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„Lasst es langsam angehen“ rät Nils Schumann (Mitte) den Lauf-Neulingen Claudia Roth und Helmut Aigner.

Sechs Tage vor dem Stadtlauf:

Große Pläne und eine störrische Wade

München - Mehr als 14 700 Läufer haben sich bereits für den Stadtlauf von Sport Scheck am kommenden Sonntag angemeldet. Unter ihnen zwei Lauf-Neulinge, deren Training der Münchner Merkur seit März begleitet.

Zum Abschluss gab es am Montag ein Treffen mit Olympiasieger Nils Schumann.

Noch sechs Tage bis zum Start! Ein wenig aufgeregt warten Claudia Roth und Helmut Aigner am Montagmorgen am Chinesischen Turm auf jenen Mann, der ihnen letzte Expertentipps für den Stadtlauf geben soll: Nils Schumann, der 2000 in Sydney Gold über 800 Meter holte und heute als Personal Trainer aktiv ist.

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„Wir sind ja beide, was Laufen betrifft, voll die Anfänger“, sagt Claudia Roth, 41. Vor gerade mal drei Monaten hat sie sich spontan entschlossen, beim Stadtlauf die 10 Kilometer anzupacken. Auch Helmut Aigner, 75, hat das Laufen erst spät entdeckt, bringt aber als passionierter Radler („früher bin ich Radrennen gefahren“) eine beachtliche Ausdauer mit.

Beste Voraussetzungen also – wäre da nicht Aigners rechte Wade. „Zerrung“ steht mit dicken roten Buchstaben unter dem Datum 14. Mai in der Tabelle, in die Aigner seit zehn Wochen penibel jede Trainingseinheit eingetragen hat. Im Urlaub auf Korfu ist es passiert: „Ich hätt’ net am Strand laufen sollen“, hadert der ehemalige Feuerwehrmann. „Das hat mir nie jemand gesagt. Erst jetzt, wo’s zu spät ist, sagen alle meine Freunde: Am Strand hab’ ich mir auch schon was geholt.“ Richtig euphorisch sei er schon gewesen, sagt Aigner. „Und jetzt das“.

Doch Schumann muntert ihn schnell wieder auf. „Dann lauf eben langsamer oder nur die fünf Kilometer“, empfiehlt der groß gewachsene, athletische 34-Jährige und lobt Aigners Trainings-Aufzeichnungen: „Das ist so richtig die alte Schule.“ Auch im Trainingsplan von Redaktionsassistentin Claudia Roth erkennt Schumann „eine ganz tolle Entwicklung: Die Umfänge und die Geschwindigkeiten gehen nach oben.“ Ihre Kilometerzeit hat die 41-Jährige unter sieben Minuten gedrückt. Auf Glückshormone, die andere Läufer beflügeln, warte sie bisher zwar vergebens, sagt sie, aber immerhin sei ihr Mann, ein Marathonläufer, schon richtig stolz auf sie: „Ich hab schon mal neun Kilometer geschafft.“ Eine Zeit unter 75 Minuten peilt sie beim Stadtlauf an – so vehement, dass Schumann sich genötigt fühlt, sie zu bremsen: „Ich weiß gar nicht, ob man sich überhaupt so ein Ziel setzen sollte“, sagt er vorsichtig. „Für viele Einsteiger ist das der Hauptstress.“ Und es verführe dazu, das Rennen zu schnell anzugehen: „Du rennst wahrscheinlich den ersten Kilometer in sechs Minuten, und das rächt sich später“, mahnt der Experte. „Lass es langsam angehen. Steigern kannst du dich immer noch.“

Einmal 75 Minuten so zu laufen, dass der Puls unter 120 bleibt, empfiehlt Schumann. Und Claudia ist begeistert, als sie erfährt, dass das am Dienstag, fünf Tage vor dem Start, noch geht.

Der gemeinsame Lauf, der das Treffen krönen sollte, fällt mit Rücksicht auf Aigners Wade recht kurz aus. Dafür dürfen die beiden Schumanns Goldmedaille aus dem Etui nehmen. Sichtlich beeindruckt wiegt Aigner die Trophäe in der Hand. Und vielleicht liegt’s am olympischen Gedanken, dass er sich – dabei sein ist alles – mit der Option anzufreunden beginnt, am Sonntag nicht über zehn, sondern über fünf Kilometer zu starten.

Eines wollen die beiden vom Experten noch wissen: „Was essen wir am besten vor dem Start?“ „Carbon loading“ wie die kohlehydratreiche Nudelschlacht am Vorabend im Fachjargon genannt wird, will Schumann ihnen nicht empfehlen: „Esst was Bekömmliches, und vor allem: Keine Experimente“, rät er. Das gelte auch für das Frühstück zwei bis drei Stunden vor dem Start („ich hab immer Haferschleim mit Obst gegessen“). Die wichtigste Diät findet nach Schumanns Ansicht ohnehin im Kopf statt: „Macht euch nicht so viele Gedanken!“, sagt er.

Die beiden Stadtläufer in spe nicken. Nur Claudia hat noch etwas auf dem Herzen: In drei Monaten Training habe sie noch kein Gramm Gewicht verloren, klagt sie. „Es wird ja auch Fett- in Muskelgewebe umgewandelt“, tröstet Schumann. „Viel wichtiger als die Waage ist das Spiegelbild.“ Claudia strahlt. Vor dem Spiegel muss sie keine Angst haben.

Peter T. Schmidt

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