007.05.08|Wirtschaft|Wirtschaft|2
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München - Immer mehr Billiganbieter drängen ins Baugewerbe. Die Folge: Baumängel nehmen zu. Oft jahrelang müssen sich Haus- und Wohnungseigentümer dann darum streiten, wer die Kosten der Mängel-Beseitigung übernimmt. Das erleben gerade vier Wohnungseigentümer-Gemeinschaften (WEG) aus München.
Bei der Bebauung an der Theresienhöhe handelt es sich um ein Prestigeobjekt. Beteiligt daran: der Bauträger "Baywobau", der im Nordteil Acht-Punkt-Häuser im mediterranen Stil errichtet hat. Etwas ganz Besonderes sollte "Bavaria 8" darstellen. Und so ließ sich der Verkauf der Wohnungen gut an. Doch nach Fertigstellung kamen die Probleme: Baumängel in Wohnungen, vor allem aber im Gemeinschaftseigentum wie Tiefgarage, bei der Haustechnik und den Wasserrohren machen den Wohnungsbesitzern zu schaffen.
"Nicht ungewöhnlich", sagt Rudolf Stürzer, Aufsichtsratsvorsitzender des Bayerischen Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzervereins in München. "Baumängel haben erheblich zugenommen." Täglich ein Dutzend Leute beschwerten sich bei den 16 Anwälten, die für den Verein arbeiten. Seit Öffnung der Grenzen drängten immer mehr Billigfirmen auf den Markt. "Oft erfolgt die Vergabe nur über den Preis", sagt Stürzer. Dabei befänden sich viele unseriöse Anbieter auf dem Markt. Auch Bauträger würden oft aus Kostengründen den billigsten Anbieter wählen, weiß Stürzer. "Seriöse einheimische Handwerker werden verdrängt."
Auch die "Baywobau" hatte beim Bau von "Bavaria 8" gegenüber den Eigentümern die "Unzuverlässigkeit mancher Handwerker oder Zuliefererfirmen" beklagt. Dabei fehle es oft nicht am guten Willen, sondern am nötigen Geld und Personal. Die Folge: 400 bis 500 kleinere und größere Mängel haben die vier WEG gemeinsam mit ihrer Hausverwaltung "Eigenschink" aufgelistet. Die Kosten, um all die Mängel beseitigen zu lassen: mehr als eine Million Euro.
Das Landgericht München I wird nun einen unabhängigen Sachverständigen beauftragen, der sich alle Mängel ansieht. Mindestens ein Jahr dürfte das dauern. Danach könnte es in einem Rechtsstreit darum gehen, welcher Baumangel überhaupt ein Mangel ist, und für was der Bauträger aufkommen muss. "Die Eigentümer brauchen einen langen Atem", sagt Hausverwalter Anton Eigenschink.
Wer jahrelange Gerichtsstreits vermeiden will, sollte auf Vorsorge setzen, meint Rudolf Stürzer (siehe Kasten). Und wenn doch Mängel auftreten, rät der Experte dazu, alles genau zu dokumentieren. Dann sollte man die Baufirma auffordern, die Mängel zu beseitigen. Wird dies nicht erledigt, hilft nur noch eine Klage. Aber nur, wenn die Gewährleistungspflicht nicht abgelaufen ist.
Im Fall der WEG von der Theresienhöhe hat es zeitlich gerade noch geklappt mit einer Klage. Dabei geht es den Eigentümern doch nur darum, sagt Eigenschink, "dass die Mängel möglichst schnell beseitigt werden."
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