Auf der Schiene ins Tiroler Familienskigebiet – ein Selbstversuch

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    • 31.01.13
    • Tirol
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Hochzeiger im Pitztal

Aus der Bahn auf die Piste

Mit Kind und Kegel per Bahn in den Winterurlaub? Vom Münchner Hauptbahnhof zum Hochzeiger im Pitztal – tz-Lokalchef Stefan Dorner (38) hat mit Töchterchen Leni (fast 5) den Test gemacht...

© Kurzendörfer, Dorner, TVB

Ideales Familienskigebiet: Stefan Dorner und Leni (re.) waren unsere Testfahrer am Hochzeiger im Tiroler Pitztal.

...zurück kamen: ein entspannter Papa ohne Stau-Stress und eine stolze kleine Rennfahrerin mit Pitzi-Goldmedaille.

Wenn Sie vom Hauptbahnhof starten, Sie steigen quasi in den Hauptbahnhof, dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München mit dem Pistenspaß. So oder ähnlich hätte es Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber in Anlehnung an seine legendäre Transrapid-Rede formuliert. Nur, dass meine Tochter Leni und ich nicht zum Flughafen, sondern in entgegengesetzte Richtung fahren – in die Alpen zum Skifahren.

Donnerstag, 9.31 Uhr: Zurückbleiben bitte! Aber wir sitzen eh schon in unserem Abteil des Eurocity nach Innsbruck. Klar ist es bequemer, zwei große Reisetaschen und zwei Rucksäcke vor der Haustür in den PKW zu laden. Aber während auf der Autobahn der Stress erst beginnt, ist er an Gleis 13 schon vorbei. Kinderkartenspiele statt Karten auf dem Navigationsgerät beschäftigen uns für die nächsten zwei Stunden bis nach Innsbruck.

11.24 Uhr: Ankunft in der Tiroler Landeshauptstadt, imposanter Blick vom Bahnsteig auf die Bergisel-Schanze. Eine halbe Stunde Aufenthalt reichen locker, um den Regional-Express Richtung Ötz- und Pitztal zu erwischen. „Soviel Schnee!“, ruft Leni beim Anblick der weißen Berge. Unsere lustige Zugfahrt endet in Imst.

12.42 Uhr: Mit dem Taxi oder den für Urlauber gratis angebotenen Regiobussen geht es in 20 Minuten hinauf nach Jerzens zum Quartier kurz vor der Talstation des Hochzeiger-Skigebiets. Einchecken, Umgebung erkunden, plantschen im Außenpool mit Blick auf die Piste. Vorfreude auf das große Schnee-Abenteuer, in einem perfekt auf Familien abgestimmten Skigebiet auf einer Höhe von 1450 bis 2450 Metern. Wir haben es mit Kufen und Kanten getestet:

Die Pisten: Neun Bergbahnen und Lifte erschließen 54 Kilometer Piste. Die meisten davon sind von leichter bzw. mittlerer Kategorie, also blau oder rot markiert. Vier schwarze Pisten (10 Kilometer) sind den Könnern vorbehalten, allen voran der Zirbenfall mit einem Gefälle von bis zu wahnsinnigen 80 Prozent. Da wünschte sich der Papa auch lieber in den Skikurs zu Leni. „Wer einmal das große Warnschild passiert hat, für den gibt es kein Zurück mehr“, sagt Pitztal-Tourismuschef Gerhard Gstettner.

Die Preise: Familienfreundlich! Der Tagesskipass ist mit 38 Euro in der Haupt- und 33 Euro in der Nebensaison deutlich unter dem Schnitt in den Alpen. Und am Hochzeiger fahren alle Kinder in Begleitung von Mama oder Papa mit dem Bambini-Freipass bis zum Alter von zehn Jahren gratis.

Der Kinderclub: Im Hochzeiger-Skigebiet sind schon Babys gut aufgehoben. Es gibt einen Kindergarten an der Talstation für künftige Wintersportler ab 0 Jahren, der auch stundenweise gebucht werden kann. Im Bambini-Park nebenan können die Kleinen erste Erfahrungen auf den Brettern machen, oben an der Mittelstation gibt es im Kinder-Bergpark ein umzäuntes Gelände mit Zauberteppichen, Wärmeraum und Igluzelten. Hier lernen die Kleinen ab drei Jahren spielerisch das Skifahren. Nach vier Stunden hat Leni ihre erste Medaille bekommen – und in den Skilehrerinnen Stephi und Kathrin ihre Lieblinge gefunden. Perfekt am Bergpark: Er ist quasi der Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets. Sieht man den Nachwuchs beim Vorbeifahren mit Spaß an der Sache, ist die eigene Abfahrt gleich entspannter.

Die Ski-Fahrschule: Spielerisch die Skiregeln lernen – „das wollen wir auf unserem Pistenregeln-Weg vermitteln“, erklärt Bergbahnen-Vorstand Hansjörg Wohlfarter. Entlang der Zirben-Abfahrt (rot, Nr. 11) erklären Comicfiguren, wie ernst es werden kann, wenn man ohne Rücksicht über die Piste brettert.

Die Rodelbahn: Direkt an der Mittelstation auf 2000 Metern geht die Rodelbahn los. Sechs Kilometer geht es hinab nach Jerzens. An jedem Donnerstag ist die Gondelbahn von 19.30 bis 21 Uhr in Betrieb. Auf der perfekt ausgeleuchteten Strecke ist Nachtrodeln angesagt, eine Bergfahrt kostet 10 Euro (Kinder: 6 Euro). „Die Strahler sind sogar bis 1.30 Uhr an“, sagt Pitztal-Marketingexpertin Margret Winkler – für alle, die im Zeiger-Restaurant oder in der direkt an der Strecke liegenden Tanzalm eingekehrt sind. Fazit der Strecke: Bis auf eine kurze, steile Stelle einfach und auch mit kleinen Kindern auf dem Schoß locker zu machen.

Hoch hinaus mit Schneeschuhen: Jeden Montag geht es beim Einsteigerkurs eine Stunde lang durch die verschneite Hochzeiger-Region und durch den Zirbenwald (Erwachsene 15 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei, keine Leihgebühr). Wer’s sportlicher mag, der kann jeden Donnerstag in drei bis vier Stunden eine Gratüberschreitung vom Hochzeiger zum Sechszeiger mitmachen (36 Euro, Kinder bis 14 Jahre 19 Euro). Danach knurrt der Magen, doch auch dafür gibt es am Hochzeiger erstklassige Abhilfe ...

Hüttengaudi & Einkehrschwung: Optimal gelegen am Ausstieg der Gondelbahn liegt das Zeiger-Restaurant. Wunderbarer Blick auf den Gipfel vom verglasten Wintergarten aus. Große Auswahl an Speisen und Getränken im Selbstbedienungsrestaurant. Einladend und lohnend ist auch die Einkehr in der Tanzalm an der Niederjöchl-Abfahrt und an der Rodelbahn. Noch uriger geht es in der Stalderhütte an der Panorama-Abfahrt zu. Die Kasspatzn gelten als die besten im Pitzal. „Mmmm, lecker“, meint auch Leni am letzten Abend. Leider geht unser Pitztal-Ausflug langsam zu Ende.

Sonntag, 10.30 Uhr: Nach einem gemütlichen Frühstück geht es zurück nach Imst. Oben auf den Gipfeln glitzert der Neuschnee wie Puderzucker. Leni zieht die Skihose an. „Wieder auf die Piste!“ Und auch der Papa denkt an den Skifoan-Hit von Wolfgang Ambros: „Bleib am Montag a no do!“ Hilft alles nichts, runter ins Tal mit dem Bus.

11.11 Uhr: Regional-Express nach Innsbruck.

11.55 Uhr: Ankunft am Innsbrucker Hauptbahnhof. Topmodern, übersichtlich, futuristisch, fast wie ein Terminal eines Mini-Flughafens: Da sieht München so alt dagegen aus wie die deutschen Skispringer gegen den Tiroler Landeshelden Gregor Schlierenzauer bei der Vierschanzentournee.

12.36 Uhr: Der Eurocity aus Italien fährt ein. Freie Plätze sind rar. Deswegen unbedingt für die Hin- und Rückfahrt Sitzplätze reservieren! Über Kufstein und Rosenheim geht es zurück nach Bayern.

14.25 Uhr: Ankunft in München. „Sind wir schon da?“, fragt Leni. Und der Papa ist auch verwirrt, weil er von den Autofahrten ein nervtötendes „Wie lange dauert es noch?“ gewohnt ist.

Fazit: Es geht zwar nicht in Transrapid-Tempo mit dem Zug. Aber es ist tatsächlich ein bisschen so, als würde man, ähm, am Hauptbahnhof in die Gondelbahn einsteigen.

DIE REISE-INFOS ZUM HOCHZEIGER IM PITZTAL

REISEZIEL Das Familienskigebiet Hochzeiger liegt im Herzen des Tiroler Pitztals, einem 40 Kilometer langen, südlichen Seitental des Inntals, das bei Imst abzweigt und die Gemeinden Arzl, Wenns, Jerzens und St. Leonhard umfasst. Urkundlich erwähnt wurde die Region erstmals im Jahr 1265. Heute nächtigen dort in 8200 Gästebetten 1,2 Millionen Urlauber pro Jahr.

ANREISE Das Europa-Spezial-Ticket der Deutschen Bahn kostet von Deutschland über Innsbruck bis nach Imst 39 Euro in der 2. Klasse und 69 Euro in der ersten Klasse. Kinder und Enkel fahren bis 15 Jahre gratis mit. Mit dem Regiobus kommen Urlauber gratis vom Bahnhof in ihr Quartier.
Weitere Infos unter www.bahn.de/oesterreich. Mit dem Auto sind es von München über die Fernpass-Bundesstraße 150 Kilometer und über die Inntal-Autobahn 220 Kilometer; rund zweieinhalb bis drei Stunden Fahrzeit. Mit der Bahn braucht man dreieinhalb Stunden einschließlich Taxi oder Bus ins Pitztal.

WINTERSAISON Saisoneröffnung am Pitztaler Gletscher ist Ende November, letzter Betriebstag 2013 ist der 14. April. Die neun Liftanlagen sind täglich von 8.45 bis 16 Uhr in Betrieb (Gondelbahn für die Talfahrt bis 16.30 Uhr).

HOTEL Das Natur & Spa Hotel Panorama ist ein Vier-Sterne-Haus in Jerzens, das zu 100 Prozent auf Bio-Produkte setzt. Qualität, die man schmeckt – vom Wabenhonig zum Frühstück bis zum Käsebuffet am Ende des Vier-Gänge-Abendmenüs. Die Halbpension (inkl. Nachmittags-Vitaljause) kostet in der Wintersaison ab 93 Euro pro Person und Tag (Kinder bis 2 Jahre gratis, 2-8 Jahre 33 Euro, 8-12 Jahre 50 Prozent Ermäßigung, 12-16 Jahre 30 Prozent). Zu Fuß sind es fünf Minuten zur Talstation, der Skibus hält direkt vor der Haustür. Mehr Infos: www.panorama-jerzens.com.

SKISCHULE /VERLEIH Die Schneesportschule Hochzeiger bietet Kurse für alle Altersklassen und Könnerstufen. Das Skischulbüro liegt direkt an der Talstation. Infos und Preise unter www.schneesport.at. Wichtig für Bahnfahrer: Unter www.skiverleih-pitztal.at kann schon von zu Hause aus moderne Ausrüstung geliehen werden.

SPEZIALTIPP Am Freitag, 12. April, findet in dem im Dezember neu eröffneten Café am Pitztaler Gletscher (3440 m) Österreichs höchste Weinverkostung statt. Aprés Ski mal auf die andere Art bei der Präsentation der „Pitztaler Firnweine 2013“.

WEITERE INFOS auf der Internetseite des Skigebiets www.hochzeiger.com und beim Tourismusverband www.pitztal.com.

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