Superbanner

Gesundheitsreform - Philipp Rösler im Rampenlicht

Gesundheit

Geräuschlose Großreform - nur Rösler im Rampenlicht

007.09.10|Wirtschaft|Wirtschaft|4
Drucken|Empfehlen|Schrift   a  /  A||recommendbutton_count130

Schliessen

Druckvorschau

Artikel: Geräuschlose Großreform - nur Rösler im Rampenlicht

Berlin - Bei der Gesundheitsreform gelingt Philipp Rösler gerade ein echtes Kunststück. So umstritten sein Projekt ist, so geräuschlos bastelt sich die Koalition jetzt ans Ziel.

© dpa

Philipp Rösler ist auf die Gunst Merkels angewiesen. Umso mehr verwundern sein Spott über die Kanzlerin auf dem Gillamoos Volksfest.

Philipp Rösler steht kurz vor einer der wichtigsten Etappen seines Politikerlebens. Die schwarz-gelbe Gesundheitsreform aus seinem Ministerium ist bald entscheidungsreif. Der Einstieg in Gesundheitspauschalen ist greifbar - und das weitgehend ohne Koalitionskrach.

Da verwundert es, dass der FDP-Minister mit Lästereien über Angela Merkel und “Zickenterror“ im Kabinett auf sich aufmerksam macht. Irritationen dürfte die Kabaretteinlage in der Bundesregierung wohl ausgelöst haben. Der Gesundheitsminister zog beim Gillamoos- Volksfest im bayerischen Abensberg nach Herzenslust über Kanzlerin und Kabinett her. Rösler attestierte der Koalition, zehn Monate nichts gemacht zu haben - ihr Zustand erinnere ihn an eine schlagende Verbindung. “Es stimmt, im Vatikan, da ist der Teufel los. Aber wissen Sie was, seine kleine Schwester regiert dafür in Berlin.“

Merkel gebe es auch als Barbiepuppe. “Die Puppe kostet nach wie vor 20 Euro, aber richtig teuer sind die 40 Hosenanzüge.“ Die Lacher waren auf seiner Seite. Verstimmung bleibe bei der Kanzlerin trotzdem nicht zurück, heißt es am Tag drauf. Merkel schätzt Rösler, beide telefonieren regelmäßig miteinander. Möglicherweise hat sie auch Verständnis für einen, dessen Umfragewerte seit Wochen im Keller sind. “Da ist noch Luft nach oben“, meinte Rösler in einem Interview lakonisch.

In Abensberg freute er sich: “Ich wollte einfach mal raus aus Berlin.“ Auch selbst nahm er sich auf die Schippe. Seine Handpuppe Willi, die er als Arzt bei Kindern und auch noch in seinen Zeiten als politischer Nachwuchsstar in Niedersachsen zum Einsatz brachte, zeigt Bauchredner Rösler heute nicht mehr. Und auch sonst lässt der 1973 in Vietnam geborene Minister durchblicken, dass der Spaßfaktor in seinem Amt nicht immer hoch ist.

Nach wie vor ist sein Lebensmittelpunkt Hannover, wie er Besuchern beim Tag der offenen Tür seines Ministeriums erzählte. Seine Frau und seine Zwillinge leben dort. Berlin ist für ihn reine Arbeitsstätte: “Ich war in den vergangenen neun, zehn Monaten einmal spazieren.“ Seit dem verhängnisvollsten Satz seiner Amtszeit fordert ihn die Opposition regelmäßig zum Rücktritt auf. “Wenn es nicht gelingt, ein vernünftiges Gesundheitsversicherungssystem auf den Weg zu bringen, dann will mich keiner mehr als Gesundheitsminister haben“, sagte Rösler im Februar.

Als die Koalitionsspitzen dann ihre Eckpunkte für die Gesundheitsreform beschlossen, freute er sich: Alle Abgesänge auf ihn müssten umgeschrieben werden. SPD, Grüne, Linke, Gewerkschaften und Sozialverbände halten die Reform aber weiter für ungerecht. An diesem Donnerstag hören Röslers Fachleute die anderen Ministerien und die Länder zu dem 57 Seiten starken Entwurf an, am Freitag folgen die zahllosen Gesundheitsverbände. In zwei Wochen soll das Kabinett über die Angelegenheit entscheiden: Nach oben offene Zusatzbeiträge plus Sozialausgleich sind nach Lesart Röslers der Einstieg in von Kasse zu Kasse unterschiedliche Prämien inklusive starkem Steueranteil.

Die CSU hat weiter teils gravierende Bedenken - doch hinter vorgehaltener Hand heißt es dort, aufhalten werde man das Ganze wohl nicht mehr. Doch ob es wirklich in großem Stil zum FDP-Lieblingsprojekt Gesundheitsprämie kommt, steht in den Sternen. “Es ist ein Systemwechsel light mit großem Symbolwert, der sich aber bei geänderten Mehrheitsverhältnissen ab 2013 leicht wieder revidieren ließe“, sagt etwa der Experte des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Stefan Etgeton. “Rösler wollte alles anders machen als seine Vorgängerin.“

Doch immer mehr schleicht sich eine Prise Ulla Schmidt in seine Politik ein: höhere Beiträge, Zwangsrabatte für die Pharmaindustrie, Budgets unter anderem bei ambulanten Operationen. Der nächste große Wurf sollen völlig neue Honorarregeln für Deutschlands Ärzte und mehr Wettbewerb bei den Krankenkassen werden. Auf Merkels Gunst bleibt Rösler angewiesen.

Von Basil Wegener

zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Lesen Sie auch:

EU: Gazprom liefert weniger Gas nach Westen

EU: Gazprom liefert weniger Gas nach Westen

Moskau - Russland liefert nach EU-Angaben wegen des Eigenbedarfs im Extremwinter weniger Gas nach Europa. Der russische Staatskonzern Gazprom widerspricht. Die europäischen Abnehmer forderten viel höhere Mengen als vereinbart.Mehr...

Kommentare

Meist geklickte Artikel

  • Letzte Woche
  • Monat
  • Kommentiert
  • Themen

Nokia Siemens schließt Standort München

München - Die Chefs überbrachten die Nachricht noch nicht einmal persönlich, sondern schickten nur eine E-Mail: Bei Nokia Siemens Networks fallen tausende Jobs weg, der Standort München macht dicht.Mehr...

Eon meldet in München Massenentlassungen an

München - Eon macht ernst mit seinem angekündigten Stellenabbau. In der Münchner Zentrale Eon Energie müssen Hunderte um ihren Arbeitsplatz bangen.Mehr...

Nokia Siemens schließt Standort München

München - Die Chefs überbrachten die Nachricht noch nicht einmal persönlich, sondern schickten nur eine E-Mail: Bei Nokia Siemens Networks fallen tausende Jobs weg, der Standort München macht dicht.Mehr...

Aktuelle Fotostrecken

Bilder vom Trauermarsch für Chantal (11)

03.02.12|Welt|1

weitere Fotostrecken:

Der große Finanz-Rechner

"Die Rente ist sicher" - dieser Spruch hat schon lange seine Richtigkeit verloren. Bei finanziellen Angelegenheiten ist Eigeninitiative gefordert. Bei Versicherungen und Geldanlage gibt es jedoch erheblich Unterschiede. Mit unseren Finanzrechnern für Versicherung und Geldanlage erfahren Sie, wie und wo Sie Geld sparen können und trotzdem gut abgesichert sind.

Politik

Russland blockiert auch neue Syrien-Resolution

Russland blockiert auch neue Syrien-Resolution

Damaskus/New York - Alle Kompromisse haben nichts genutzt: Russland will auch die neue Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat nicht mittragen - zumindest nicht in der jetzigen Form.Mehr...

20 bis 25 Personen dringen in syrische Botschaft ein

Berlin: Eindringlinge in syrischer Botschaft

Berlin - Rund 20 bis 25 Personen sind am Freitag in die syrische Botschaft in Berlin-Tiergarten eingedrungen. Ob ein Zusammenhang mit der Gewalt in Syrien besteht, ist bislang unklar.Mehr...

Job & Karriere

Artikel lizenziert durch © merkur-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.merkur-online.de

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

SkyScraper