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Brauer wollen Reinheits-Gebot gegen Gentechnik verteidigen

Brauer wollen Reinheits-Gebot gegen Gentechnik verteidigen

- München - Drei mittelständische Brauereien haben zum Kampf gegen Gentechnik beim Bier aufgerufen. In einem "Manifest" fordern sie, das Reinheitsgebot um einen Passus zu erweitern, der den Einsatz von gentechnisch veränderten Rohstoffen ausschließt. Andernfalls würde das Reinheitsgebot unterwandert und die Bier-Vielfalt in Deutschland bedroht. Bislang ist jedes in Deutschland hergestellte Bier frei von gentechnisch verändertem Material.

Bei den Rohstoffen, die nach dem Reinheitsgebot verwendet werden dürfen, sind noch keine entsprechenden Produkte auf dem Markt. Gentechnisch veränderter Hopfen befindet sich in der Laborforschung, entsprechende Gerste wurde zwar schon zu Versuchszwecken freigesetzt, aber weltweit noch nicht zugelassen. Bei Weizen gab es umfangreiche Freisetzungsversuche, aber ebenso weltweit keinen Anbau.

Doch das könnte sich bald ändern -zum Schaden der deutschen Braulandschaft, warnen die Gentechnik-Gegner von der Ökobrauerei Neumarkter Lammsbräu, dem Brauhaus Riegele (Augsburg) und der Stralsunder Brauerei. Lammsbräu-Inhaber Franz Ehrnsperger sprach bei der Vorstellung der Initiative in München von der "ernstzunehmendsten Gefahr der letzten 500 Jahre für das Reinheitsgebot". Hintergrund sei der erste Freilandversuch mit genmanipulierter Gerste in Deutschland, der vor fünf Monaten an der Universität Gießen (Hessen) begonnen wurde.

"In Deutschland gibt es noch kein Gentech-Bier. Die weltweit massive Entwicklung gentechnisch veränderter Braurohstoffe ist jedoch ein unverkennbares Indiz für den Weg zum Massen-Gentech- Bier", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. Wenn sich etwa bei der Gerste eine genmanipulierte Sorte ausbreite, würden die anderen überlagert, sagte Ehrnsperger. Und dann sei der gesamte Bio-Anbau tot. "Weder die Landwirte noch die Brauereien oder die Verbraucher wollen ein Gentech- Bier." Deshalb appelliert die Initiative an die Bundesregierung, das Biergesetz, in dem das Reinheitsgebot verankert ist, zu erweitern. Es sollten nur Rohstoffe verwendet werden dürfen, die nicht gentechnisch verändert sind.

Zudem fordere man den bayerischen Staat auf, "in den staatlichen Einrichtungen und Gütern den Gentechanbau zu beenden und die Gentech-Anwendungsforschung zu Hopfen, Getreide und Hefe einzustellen. Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft gilt weltweit als führend bei der Entwicklung gentechnischer Verfahren in der Hopfenzüchtung. "Wir teilen die Sorge dieser Brauer nicht", erklärte ein Sprecher des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gebe dem Verbraucher Entscheidungsfreiheit. Zudem seien die genannten Versuche der Landesanstalt "nur Theorie" und "weit weg von einer Anwendung".

Andreas Vilcinskas, Professor an der Uni Gießen und mit dem Gersten-Versuch vertraut, glaubt nicht, "dass in den nächsten Jahren irgendeine Brauerei in Deutschland Interesse an transgener Gerste zeigt". Dennoch seien die Versuche unumgänglich, um Pflanzen etwa gegen Pilze resistent zu machen und so höhere Erträge zu ermöglichen. Dies diene auch der Bekämpfung des Hungers in der Welt. "Es wird sicher daneben Nischen geben, etwa bei den Brauereien, die weiterhin konventionelle Pflanzen verwenden. Das wird der Markt regeln", glaubt Vilcinskas. Der Bayerische Brauerbund betonte, dass deutsches Bier gentechnikfrei sei. Eine Ergänzung des Reinheitsgebots sei aber überflüssig. Er warf der Initiative vor, "populistisch mit den Ängsten der Bevölkerung" zu spielen.

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