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Auf Schneeschuhen in die winterliche Einsamkeit

Anzeige - Schneeschuhwandern ist ein wunderbarer Sport für Ungeduldige. Alles, was man dazu können muss, hat man bereits als Kind gelernt: das Laufen auf zwei Beinen!

Der erste Schnee überzuckert die Wiesen im Tal, die Kristalle glitzern im Sonnenlicht. Auf den Skipisten schnurren bereits die Schneekanonen, und die ersten Skitourengeher ziehen ihre Spuren hinauf aufs Brauneck, obwohl unter dem lockeren Schnee noch Steine und Wurzeln lauern. Nein, weder Skier noch Knochen möchten wir uns ruinieren, nur um unter den Ersten zu sein, die ihre Spuren in den Pulver ziehen. Aber deshalb an diesem strahlenden Frühwintertag auf ein Bergerlebnis verzichten? Pah! Wozu gibt es denn Schneeschuhe!?

Die Ausrüstung ist schnell besorgt: Schneeschuhe kann man in jedem guten Sportfachhandel ausleihen oder kaufen. Die Teleskopstöcke, feste Wanderschuhe und ein Tagesrucksack für Verpflegung und wärmende Klamotten gehören – egal ob Sommer oder Winter – sowieso zur Grundausstattung eines jeden Bergwanderers.

Mit den Schneeschuhen funktioniert das Spuren besser alserwartet: Die breite Auflagefläche der Schneeschuhe unter den Füßen ist kaum als Gewicht spürbar und verhindert, dass wir allzu tief einsinken. Querfeldein geht es nun dem Wald entgegen, während die Schneekanonen und andere Geräusche aus dem Tal immer leiser werden. Auch die paar ambitionierten Skitourengeher, die den Weg über die unpräparierte Piste wählen, lassen wir bald hinter uns: Schließlich wollen wir nicht deren Spuren mit unseren Schneeschuhen zertreten, und außerdem kommt man mit dem Schneeschuh ganz einfach überall hin – auch in die einsamsten, verwildertsten Gebiete. Ein paar Vögel tschilpen aufgeregt, als sie unsere gedämpften Schneeschuhschritte vernehmen. Drüben auf den freien Hängen der ungewalzten Pistenabfahrt hören wir die Skitourengeher fluchen: Der Schnee ist so weich, dass sie an den steilen Stellen wegrutschen. Uns Schneeschuhgehern entlockt das nur ein mitleidiges Lächeln: Die Frontzacken der Schneeschuhe greifen perfekt, und mit den ausgeklappten Steighilfen ist die direkte Aufstiegslinie selbst in steilem Gelände kein Problem. Schneeschuhwandern funktioniert so einfach, dass wir uns ganz den Schönheiten der verschneiten Landschaft widmen können: Die Sonnenstrahlen funkeln durch den lichten Wald, der verletzten Rinde eines Baumes entströmt Harzgeruch, und hin und wieder entledigt sich eine Fichte ihres mächtigen Kristallflockenkleids.

Mittlerweile reicht der Schnee bis zu den Oberschenkeln. Dort, wo die Sonne die weiße Decke bereits angewärmt hat, wird das Spuren mit den Schneeschuhen etwas mühsam, und wir weichen auf die Spur aus, die ein Skidoo auf der Forststraße gelegt hat. Auch ein paar Wanderer haben diesen Weg gewählt. Ihren verrutschten Trittspuren nach zu schließen, fällt ihnen das Steigen jedoch nicht gerade leicht. Tatsächlich: Ein paar Meter weiter oben holen wir die mühsam Stapfenden mit unseren Schneeschuhen ein. Ein paar Worte ausgetauscht, und schon ist für sie klar: Beim nächsten Ausflug werden sie sich auch „diese praktischen Teller da“ an ihre Wanderschuhe schnallen.

Seltsam, dass das Schneeschuhgehen noch so wenigeAnhänger hat. Schließlich sind Schneeschuhe eines der ältesten Fortbewegungsmittel in den kühleren Klimazonen der Erde. Das Prinzip, sein Körpergewicht auf eine möglichst große Auflagefläche zu verteilen, mit der es sich auch im Tiefschnee ohne Einsinken einfach marschieren lässt, haben sich schon die Naturvölker vor mehreren 1000 Jahren zunutze gemacht. Etwa 12000 Jahre alte Höhlenzeichnungen zeigen Darstellungen, die Schneeschuhen ähnlich sind. Entsprechende Funde in der heutigen Mongolei lassen die Vermutung zu, dass dort vor 6000 Jahren Schneeschuhe eingesetzt wurden. Indianer, Inuit und viele andere Volksstämme in gebirgigen, schneereichen Regionen bauten sich Schneeschuhe, um damit im Winter auf die Jagd zu gehen. Die Bauweise war bei allen Schneeschuhen ähnlich: Leisten aus Eschenholz wurden zu einem ovalen Gestänge gebogen, dessen Inneres mit Leder bespannt wurde. Mit einer Zehenschlaufe oder mit Riemen befestigte man die Tragflächen am Fuß.

Verglichen mit jenen Prototypen bieten die Schneeschuhe, die Sportler und Abenteurer heutzutage in den Outdoor-Fachgeschäften finden, natürlich um einiges mehr an Komfort: Ihre Rahmen sind aus leichtem Aluminium oder aus stabilem Plastik, ihre Riemen lassen sich bequem über feste Wanderschuhe schnallen, und die Greifzacken an den Sohlen sorgen für einen optimalen Halt selbst bei harschigem oder eisigem Untergrund. Viele Schneeschuh-Modelle besitzen zudem ausklappbare Steighilfen, was das Aufsteigen gerade in steilem Gelände sehr vereinfacht. Mehr Info zu Schneeschuhen findet man online.

Am Gipfel stehen die Skitourengeher bereits in denStartlöchern zur schwer verdienten Abfahrt. Die ersten Schwünge im Pulver entlocken ihnen freudige Juchzer. Etwas wehmütig blicken wir ihnen hinterher. So schnell und elegant würde es für uns an diesem Tag nicht abwärts gehen. Zögernd richten wir die Füße gen Abgrund. Rutschen mit den Schneeschuhen vorsichtig in jeden Schritt hinein. Nach ein paar Metern haben wir Vertrauen gefasst. Mit riesigen, federnden Sprüngen geht es geradewegs abwärts. Die Schneeschuhe fangen unser Gewicht weich ab, der Pulver staubt um unsere Oberschenkel. Und schon mischen sich unsere vergnügten Juchzer mit denen der Skifahrer.

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