Bayerns Wirtschaft klagt, dass der Aufschwung noch lange nicht in Sicht ist

Bayerns Wirtschaft: Aufschwung nicht in Sicht

004.06.09|WirtschaftFacebook
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Die Wirtschaft in Bayern klagt, dass der Aufschwung noch lange nicht in Sicht ist. Vielmehr steckten die Unternehmen in einer “tiefen Rezession“, so die Botschaft vom Industrie- und Handelstag.

Die Abwrackprämie hat zwar die Auto-Nachfrage angekurbelt, doch den Verbrauchern fehle nun das Geld für die Anschaffung von Möbeln oder Elektrogeräten, so Peter Driessen.

© dpa

Die Abwrackprämie hat zwar die Auto-Nachfrage angekurbelt, doch den Verbrauchern fehle nun das Geld für die Anschaffung von Möbeln oder Elektrogeräten, so Peter Driessen.

Die Auftragsbücher sind nahezu leer“; den bayerischen Unternehmern geht es „auf breiter Front massiv schlechter als ein Jahr zuvor“ und ein Aufschwung ist „noch lange nicht in Sicht“. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Peter Driessen, hatte gestern keine guten Nachrichten zu verkünden. Zwar habe die Konjunkturumfrage des BIHK unter rund 3200 Unternehmen gezeigt, dass der Absturz mittlerweile gebremst ist und die Talsohle zumindest in der Industrie am ehesten erreicht scheint. Aber „die bayerische Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession“, sagte Driessen. Ein allgemeiner Trend nach oben ist nicht zu sehen.

Exporte brechen ein

Der Freistaat als exportstarkes Land spüre die Krise und die weltweite Auftragsflaute stärker als andere Regionen. „Dennoch gibt es zur Globalisierung keine Alternative“, betonte Driessen. Allerdings werde die Rezession die Strukturen der Importe und Exporte nachhaltig verändern. Sowohl die Bedeutung der einzelnen Länder als auch die der gehandelten Produkte werde sich verschieben. Die Ausfuhren bayerischer Firmen sanken im ersten Quartal um knapp 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders stark waren die Einbrüche im Export nach USA (minus 32 Prozent), Großbritannien (- 40 Prozent), Russland (- 42 Prozent), Ungarn (- 60 Prozent), Irland (- 44 Prozent), Türkei (- 42 Prozent) oder auch Spanien (- 34 Prozent). Dagegen stieg das Ausfuhrvolumen mit Australien (plus 22 Prozent), Ägypten (+16 Prozent) oder Kasachstan (+ 128 Prozent).

Neue Märkte gesucht

„Unternehmer suchen derzeit verstärkt nach neuen Märkten“, sagte Driessen. Das sei mit ein Grund, weswegen Firmen, die in der Marktforschung tätig sind, von einer positiven Geschäftslage und von guten Geschäftsaussichten berichten. Zusammen mit Werbeagenturen die einzigen Branchen in Bayern, betonte Driessen. Seiner Einschätzung zufolge schlägt sich der Mittelstand in der Rezession stabiler als Großunternehmen. „Dies trifft insbesondere auf die Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern zu“, sagte Driessen. Größere Firmen planten eher einen Arbeitsplatzabbau. Trotz Kurzarbeit werde es nicht gelingen, alle Stellen zu erhalten. „Das heißt, die Arbeitslosigkeit in Bayern wird in den nächsten Monaten zunehmen.“

Staatliche Hilfen sieht Driessen kritisch. So habe die Abwrackprämie zwar die Auto-Nachfrage angekurbelt, doch fehle den Verbrauchern nun das Geld für die Anschaffung von Möbeln oder Elektrogeräten. Die Folge solcher Konjunkturmaßnahmen sei vor allem ein gewaltiger Anstieg der Staatsverschuldung. „Wir müssen uns heute schon fragen, mit welchem Geld wir die nächste Rezession bekämpfen wollen.“

von Stefanie Backs

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