Lissabon/Funchal - Für Wale hat Barack Obama diese Woche kein Herz gezeigt. Die Regierung des neuen US-Präsidenten und einige Länder der EU enttäuschten und empörten die Tierschützer.

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Ein harpunierter Wal wird an Bord des japanischen Walfangschiffes "Yushin Maru" gezogen (Archivfoto vom 07.01.2006). Die Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) ist gescheitert.
Bei der 61. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) auf der portugiesischen Insel Madeira kam es zu keinem Ergebnis. Hunderte von Vertretern der 85 Mitgliedsstaaten werden am Freitag nach fünf ergebnislosen Tagen, an denen auf den Weltmeeren wieder 25 bis 30 Wale getötet wurden, die Heimreise antreten. Nachdem die Konferenz am Dienstag beschlossen hatte, dass man dieses Jahr keine “kontroversen Resolutionen“ angehen wolle, wurde am Donnerstag unerwartet auch die Abstimmung über einen umstrittenen Antrag Dänemarks vertagt. Es wurde nur die Entscheidung getroffen, man wolle keine Entscheidungen.
Hinter den Kulissen ging es nach Angaben der Tierschützer bei den Verhandlungen hoch her. Dänemark sei es gelungen, ein Keil in die EU zu treiben. Lediglich Deutschland, England, Belgien, Portugal und Luxemburg hätten die Fahne des Walschutzes hochgehalten. Dänemark sei nicht willens gewesen, Zugeständnisse zu akzeptieren. “Das ist unglaublich und ein Armutszeugnis an die EU, die es nicht schafft, Dänemark hier im Zaum zu halten“, meint Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife.
Dänemark und die Befürworter-Staaten beteuern, dass die Tötung von zehn Buckelwalen pro Jahr über fünf Jahre hinweg den Bestand nicht gefährden würde und dies vom Wissenschaftsausschuss der IWC akzeptiert werde. Die Tierschützer entgegnen, Grönland habe in den vergangenen zehn Jahre nie seine volle Quote für den Walfang von Ureinwohnern ausgenutzt und Walfleisch verderben lassen oder sogar an Touristen verkauft.
Nicht nur die Tierschützer sind unterdessen empört. Australiens Umweltminister Peter Garrett schloss rechtliche Schritte gegen die Walfangnationen Japan, Island und Norwegen nicht aus. Die Verhandlungen dürften sich nicht unendlich in die Länge ziehen, kritisierte er. “Lebende Wale sind wertvoller als tote“, versicherte Garrett. Die touristischen Walbeobachtungen hätten zuletzt im Schnitt 3,7 Prozent pro Jahr zugenommen und Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen.
Auf Madeira wurde mitgeteilt, dass im vergangenen Jahr ungeachtet des seit 1986 geltenden Walfangverbots weltweit 1930 der riesigen, sich nur langsam reproduzierenden Säugetiere erlegt wurden. Die japanischen Harpunen töteten 52 Prozent davon. Im Gegensatz zu den Walfangnationen Island und Norwegen beachtet Japan formal zwar das Moratorium. Da Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt ist, nutzt das asiatische Land dieses Schlupfloch aus. Das japanische Forschungsprogramm gilt aber als Deckmantel für die kommerziell ausgerichtete Jagd. Indigene Völker dürfen trotz des Verbots eine begrenzte Zahl Großwale zur Selbstversorgung jagen.
Obwohl es weltweit (unter anderem auch dank des Moratoriums) noch Hunderttausende Wale gibt, weisen Tierschützer darauf hin, dass die sensiblen Säuger unter anderem vom Fehlen der getöteten Tiere in Mitleidenschaft gezogen würden. Das Scheitern der Konferenz wurde in einem Kommuniqué der Kommission derweil eingeräumt: “Die IWC befindet sich am Scheideweg und vor grundlegenden Uneinigkeiten, die Form und Ziele betreffen“, heißt es. Deutlicher drückt sich Sandra Altherr aus: “Dänemark und Japan haben die gesamte IWC erfolgreich in Schreckstarre versetzt“.
dpa
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