Mit der ersten Gondel lässt der Wintersportler den dichten Nebel des Tals hinter sich. Imposant recken sich das Öfelerjoch und der Gedrechter auf über 2.300 Meter dem tiefblauen Himmel entgegen. Man blinzelt in die gleißende Sonne. Die frisch präparierten Pisten des Hochzillertaler Skigebiets fühlen sich gut an unter den Brettern. Die ersten Schwünge des Jahres sind die schönsten.
Sechs Skigebiete mit 94 Kilometern schwarzen, 398 Kilometern roten und 175 Kilometern blauen Abfahrten erwarten die Winterurlauber heute. Sie haben die Wahl zwischen Fügen und Hochfügen, dem Hochzillertal, der Zillertal Arena, Penken und Ahorn sowie dem Gebiet rund um den Hintertuxer Gletscher. Breite Abfahrten mit Rundum-Panoramablick für Familien und Anfänger wechseln sich mit steilen und engen Passagen ab. In einer Urlaubswoche ist das Zillertal kaum ganz zu erkunden.
1967 baute Hans Kammerlander, damals Vizebürgermeister, den ersten Doppelsessellift am Isskogel im Gerlostal. „Wir wollten zum Skifahren halt bequemer den Berg hochkommen.“ Kurz darauf folgten andere seinem Beispiel und erbauten Skilifte in Zell am Ziller und in Kaltenbach. Aber erst ab den 1980er Jahren haben immer mehr Urlauber in den Wintermonaten das Zillertal besucht.
Heutzutage bringen 172 Lifte die Sportler den Berg hinauf. Viele von ihnen fahren am liebsten abseits der Piste wieder hinunter. Das Freeriden entwickelte sich in den vergangenen Jahren zum großen Trend. Für Freerider sei das Skigebiet Hochfügen perfekt, sagt Ski- und Bergführer Georg Fankhauser. Wer mit dem Wedelexpress am Gipfel ankommt, wird mit grandiosen Ausblicken auf das Tiefschneegebiet belohnt. Mit kräftigen Schwüngen geht es durch Puderzucker-Schnee hinab ins Tal.
Muße und Beschaulichkeit oder Spaß und Party
Das stille 2100-Einwohner-Örtchen Stumm liegt verschlafen inmitten des Tals. „Ich hab es gerne ruhiger“, sagt Fankhauser. Beschaulichkeit finden gestresste Großstädter auf dem „schönsten Dorfplatz Tirols“ mit der kleinen Dorfkirche, dem Schloss und vielen urigen Wirtshäusern. Après-Ski-Partys sucht man hier vergeblich.
Umgeben von den Zillertaler, den Tuxer und den Kitzbühler Alpen liegt die Ortschaft Hippach ein paar Kilometer weiter ins Tal hinein. Urlauber spazieren an kleinen Geschäften vorbei und bekommen ansonsten vor allem eines: Ruhe.
Weil das Skigebiet Penken sowohl von Mayrhofen als auch von Hippach und Finkenberg angefahren werden kann, sind die Pisten entsprechend voll. Die „Harakiri“ ist mit 78 Prozent Gefälle die steilste Piste Österreichs und lässt selbst die Knie routinierter Wintersportler weich werden. Snowboarder und Freeskier toben sich im Vans Penken Funpark aus.
Auf dem Ahorn - ebenfalls von Mayrhofen erreichbar - geht es gemütlicher zu. Wer hier über die breiten Pisten fährt, spürt, warum dieser Berg „Genießerberg“ genannt wird. Wer noch höher hinaus will, fährt ins Gletschergebiet Hintertux. Trotz blauer Pistenmarkierungen brauchen Skifahrer in diesem Gebiet ein wenig Übung.
Moderner Wintertourismus und alte Traditionen scheinen sich im Zillertal nicht auszuschließen. Es sei ein Tal mit viel Landwirtschaft geblieben, sagt Hans Kammerlander. „Der Tourismus hat uns eigentlich nur Wohlstand gebracht.“ Einziger Nachteil sei die Umweltbelastung durch die Autos. „Und die älteren Stammgäste sagen, es ist nicht mehr so gemütlich, wie es einmal war.“
Von Marina Leunig, dpa
REISE-INFOS ZU WINTERSPORT IM ZILLERTAL
ANREISE: Das Zillertal hat einen eigenen Autobahnanschluss am Taleingang. Drei internationale Flughäfen liegen in der Nähe: Innsbruck (50 Kilometer entfernt), Salzburg (150 Kilometer) und München (170 Kilometer). Durch die Zillertalbahn ist das Tal an den internationalen Bahnverkehr angebunden.
REISEZEIT: Die offizielle Wintersaison 2011/12 hat am 3. Dezember 2011 begonnen und endet am 15. April 2012.
PREISE: Der Zillertaler SuperSkipass ist in allen Skigebieten im Zillertal gültig und kostet Erwachsene für sieben Tage 232 Euro. Tagesskipässe gelten für das jeweilige Skigebiet und kosten 42 Euro. Ein großes Mittagessen auf der Hütte mit einem Glas Wein und einem Kaffee ist für etwa 20 Euro zu haben. Ein kleines Bier kostet rund 2,80 Euro. Die Preise für Übernachtungen hängen von der Hotelkategorie und dem Zeitpunkt des Aufenthalts ab.
ABSEITS DER PISTE: Im Gletschergebiet Hintertux liegt der Natur Eis Palast, eine begehbare Gletscherspalte. Romantisch im Eis übernachtet man im Igludorf „White Lounge“ auf dem Ahorn.
MEHR INFOS: Zillertal Tourismus mehr Infos unter www.zillertal.at


© dpa/MayrhofenTrotz jeder Menge Après-Ski finden Urlauber in Mayrhofen noch Orte der Stille.
© dpa/MayrhofenDie "Harakiri" ist mit 78 Prozent Gefälle die steilste Piste Österreichs und lässt selbst die Knie routinierter Wintersportler weich werden.
© dpaIn der White Lounge in Mayrhofen wird Après-Ski auf noble Art gefeiert.














