München - Mehr als 2000 Mitarbeiter des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN) haben am Mittwoch mit einem Pfeifkonzert gegen die geplante Schließung des größten deutschen Standortes in München protestiert.

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Mehr als 2000 Angestellte demonstrierten gegen die Schließung.
Siemens-Chef Peter Löscher stehen unbequeme Wochen bevor. Die IG Metall will ihn für die geplanten Standortschließungen bei dem Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) in Deutschland in die Pflicht nehmen, durch die fast 3000 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren sollen. In einer wütenden Rede kündigte Michael Leppek von der Gewerkschaft am Mittwoch in München massive Gegenwehr an und attackierte Löscher auch persönlich. In der Sprache des Top-Managers sei Nokia Siemens Networks vielleicht nur eine “nicht fortgeführte Aktivität“. “Aber diese nicht-fortgeführte Aktivität wird Sie verfolgen: Auf Ihren Tennisplatz, in Ihr Restaurant, auf den Wittelsbacher Platz“, rief er bei einer Prostkundgebung vor mehr als 2000 Beschäftigten.
Denn am Wittelsbacher Platz, in der feudalen Siemens-Zentrale mitten in München, sitzen aus Sicht vieler Mitarbeiter die Schuldigen für die Misere bei Nokia Siemens. Dort hatte das Management - damals unter Konzernchef Klaus Kleinfeld - im Jahr 2007 das einst so wichtige Telekommunikationsgeschäft in ein Joint Venture mit Nokia ausgelagert. Den Mitarbeitern habe Siemens damals das Schlaraffenland versprochen, schimpfte Leppek - nun stünden sie vor dem Aus und Siemens widme sich längst neuen Geschäftsfeldern. “Siemens wollte uns nur loswerden“, sagte der NSN-Betriebsratsvorsitzende Horst Schön. “Siemens darf die Mitarbeiter nicht auf die Straße schmeißen und entsorgen.“ Siemens äußerte sich nicht zu der Kritik. Ein Sprecher bekräftigte aber, die NSN-Beschäftigten bevorzugt einzustellen - sofern sie für offene Stellen im Konzern geeignet sind.
Auf Pappschildern appellierten die Beschäftigten an Siemens, Verantwortung zu übernehmen: “Wir gehören zur Familie“, hieß es darauf. Und: “Liebe Mama Siemens, bitte verstoße Deine NSN nicht.“ Auf einigen Schildern erinnerten die Mitarbeiter an das Drama mit BenQ: Siemens hatte sein verlustreiches Handygeschäft im Jahr 2005 an den Konzern aus Taiwan verkauft, ein Jahr später war BenQ Mobile in Deutschland pleite und 3000 Beschäftigte verloren ihren Job. Auch damals wurde vor allem die Zentrale in München hart getroffen. Nach erfolgloser Käufersuche kam zum Schluss sogar die Büroeinrichtung unter den Hammer. Soweit dürfe es bei NSN nicht kommen, sagt Gewerkschafter Leppek den frierenden Mitarbeitern, die ihn immer wieder mit Applaus unterbrechen. Jede Woche werde die IG Metall von nun an protestieren. “Das hier heute ist erst der Auftakt.“
dpa



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