...Aber das Hochtal zwischen Allgäu und Vorarlberg bietet auch Freeridern eine Menge, wie unser Autor Ingo Wilhelm sprichwörtlich erfahren hat.
Hirschegg, frühmorgens
Die Aufgabe klingt schwierig. Frank Drechsler (39) von der örtlichen Skischule soll ein knappes Dutzend Tiefschneefans von den Freeride-Qualitäten seiner heimischen, weitgehend bewaldeten Berge überzeugen. Ein Großteil der Gruppe ist weit herumgekommen, kennt den Arlberg, kennt Aspen. Frank scheint davon unbeeindruckt. Vielmehr strahlt sein spitzbübisches Grinsen eine siegessichere Gelassenheit aus.
Klack, klack, klack – die Skistiefel stecken in den Bindungen. Flup, flup, flup – die ultrabreiten Freeride- Latten schlurfen zum ersten Lift. Oben angekommen: pieps, pieps, pieps – alle Verschütteten-Suchgeräte funktionieren. Obwohl es auch in den Allgäuer Alpen noch nicht besonders viel geschneit hat, herrscht an diesem Tag Lawinenwarnstufe drei. Vorsorglich kündigt Frank an: „Mir fahren heut’ großteils südseitige und nicht zu steile Hänge.“
Mit den Bergbahnen des Kleinwalsertals lassen sich zig unpräparierte Abfahrten erreichen. Viele davon führen durch Waldschneisen. Schilder mit der Aufschrift „Respek- Tiere deine Grenzen“ halten die Pulveristen aus Wildschutzgebieten heraus. Wer auch mal die Felle aufzieht, erreicht aus eigener Kraft weitere Traumhänge. Aus gutem Grund gilt das Kleinwalsertal als Paradies für Skibergsteiger. Der letzte Run des Tages führt auf der Rückseite des Walmendingerhorns an den Fuß des Hohen Ifen.
Die besten Ski für jeden Fahrertyp
Wo immer man im Kleinwalsertal auch rauskommt: Nach wenigen Minuten hält der nächste Ortsbus und bringt einen zurück zu einer Liftstation. Sehr amüsant: die staunenden Blicke vor allem holländischer Bus- Fahrgäste, die unsere fetten Ski wohl für zwei Snowboards halten. Eigentlich hat Frank schon am ersten Tag alle überzeugt. Doch am nächsten Morgen setzt er noch eins drauf: eine Variantenabfahrt von der Kanzelwand. Teils stapfend, teils in Schussfahrt überqueren wir einen schmalen Grat. An dessen Ende steuert Frank eine sanfter geneigte Rinne an, durch die wir mit scharfen Turns in ein einsames Tälchen rauschen. Kurz darauf schießen wir über einen Forstweg auf den abschließenden Traumhang. „Ab durch’s Gehackte!“, ruft einer und meint: durch den leider schon verspurten Schnee. Unten ist die Freude dennoch riesig. Und Frank grinst siegessicher.
Ingo Wilhelm
KLEINWALSERTAL – DIE INFOS
REISEZIEL Das Kleinwalsertal in den Allgäuer Alpen gehört zu Österreich (Vorarlberg). Weil schon die Talorte zwischen 1000 und 1200 Meter liegen, gilt die Region als sehr schneesicher.
ANREISE Mit dem Auto von München über die A 96 und B 12 bis Kempten, von dort auf der B 19 über Oberstdorf ins Kleinwalsertal. Entfernung von München rund 175 Kilometer.
SKIGEBIET Die Skigebiete des Kleinwalsertals sind mit denen von Oberstdorf verbunden, was 120 Pistenkilometer ergibt, für die ein gemeinsamer Skipass gilt.
TIPP ZUM ÜBERNACHTEN Das traditionsreiche Ifen Hotel gehört zur Travel-Charme-Kette und schmückt sich mit fünf Sternen. Hinzugekommen ist unter anderem ein völlig neuer Spa-Bereich. Schon kurz nach der Neueröffnung setzte Gault Millau der Küche im Hotel Ifen zwei Hauben auf.
Ifen Hotel
Oberseitestraße 6
A-6992 Hirschegg
Telefon: 00 43/55 17/60 80
www.travelcharme.com/ifenhotel
AUSKUNFT Kleinwalsertal Tourismus, Im Walserhaus, A-6992/D-87568 Hirschegg; Tel. 00 43/55 17/511 40; www.kleinwalsertal.com


























