An der Seilbahnstation warten Kettenfahrzeuge auf die Ankömmlinge. So sehen die Taxis aus auf der autofreien Riederalp (1925 Meter) am Fuße des längsten Alpengletschers, des Aletsch, im Schweizer Kanton Wallis. Unter dem Vordach der Station wartet am späten Mittag aber auch Edelbert Kummer mit Schneeschuhen und Stöcken, bereit für die Expedition.
Die Schneepracht ist nicht nur unberührt, sie ist überwältigend, gleichmäßig durchzogen mit sanften Erhebungen wie Marshmallows. Unterm Schneeschuh knirscht es satt bei jedem Schritt. Bergab kommt aber ein Wanderer nach dem anderen ins Rutschen und purzelt den Hang herab. Der 73-Jährige zeigt, wie es besser geht: vorangestreckt mit einem Knie gleiten oder erst Stufen bauen mit der Hacke.
Es geht vorbei am Hohlen Walliser, einer verbrannten Arve, die den Zigaretten-Tod gestorben ist und nun Wanderer mahnt, keine Kippen wegzuwerfen. Sogar Pinocchio steht dort in Baumgestalt mit einer langen Astnase. Und eine andere Arve hat ihre Wurzeln zehn Meter durch den Fels getrieben. „Diese Bäume sind wirklich Überlebenskünstler“, staunt Ed.
Mächtig - der massive Eisstrom mit seinen Falten und Furchen
Die Wanderung geht weiter auf der Seitenmoräne des Gletschers, einem 11 000 Jahre alten Felswall. Ein Plateau bietet freie Sicht ins Rhonetal aufs pyramidale Weisshorn und auf das markante Matterhorn. Wer sich dreht, blickt über den Gletscher hinweg zu den Drei- und Viertausendern der Berner Alpen am anderen Ende des Eises. Vor allem sticht der massive Eisstrom mit seinen Falten und Furchen ins Auge.
Beim Abstieg zurück zur Riederalp dämmert es. Am Wegesrand liegen alte Walliser Chalets aus Holz, lebkuchenbraun mit dickem Zuckerguss aus Schnee auf dem Dach. Das älteste datiert von 1606, heißt Nagulschbalmu und ist heute ein Alpmuseum. Nach den Anstrengungen gibt es aber nur noch ein Ziel: Käsefondue oder Raclette.
Von Dirk Averesch, dpa
MEHR INFOS ZUM ALETSCH-GLETSCHER
Mehr Infos zum Aletschgletscher im Schweizer Kanton Wallis gibt's im Internet unter www.aletscharena.ch


© dpa/ Dirk AvereschVorbei an alten Arven (Pinus cembra): Ed (l) führt seine Gruppe sicher durchs Naturschutzgebiet.
© dpa/ Dirk AvereschUnterwegs auf der Seitenmoräne: Diesen Grat hat der Gletscher vor mehr als zehntausend Jahren aufgeschüttet.
© dpa/swiss image.chGrandiose Sicht und Pulverschnee: Die Hänge über dem Aletsch-Eismeer sind ein Revier für Schneeschuhwanderer und mutige Freeskier.
© dpa/ Dirk AvereschEin Restaurant wie ein Raumschiff - die Bergstation Bettmerhorn. Die ausrangierte Seilbahngondel daneben dient als Bar über den Wolken.
© dpa/ Dirk AvereschIn der Sonne und über den Wolken: Die breiten Pisten der Aletsch Arena laden zum Abfahren ein.














