Karwendel: Besuch bei den Königen

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    • 01.10.12
    • Spritztouren
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Bergtour im Karwendel

Besuch bei den Königen

Die Falkengruppe gehört zu den wildesten und für den normalen Bergtouristen unerschlossensten Gegenden des Karwendelgebirges.

© Becker

Das ist der Gipfel: Vom 2347 Meter hohen Steinfalk schaut man weit ins Karwendel und tief hinunter zum Kleinen Ahornboden und dem Hochalmsattel.

Ins Blausteig- und ins Falkenkar zieht es im Winter nur die Hartgesottenen unter den Skitourengehern, und im Sommer ist es an Toten- und Turmfalk sowie an den beiden Eckpfeilern, Risser und Laliderer Falk, ähnlich ruhig: zu steil, zu schroff, zu abweisend – nein, dorthin wagen sich nur wenige. Eine Ausnahme gibt es aber: den Steinfalk, mit 2347 Metern Höhe der dritthöchste Gipfel der Falkengruppe. Und der einzige, auf den ein markierter Steig führt.

Permanent schönen Aussicht

Was nicht heißt, dass die Tour dort hinauf ein Spaziergang wäre. Aber der Steinfalk ist – im Gegensatz zu den nördlichen Nachbarn – für den ambitionierten, trittsicheren und konditionsstarken Bergsteiger ein halbwegs kalkulierbarer Berg. Damit gemeint ist: Hier braucht man weder Steinschlaghelm noch Kletterausrüstung; hier erleichtern farbige Markierungen die Orientierung; hier gibt es die Falkenhütte als Zwischenstation, zu der man jederzeit, sollte es jemandem zu heikel werden, umkehren kann. In diesem Fall bliebe der Mahnkopf (2094 Meter), ein harmloser Wandergipfel, als immer noch lohnendes Ersatzziel.

Überhaupt, allein der Besuch der Falkenhütte ist schon eine Tour an sich wert. Mountainbiker schätzen die wunderschöne Anfahrt durchs Johannestal. Die Schluchtstrecke gleich zu Beginn ist nach mehreren Unfällen für Radfahrer zwar offiziell gesperrt, aber letztlich geht es um wenige Meter, an denen der Weg sich zu einem Pfad verengt. Wer hier nicht aufpasst, stürzt ab – wer sein Rad schiebt, hat kein Problem. Das Radeln entlang des Johannesbachs: ein Genuss!

Wegen der permanent schönen Aussicht, die im kleinen Ahornboden, beim Hermann-von-Barth-Denkmal, einfach grandios ist. Vor allem aber ist die Radlstrecke von hier aus viel schöner als die offiziell ausgeschilderte Mountainbikeroute, die schon vorher abzweigt. Am Denkmal 100 Meter nach Osten, dann rechts abzweigen, kurz durch ein Bachbett schieben – es folgt eine traumhafte Auffahrt zur Ladizalm. Danach wird es etwas steiler, mei – die Falkenhütte ist immerhin in Sichtweite. Ebenso wie bei der reinen Zu-Fuß-Variante aus der Eng: Ab dem Hohljoch sind Hütte sowie der Steinfalk in Sicht.

Zuvor die Querung der Laliderer Wände: eindrucksvoll. Aber Vorsicht, Tourenplanung und Zeitmanagement sind angesagt: An der Falkenhütte ist erst Halbzeit – allein, was den Aufstieg betrifft. Vor allem wird es nun, sobald der Mahnkopf umgangen ist, vom Gelände her schwieriger. Bröseliger Fels und leichte Kletterei sind nun kein Gelände für jedermann. Richtig schwierig wird es für einen guten Bergsteiger aber nie, und der Lohn – neben einer Gipfel-Rundumschau vom Herzen des Karwendels aus – können in Gipfelnähe tierische Erlebnisse sein: Dort hat sich eine Kolonie Steinböcke angesiedelt, die gar nicht menschenscheu ist.

Bis auf etwa 20 Meter lassen einen die „Könige der Berge“, wie die Steinböcke wegen ihrer imposanten Hörner genannt werden, heran. Eine nicht alltägliche Begegnung an einem nicht alltäglichen Gipfel.

Martin Becker

STEINFALK (2347 Meter)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Bad Tölz und Lenggries zum Sylvensteinstausee. Dort abbiegen Richtung Vorderriss. Weiter nach Hinterriss zur Mautstelle (Pkw-Tagesgebühr 3,50 Euro). Auf der Mautstraße je nach Art der Tour entweder ca. 1,3 Kilometer bis zum Parkplatz P 4 (Bike & Hike durchs Johannestal) oder bis zum Großparkplatz am Alpengasthof Eng (reine Wanderung via Hohljoch).

TOUR – Der Weg auf den Steinfalk führt über die Falkenhütte – dorthin kann man zu Fuß oder mit dem Mountainbike gelangen.

a) Mountainbikeauffahrt zur Falkenhütte: Durchs Johannestal auf der Schluchtstrecke (offiziell für Radfahrer gesperrt; im Zweifel an schwierigen Stellen schieben oder die ausgeschilderte Route mit 30 Minuten Umweg nehmen) bis zum kleinen Ahornboden und weiter über die Ladizalm zur Falkenhütte (2 Stunden).

b) Wanderung: Vom Alpengasthof Eng hinauf zum Hohljoch und – mit etwas Höhenverlust die Laliderer Wände querend – hinüber zum Spielissjoch und zur Falkenhütte (2,5 Stunden). Aufstieg ab Falkenhütte (rund 2 Stunden): Von der Hütte in nördlicher Richtung auf den Mahnkopf zu, der links umgangen oder aber als Zusatzgipfel „mitgenommen“ wird (dann kommt man am sogenannten Falkenstand vorbei). In der Senke hinter dem Mahnkopf eine steile Wiesenflanke nordöstwärts hinauf, bis felsiges Gelände beginnt. Der Steig ist nun teils schmal und exponiert. Der erste Felsaufschwung des Südgrats wird links umgangen – die deutlich markierte Route führt rund 50 Höhenmeter in bröseligem Fels und Geröll links hinab in die Westflanke. Nach der Querung eines breiten Grabens wieder nach rechts in leichter Kletterei (erster Schwierigkeitsgrad) hinauf zur Schulter östlich des Gipfels und zu diesem links hinauf in unschwieriger Kraxelei. Abstieg: Auf der Anstiegsroute (mit Bikebenutzung 3 Stunden, ausschließlich zu Fuß 4 Stunden).

EINKEHR – Falkenhütte (1848 m) des Deutschen Alpenvereins, bewirtschaftet von Mitte Juni bis Mitte Oktober. Tel.: 0043/5245/245; www.falkenhuette.at; neuerdings ist die Hütte Akkuwechselstation für E-Bikes.

KARTE – Kompass-Wanderkarte 26 (Karwendelgebirge) oder DAV-Karte 5/2 (Karwendelgebirge, 1:25.000).

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