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NSN-Prüflabor gerettet: Ingenieure bauen Zukunft ohne Siemens

NSN-Prüflabor gerettet: Ingenieure bauen Zukunft ohne Siemens

München - In München entsteht ein Prüfzentrum für die Batterien künftiger Elektroautos. Unter der Regie eines Schweizer Konzerns wurde ein früheres Nokia-Siemens-Prüflabor neu aufgestellt – und wohl gerettet.

Über 27 Tonnen im Anflug. Unter den gewaltigen Stößen des Shakers müssen künftig Antriebsbatterien von Elektroautos zeigen, was sie aushalten. Das Gerät wurde bei SGS in München durch das demontierte Dach angeliefert.

Hofmannstraße in Obersendling. Diese Adresse hatte einmal in ganz Bayern einen guten Klang. Das stand für Siemens, für sichere Arbeitsplätze und soliden Verdienst – bis der Münchner Konzern sein Glück in Kostenoptimierung suchte. Seither wurden Abteilungen stillgelegt, tausende von Arbeitsplätzen abgebaut und ein verzweifelter Rettungsversuch von Siemens-Arbeitsplätzen harrt als Nokia Siemens Networks (NSN) in München seiner Abwicklung.

Doch gibt es in der Hofmannstraße eine Einheit, die, dank eines neuen Eigentümers, heute besser dasteht als je zuvor. Das ehemalige Produktprüfungslabor von Nokia Siemens hat sich seit 2010 auf Komponenten für elektrisch angetriebene Autos spezialisiert – und wird so zum unentbehrlichen Dienstleister für die Autoindustrie – die die Elektromobilität vorantreiben will.

In Siemens-Diensten ging es noch um Elektrogeräte, überwiegend für Telefonanlagen. Ein Umbau war die Grundlage für neuen Erfolg, nachdem das Labor 2008 vom Genfer SGS-Konzern übernommen worden war.

Die Société Générale de Surveillance war früher einmal so etwas wie der TÜV der Schweiz. Sie ist aber inzwischen zum internationalen Prüfkonzern geworden – und für das Münchner Labor wohl die Rettung: Aus 60 NSN-Arbeitsplätzen wurden bis heute 110 bei SGS.

Dafür musste das Unternehmen unter neuer Führung investieren und zusätzliche Geschäftsfelder erschließen. Angesichts des Siemens-Kahlschlags in diesem Bereich konnte die Untersuchung von Telefongeräten auf Sicherheit und Umweltverträglichkeit das Geschäft allein kaum mehr tragen. Heute checkt SGS medizintechnische Geräte, wo früher Mobilfunkstationen auf den Prüfstand kamen. Vor allem aber bietet SGS München der Autoindustrie ihre Dienste an.

In diesem Bereich will die SGS bis 20. April ein neues Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte aufschlagen: Ein Prüfstand für die Antriebsbatterien künftiger Elektroautos soll dafür sorgen, dass die konzentrierte elektrische Energie, die in Lithium-Ionen-Akkus gespeichert wird, kontrollierbar bleibt.

Im Batterie-Testhaus werden zugleich klimatische und mechanische Extrembedingungen erzeugt, wie sie Batterien im Alltag nie ausgesetzt werden sollten, denen sie aber doch standhalten müssen: in einer Thermokammer sollen das Frostwetter in Polarregionen, aber auch die Strapazen des Wüstenklimas simuliert werden. Mit dem „Shaker“ werden die Batterien gleichzeitig mit Stößen traktiert.

Die mechanischen Schocks reichen bis zum 50-Fachen der Erdanziehungskraft. Damit wollen die Prüfer feststellen, wie die – bis zu 500 Kilogramm schweren – Batterien Zwischenfälle beim Transport überstehen, etwa wenn sie von der Ladefläche eines Lkw oder von einem Gabelstapler fallen. Oder es wird getestet, was passiert, wenn der Fahrer eines Elektroautos mit hoher Geschwindigkeit über eine Bordsteinkante kracht. Doch auch Krafteinwirkungen, die bei Unfällen auftreten, werden im Labor simuliert. Einen Crashtest sollen sie, wie der zuständige SGS Bereichsleiter Matthias Popp sagt, ergänzen, aber nicht ersetzen.

Die Bedingungen, unter denen der Shaker an seinen künftigen Platz gebracht wurde, waren selbst eine Herausforderung. Für einen Transport am Boden war er mit 27 Tonnen zu schwer. Denn er musste in ein Fundament abgesenkt werden. „Mit Gabelstaplern wäre das nicht zu machen gewesen“, sagt Popp. So kam ein riesiger Kran zum Einsatz – wofür Teile des Dachs abgedeckt wurden. Als der Shaker diese Woche einschwebte, herrschte in der Halle eisige Kälte und Schneetreiben. Ein bemerkenswerter Kontrast zum Umfeld in der früheren Siemens-Stadt, wo zwar die Räume warm sind, aber das Klima im Unternehmen frostig geworden ist.

Martin Prem

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