Laufschuh: Tipps, Tricks, Kosten.

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    • 02.07.12
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So finden Sie den richtigen Schuh

München - Laufschuhe im Sonderangebot im Internet bestellen? Oder im Sportgeschäft zwei, drei Modelle probieren und das bequemste kaufen? Fachleute raten von all dem dringend ab. Die wichtigsten Tipps zum Laufschuhkauf.

© Marcus Schlaf

Die gewohnte Schuhgröße passt selten. Meistens brauchen die Leute bei Laufschuhen ein bis eineinhalb Größen größer als normal, sagt Berater Manuel Heidelberg.

„Gute Beratung durch jemanden, der Ahnung hat, ist das Wichtigste“, sagt Sven Renz, der gemeinsam mit seiner Frau, der Ex-Skirennläuferin Martina Ertl-Renz, das Fachgeschäft „ErtlRenz“ an der Brienner Straße führt. Doch wie finden Experten das richtige Modell für jeden Fuß – und wie viel kostet ein gutes Paar Laufschuhe? Die wichtigsten Tipps in Stichpunkten:

Laufbandanalyse

Eine Laufbandanalyse bieten heute fast alle Fachgeschäfte und großen Sportläden. Denn: Mithilfe der Videoaufzeichnung vom Laufverhalten können die Experten erkennen, ob der Läufer eine Fußfehlstellung hat und wie es um die Beinsymmetrie steht. Doch nicht immer ist das Laufen auf dem Band zweckmäßig. „Es hat nur Sinn, wenn der Kunde es gewohnt ist“, sagt Manuel Heidelberg, Fachberater bei Sport Scheck.

Wer unsicher sei, verkrampfe oder halte sich fest. „Das verfälscht total.“ Aber auch beim Lauf auf dem Ladenboden könne man die entscheidenden Beobachtungen machen. Ob zum Beispiel eine Überpronation vorliegt, bei der der Fußrand stark nach innen einknickt. Der Sportler benötigt dann einen Schuh mit starker Stützwirkung innen. Nach der Analyse sei die Auswahl meist auf zwei bis drei mögliche Modelle eingegrenzt, sagt Heidelberg.

3-D-Scan und Video

Bei „ErtlRenz“ geht man noch einen Schritt weiter. Hier wird der Fuß des Kunden zunächst in 3-D eingescannt. Das Computerprogramm zeigt dann Beinstellung und etwaige Fußfehlstellungen an, aber auch der Druck der verschiedenen Fußpartien auf den Untergrund wird gemessen. Dann werden noch die Angaben des Läufers über den Untergrund, auf dem er läuft, sein Gewicht und die Stabilität seiner Muskulatur ermittelt – bis das Programm die am besten geeignete Modelle aus dem Sortiment ausspuckt. Erst dann darf der Kunde mit den Modellen am Fuß auf natürlichem Boden laufen, während eine Kamera läuft. „Wir können dann die Aufnahmen von zwei unterschiedlichen Modellen nebeneinanderstellen und sehen, in welchem Schuh sich der Fuß besser verhält“, erklärt Renz.

Der richtige Schuh

Entscheidend ist, dass jeder Fuß am Ende den exakt richtigen Schuh bekommt. „Der falsche Schuh kann zu gesundheitlichen Problemen führen“, warnt Renz. Ein Laufschuh sei nicht weniger als ein orthopädisches Hilfsmittel. Die richtigen Stützeigenschaften muss er haben – und er darf keinesfalls zu klein sein. „Meistens brauchen die Leute bei Laufschuhen eine bis eineinhalb Größen größer als normal“, sagt Heidelberg. Die Produktpalette ist groß. Bei Sport Scheck sind etwa 80 bis 90 Modelle vorrätig – davon sind etwa 50 normale Trainingslaufschuhe. Bei „ErtlRenz“ ist die Auswahl begrenzter, aber deshalb nicht etwa schlechter. „Wir haben die Daten von 80 000 Füßen ausgewertet und anhand dessen vorselektiert“, sagt Renz. „Mit 20 Modellen werden wir locker 95 Prozent aller Fußbedürfnisse gerecht.“

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Damenmodelle

Abgesehen vom Farbdesign und den schmaleren Leisten unterscheiden sich Damenmodelle nur wenig von denen für Herren, sagt Heidelberg. Einzelne Hersteller bieten aber Schuhe mit einer höheren Ferse an. Die trägt der Tatsache Rechnung, dass Frauen eine verkürzte Achillessehne haben. Bei seinen weiblichen Kunden muss der Fachberater manchmal Überzeugungsarbeit leisten: „Frauen haben die Tendenz, den Schuh nach der Farbe auszusuchen. Ich sage dann: Lieber nicht so schön und dafür gesund laufen.“

Kosten

Qualitativ gute Laufschuhe bekommt man ab etwa 100 Euro. „So viel sollte man schon investieren“, sagt Renz. Teure Modelle kosten um die 200. „Sie sind aus noch hochwertigeren Materialien und haben noch mehr Dämpfung als günstigere Schuhe“, sagt Heidelberg. Einzelne Hersteller bieten weitere Feinheiten, etwa eine asymmetrische Schnürung, mit der sich der Schuh enger an den Fuß schmiegt und die Faltenbildung im Vorfuß verhindert. Renz’ Regel: „Wer am wenigsten läuft, braucht den besten Schuh.“ Vielläufern empfiehlt er zudem, zwei Paare abwechselnd zu tragen. Im Schnitt, sagen die Experten, halten Laufschuhe etwa 800 bis 1000 Kilometer – bei Hobbyläufern, die ein bis zwei Mal in der Woche sporteln, sind das etwa zwei Jahre.

Zeit einplanen

Neue Schuhe kaufen sich nicht in fünf Minuten. „Man sollte schon mindestens 30 Minuten einplanen“, rät Sven Renz, früher Bundesliga-Triathlet. Und seine alten Schuhe nach Möglichkeit mitbringen, sagen beide Experten. Denn an der Abnutzung der Sohle können sie erste Rückschlüsse auf den Laufstil ziehen. Wer an einem Laufwettbewerb teilnimmt und neue Schuhe braucht, sollte frühzeitig einkaufen gehen. „Ich würde die Schuhe mindestens vier Wochen vorher einlaufen und auch mal einen längeren Lauf machen“, sagt Renz.

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Natural Running

Es gibt einen neuen Trend bei Laufschuhen. Natural Running heißt er. Die Schuhe, die inzwischen fast jeder Hersteller im Sortiment hat, sollen das Barfuß-Laufgefühl simulieren – und so die durch gedämpfte Schuhe verkümmerten Muskeln, Sehnen und Bänder stärken. Sie sind extrem leicht, haben eine deutlich dünnere Sohle – und eine geringe Sprengung, also wenig Gefälle der Zwischensohle von der Ferse bis zum Vorfuß. „Wer nicht entsprechend trainiert ist, kann mit einem solchen Schuh aber nichts anfangen“, macht Renz klar. Die Schuhe seien „Trainingsgeräte“ – „da kann man auch viel falsch machen“. Langsam anfangen, „um Muskulatur aufzubauen“, rät Heidelberg. Ein Ersatz für einen normalen Laufschuh seien Natural-Running-Schuhe aber „keinesfalls“.

Caroline Wörmann

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