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Wirtschaft findet nicht genug Lehrlinge

Wirtschaft findet nicht genug Lehrlinge

Berlin - Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend Lehrlinge: Für die vielen offenen Ausbildungsplätze gibt es nicht genug Bewerber. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze ist gestiegen.

© dpa

Für die Betriebe wird es immer schwieriger, alle Lehrstellen zu besetzen.

Das geht aus der Jahresbilanz des Ausbildungspakts hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgelegt wurde. Dabei haben sich die Ausbildungschancen junger Menschen weiter verbessert. Die Zahl der Neuverträge für das Ausbildungsjahr 2011/2012 stieg bis Ende September um 1,8 Prozent auf 570.000, wie die Partner des Ausbildungspakts aus Wirtschaft und Politik mitteilten.

Die Zahl der betrieblichen Verträge habe um 4,0 Prozent auf 540.000 zugenommen, die der außerbetrieblichen sei dagegen um 25,7 Prozent gesunken. Gleichzeitig sei ein Bewerberrückgang um 2,5 Prozent verzeichnet worden.

Im Zuge der Nachvermittlung von Oktober bis Januar habe von 11.400 unversorgten Bewerbern die Hälfte einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative erhalten, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Raimund Becker. Zu diesem Zeitpunkt habe es noch fast 30.000 unbesetzte Ausbildungsplätze gegeben. Für die Betriebe werde es immer schwieriger, alle Lehrstellen zu besetzen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben.

Becker zufolge gab es im Rahmen der Nachvermittlung 500 abgestimmte Aktionen. Von den Ende September noch unversorgten Bewerbern sei jeder zweite der Einladung gefolgt. Jeder erschienene Jugendliche habe im Schnitt sechs bis sieben Angebote für eine Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung erhalten. Wansleben ergänzte, dass beispielsweise die sieben in Heilbronn zur Nachvermittlung erschienenen Jugendlichen zwischen 266 Ausbildungsplätzen und 311 Einstiegsqualifizierungen hätten wählen können.

Weniger Einstiegsqualifizierungen

Wansleben sagte, das Plus bei den Ausbildungsverträgen hätte erheblich höher ausfallen können, wenn es mehr geeignete Bewerber gäbe. Er rechne deshalb damit, dass im Jahr 2011 in der gesamten Wirtschaft rund 75.000 Plätze frei geblieben sind.

Die Wirtschaft habe ihre Zusage von 60.000 neuen Ausbildungsplätzen und 30.000 neuen Ausbildungsbetrieben deutlich übererfüllt, sagte Wansleben. Dagegen seien die Einstiegsqualifizierungen wegen des sehr großen Angebots an Ausbildungsplätzen klar hinter der Vereinbarung von 40.000 zurückgeblieben. Viele Unternehmen würden ihre Anforderungen aus der Not heraus senken, sagte Wansleben.

Wegen des Bewerbermangels rief der DIHK eine überregionale Lehrstellenbörse ins Leben, die am 22. Februar startet. Als künftige zentrale Herausforderung für den Ausbildungspakt sieht Wansleben, mehr Jugendliche ohne Umweg über eine Vorbereitungsschleife direkt in Ausbildung zu bringen. Angesichts des Bewerberrückgangs seien die Unternehmen zunehmend bereit, selbst Nachhilfe zu geben und mit Schulen Partnerschaften einzugehen. Gleichzeitig forderte der DIHK-Hauptgeschäftsführer Bund und Länder auf, den teuren und “unübersichtlichen Förderdschungel“ zu überprüfen und sich auf wenige effektive Maßnahmen zu konzentrieren.

DGB spicht von enttäuschenden Zahlen

Die Gewerkschaften bezeichneten die vom Ausbildungspakt vorgelegten Zahlen angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung als “enttäuschend“. Die Wirtschaft habe ihre gute Auftragslage im Jahr 2011 “kaum genutzt, um die jungen Menschen auszubilden, die bisher keine Chance hatten“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock in Berlin.

Während der Ausbildungspakt Jahr für Jahr eine entspannte Lage verkünde, sei laut Statistischem Bundesamt die Zahl der jungen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren ohne abgeschlossene Ausbildung mittlerweile bei 1,5 Millionen angekommen. Das seien immerhin rund 17 Prozent dieser Altersgruppe.

Der Ausbildungspakt rechne zwar nur mit rund 5.700 unversorgten Bewerbern, sagte Sehrbrock. Er zähle aber mehr als 65.000 Bewerber als versorgt, die keinen Ausbildungsplatz bekommen hätten und sich mit Bewerbungstrainings, Einstiegsqualifizierungen und Praktika über Wasser hielten. Allein im Jahr 2011 hätten aber mehr als 40.000 Ausbildungsplätze gefehlt.

dapd

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