe es nach Expertenmeinung gut, sagt Schüler. Zum Beispiel ist die Ernährung gesichert: “Morgens gibt es ein kleines Frühstück auf Maisbasis, abends Salat, Karotten und Äpfel.“ Vor Besucherlärm schützt die Tiere Doppelglas samt Luftpolster dazwischen. Für manche von ihnen ist das Leben im Osnabrücker Untergrund sogar das echteste, was sie bislang erlebten. Die rabenschwarzen, aus Chile stammenden Corurus Trugratten verbrachten wie die Riesengraumulle ihr bisheriges Leben in Glasterrarien an der Universität Essen. Der unterirdische Zoo, laut Angaben in seiner Konzeption und Größe weltweit einzigartig, ist das kreative Ergebnis eines Umbauwunsches: Naturkundemuseum und Zoo liegen in Osnabrück nebeneinander, da sollten sie durch einen Tunnel verbunden werden. Doch warum nicht den Besuchern hier weitere Erlebnisse bieten, überlegten sich die Verantwortlichen.
Während im Zoo Ratten durch Glasgänge unter den Füßen und über den Köpfen der Besucher huschen, können diese sich an Hör-, Tast- und Computerstationen mehr Informationen über das Leben unter der Erde verschaffen. Für Tierfilme mit ungewöhnlichen Perspektiven wurde ein Kino eingerichtet. Zwei aus Fitnessstudios bekannte Cross-Stepper warten auf Trainierte: Zum Tempo der Bewegungen wurde ein Maulwurfsfilm synchronisiert, auf dem sich der Besucher quasi wie ein Maulwurf durch die Erde buddeln kann. Apropos Maulwurf: Die tierischen Schaufelbagger sind bei der Eröffnung noch nicht da. “Die Tiere sind sehr empfindlich, hier soll sich erstmal die Aufregung gelegt haben, bevor wir sie ansiedeln“, sagt Schüler. Zur Beruhigung schon anwesender Schützlinge reichte mediale Unterstützung. “Während der Bauzeit habe ich den hoch sensiblen Nacktmullen immer das Radio angedreht“, erzählt der Zoo-Revierleiter.
AP

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