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Regionalwährungen auf dem Vormarsch

Chiemgauer statt Euro

Eine eigene Währung für die Region

München - Sie heißen Chiemgauer , Ampertaler oder Hallertauer , sollen die regionale Wirtschaft stärken und soziale Projekte unterstützen. Regionalgelder erleben in Deutschland einen Boom. 66 solche Währungen gibt es schon – Tendenz: steigend.

© mm

Chiemgauer ist mit über 3000 Mitgliedern die größte deutsche Regiowährung (Kreise Rosenheim und Traunstein). Es gibt ihn als Schein und bargeldlos mit eigener EC-Karte. Abgebucht wird dann vom Euro-Konto. Dazu können Unternehmen Chiemgauer-Konten anlegen. Es gibt ihn seit 1. März 2003, 368 356 Chiemgauer sind im Umlauf bei 613 Akzeptanzstellen und 42 Umtauschstellen.

Schätzungsweise eine Million Scheine und Münzen sind deutschlandweit als Regionalwährungen im Umlauf. In Deutschland wurde die Idee der Regionalwährungen nach der Einführung des Euro 1999 geboren. Sie ist aber weitaus älter. Bekanntestes Beispiel ist das Freigeld von Wörgl (Österreich). Mit dieser Zweitwährung schaffte es Bürgermeister Michael Unterguggenberger 1932/33, die Ökonomie am Ort nach der Weltwirtschaftskrise anzukurbeln. Die Arbeitsgutscheine waren mit Schilling gedeckt und mit einer monatlichen Umlaufsicherung belegt. Man zahlte ein Prozent des Werts, damit sie gültig blieben. Auf Druck der Österreichischen Nationalbank wurden sie aber bald verboten.

Inzwischen gibt es auch in Österreich , Italien und der Schweiz Regionalgelder. In der Regel gilt: Ein Euro ist ein Regio. Das Ziel ist überall das gleiche: Das Geld soll schnell fließen und vor allem die regionale Wirtschaft ankurbeln. Christian Gelleri , der 2003 aus einem Schülerprojekt den Chiemgauer initiiert hat, beschreibt das so: Ein Getränke-Unternehmer bekommt Chiemgauer und muss sie wieder ausgeben. Er findet einen Apfelsaftlieferanten in der Umgebung und kann ihn in der Zweitwährung bezahlen. Der wiederum hat einen Bauern am Ort , der das Obst liefert. Und der kann Futter und Geräte kaufen. Damit wechselt der Chiemgauer schnell seinen Besitzer, die Geschäfte am Ort profitieren. „Die Menschen identifizieren sich mit ihrer Region“, sagt Gelleri. Sie wollen Arbeitsplätze schaffen, sehen Sinn in kurzen Transportwegen und dem Umweltgedanken.

Deshalb finden die Währungen gerade auf dem Land viel Zuspruch. Das zweite Zugpferd ist die soziale Komponente. Tauscht man Euro in Regio um, geht ein Teil an ein Förderprojekt. „Statt Rabattpunkten sammelt man für einen sozialen Zweck“, erklärt Gelleri. Beim Chiemgauer kann man für diesen zweck aus 194 Vereinen wählen und Sportgeräte spendieren oder Seniorenbetreuer finanzieren.

Kritiker halten dem entgegen, dass nur Mitglieder in den Genuss der positiven Effekte kommen. Produkte, für die es keinen Regio-Anbieter gibt, müssen in Euro zugekauft werden – notfalls muss der Unternehmer sogar zurücktauschen, und das kostet. Die Gebühr deckt Verwaltungskosten ab und fließt in Förderprojekte, argumentieren die Initiativen. Dennoch ist das eine Schwachstelle.

Die Umlaufsicherung sorgt dafür, dass das Regiogeld schnell weiterinvestiert wird. Die Währung verliert nach jedem Quartal ein bis zwei Prozent ihres Wertes. Um den Schein aufzuwerten, müssen Marken gekauft werden. „Das ist eine Erinnerung, dass man das Geld nicht so lange liegen lassen soll“, meint Manfred Mayer , Vorstand von Hallertauer Regional – Verein für nachhaltiges Wirtschaften. „Der Hallertauer ist ein Tauschmittel. Wenn ich ihn nicht weitergebe, kann es auch kein anderer tun.“ Ähnlich sieht es Peter Scholz , Vorstand des Ammerlechtaler Vereins: „Das Geld kommt sozialen Projekten zugute. Ein Wertverlust wäre es erst, wenn es weg wäre.“

Die Bundesbank beobachtet die Regionalwährungen kritisch. So lange sie in einem ähnlich kleinen Umfang bleiben wie bislang, würden sie keinen nennenswerten Einfluss auf den allgemeinen Geldkreislauf nehmen. Sie seien Schwundgeld, die gewollte Inflation würden die Verbraucher beim Euro gar nicht gerne sehen. Frank-Christian Pauli, Bankexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, rät zur Vorsicht. Sollte sich eine Initiative auflösen, müsse man aufpassen, dass man übriges Geld zurücktauschen könne. „Eine gewisse Währungsreserve in Euro muss gehalten werden.“ In Maßen seien die Regionalwährungen aber kein Problem für den Euro.

Allerdings würde ein Einbruch oder eine plötzliche Inflation des Euro auch den Regio mit in den Wertverfall ziehen. Dessen ist sich Rolf Merten , Vorsitzender von Oberland Regional , durchaus bewusst. „Das Problem besteht, solange das Geld an den Euro gekoppelt ist.“ Das findet auch Peter Denk , Vorsitzender des Amper-Taler-Regio: „Wir müssen das Geld krisenfest machen.“ Daher würden alle Initiativen Wege suchen, um vom Euro loszukommen. Eine Leistungsdeckung sei sicher einfacher, aber erst, wenn der Regio nicht mehr rücktauschbar sei.

Ingrid Müller

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