Manche Berge sind so markant, dass sie jeder erkennt. Das Matterhorn zum Beispiel. Die Schokoladenseite, von Zermatt aus: einzigartig. Aber nehmen wir die Perspektive von Süden, den Blick von Breuil-Cervinia aus. Auf Lion- statt Hörnligrat. Eine andere Szenerie, nicht mehr das im Kopf gespeicherte Standardmotiv. Und schon rätselt manch einer: Wie heißt bloß dieser Berg?
Oft muss es gar nicht die entgegengesetzte Seite sein. Schon aus einem etwas anderen Winkel wirkt ein Berg unterschiedlich. Beispiel Benediktenwand: Deren weithin sichtbarer Aufschwung am Rothörlsattel sieht, rückt er auf dem Weg vom Tegernsee nach Bad Tölz ins Blickfeld, richtig wild und abweisend aus. Dabei ist die Passage in der Realität halb so wild. Oder neulich, auf dem Sonnjoch im Karwendel. Zwei Bergsteiger lassen ihre Blicke aufmerksam über die Laliderer Wände schweifen, weil sie demnächst eine Übernachtung im Karl-Schuster-Biwak planen. Doch wo liegt das? Oberhalb der scharfen Kante links von der Eng oder ein Stück weiter rechts, über der Herzogkante?
„Es war eine Heidenarbeit, das zu machen“, blickt der 50-Jährige zurück. Ungefähr sieben Jahre brauchte Fiebig, bis die Faltpanoramen druckreif waren. Das Procedere: einen klaren Schönwettertag mit guter Fernsicht abwarten („Das klappt nur bei zehn bis 20 Touren pro Jahr“), die fünf Kilo schwere Fotoausrüstung in den Rucksack packen, einen Berg erklimmen. Am besten zu früher Morgenstunde, weil dann erstens die Sicht noch besser ist und zweitens die Gipfel noch nicht überlaufen sind. „Ich achte drauf, keine Personen im Bild zu haben, um nicht von den Gipfeln abzulenken“, erläutert Fiebig. Oben angekommen, sucht er einen optimalen Standort für sein Stativ, montiert die Kamera mit 28-Millimeter-Weitwinkelobjektiv hochkant und beginnt, rundum die Bergwelt einzufangen. Ein 360-Grad-Panorama setzt sich aus zwölf Einzelaufnahmen (im Hochformat) zusammen. Manchmal muss Fiebig andere Gipfelstürmer bitten, kurz aus dem Bild zu gehen oder den Rucksack wegzuräumen. „Wichtig ist ein schöner Bildaufbau. Die zentrale Frage lautet: Bringe ich das Gipfelkreuz mit drauf? Oder verdeckt es womöglich wichtige Berge?“ Ist alles angerichtet, dauert die eigentliche Fotorunde nur wenige Minuten.
95 Prozent der Berge kann Fiebig auf Anhieb benennen
Bei aller Präzision schleichen sich klitzekleine Fehler ein. 13 haben findige Bergkenner entdeckt, Fiebig hat die Korrekturen auf seiner Webseite veröffentlicht. Bei über 6000 Gipfeln allerdings fällt das kaum ins Gewicht.
In der Praxis haben wir auf mehreren Bergtouren unterschiedliche Angebote zur Gipfelbestimmung ausprobiert: die beiden Apps für Smartphones („PeakFinder“ und „Peak.ar“), das „Wander- und Gipfelbestimmungsbuch“ von Michael Reimer mit ausklappbaren Panoramen (allerdings nicht 360 Grad) oder die Faltbox „Unsere Bayerischen Hausberge“ aus dem Bruckmann-Verlag, die ein wenig wie eine Miniaturausgabe von Fiebigs Original wirkt.
Fazit: Der Aufwand, den Fiebig betrieben hat, ist spürbar – mit seinen 360-Grad-Panoramen, die schön sortiert in einem kleinen Pappkarton stecken, klappt die Gipfelbestimmung am besten.
Martin Becker
Weitere Infos
www.muenchner-hausberge.de: Übersicht zu Faltpanoramen, Bildband sowie Sondereditionen von Uwe-Carsten Fiebig. Die Faltbox (Foto) ist im Buchhandel erhältlich (ISBN-10: 389823-428-2 und ISBN-13: 978-3-89823-428-3, 48 Euro).
www.frischluftedition.de: Gipfelbestimmungsbuch „Faszination Alpenpanorama“ mit 44 Gipfel-Ausblicken (19,90 Euro, ISBN 978-3-9814605-0-6).
www.bruckmann.de: 21 Gipfelpanoramen „Unsere Münchner Hausberge“ (9,90 Euro, ISBN-13: 978-3-7654-5627-5).


© fknFünf Kilo Fotoausrüstung im Gepäck hat Uwe-Carsten Fiebig, wenn er – wie hier auf der Alpspitze – ein 360-Grad-Panorama fotografiert.


