Einsame Bergtour im nördlichen Karwendel

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    • 26.09.11
    • Spritztouren
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Zwei ungleiche Brüder

„37, 38, 39 ... passt!“ Es ist gar nicht so einfach, 39 lebhafte Jungviecher in Schach zu halten auf dem welligen Grasrücken zwischen Hochalplkopf und Rappenspitze.

© NEUMAYR

Lauschige Rastplätze findet der Wanderer auf dem Wiesensattel zwischen Hochalplkopf (1770 Meter) und der 1835 Meter hohen Rappenspitze.

 „Mitte September müssen die Stierl und Kühe wieder runter ins Rißtal“, erzählt der Almhirt und schaut Richtung Rohntalboden, wo die steilen Wiesenhänge in flache grüne Matten verlaufen. Von Hinterriß aus wandert man etwa eine Stunde auf einer Forststraße durchs waldige Rohntal, bis man den Rohntalboden erreicht. Besonders stimmungsvoll ist hier der frühe Morgen, wenn Nebelschwaden über die feuchten Wiesen wabern und dahinter scharfkantige Grate im hellen Licht erstrahlen.

Die Östliche Karwendelspitze (2537 m) als höchster Gipfel der Nördlichen Karwendelderkette beeindruckt mit ihren dräuenden Überhängen und zerfurchten Riesenmauern. Daneben glänzen in der Morgensonne die mauerglatten Kalkwände der mächtigen Vogelkarspitze (2522 m). Der weitflächige Talboden mit den Almhütten und stattlichen Ahornbäumen ähnelt ein wenig dem bekannten Großen Ahornboden.

Bald wird der Herbst hier wieder ein Feuerwerk aus goldgelben Blättern entfachen. Der Hauptstrom der Wanderer pilgert nun hinter den Rohntalalmen gen Süden und hinauf zur Torscharte, wo eine imposante Rundwanderung verläuft. Unser Tagesziel zeigt sich im Westen: Links Karwendelder kühne Felszacken Rappenspitze und rechts im grünen Kraushaar der brave Hinteralplkopf. Verbunden sind die beiden ungleichen Brüder durch einen Wiesensattel und einen grasigen Rücken.

Herrliche Aussicht und glückliche Kühe

Eine erste kleine Bewährungsprobe während des Aufstieges kann das Balancieren über die wackeligen Steine eines Bachbettes sein. Anschließend fordert eine niedrige Holzstufe, die über ein Weidegatter mit Stacheldraht führt, eine gewisse Beweglichkeit. Doch mehr sportliche Anforderungen sind dann zunächst nicht mehr zu erwarten. In angenehmer Steigung führt der Weg in Serpentinen zunächst einen sonnigen Hang hinauf, bevor er durch dichte Latschenwälder verläuft. Später erreicht man einen luftigen Wiesensattel. In seichten Mulden oder hinter Latschen finden sich hier ideale Pausenplätze mit Sicht ins Karwendelvorgebirge.

Nun wird’s Zeit, sich zu entscheiden, welchem der beiden Gipfel man aufs Haupt steigen will. Grimmig blickt die Nordwand der Rappenspitze. Und der Schein trügt nicht. Nur wer wirklich schwindelfrei und trittsicher ist, geht den Latschenweg hinüber zum Gipfelaufschwung. Von dort aus klettern Bergsteiger mit viel Erfahrung im bröseligen, ausgesetzten Karwendelfels das kurze knackige Stück bis zum Gipfelkreuz hinauf. Recht gemütlich gestaltet sich hingegen der Endspurt zum Hochalplkopf. Auf dem welligen Grasrücken gibt es zwar keinen Wegweiser und man folgt nur spärlichen Trittspuren, dennoch ist die Richtung klar ersichtlich. Der ruhige Wiesenmuggel bietet eine herrliche Aussicht. Nur manchmal teilt man ihn mit ein paar glücklichen Kühen.

von Doris Neumayr

HOCHALPLKOPF / RAPPENSPITZE

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über B13 nach Bad Tölz und weiter zum Sylvensteinsee. Weiterfahrt über Fall Richtung Hinterriß. Vor dem Ortsschild Hinterriß links auf den gebührenfreien Parkplatz am Rißbach (Ausgangshöhe 928 m).

Bus: Bergsteigerbus-Informationen unter www.alpenvereinmuenchen- oberland.de

TOUR – Charakter/Schwierigkeit: Beide Routen verlaufen anfangs auf einer Forststraße. Später über einen schmalen leichten Bergweg auf einen Wiesensattel (1700 m) hinauf. Der Weiterweg zum Hochalplkopf verläuft über Trittspuren ohne Schwierigkeiten zum grasigen Gipfel.

Die Rappenspitze hat einen schwierigen Gipfelaufbau und erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie Erfahrung in alpiner Kletterei, UIAA I bis II. (Rappen( klamm)spitze, Ro(h)ntal: beide Schreibweisen anzutreffen)

Tourendaten: 850 bzw. 900 Höhenmeter, Gehzeit: Aufstieg ca. 3,5 Stunden, Abstieg ca. 2 – 2,5 Stunden, Länge: Hin und zurück: 12,5 km

© Kompass-Karte 182Ausschnitt: Kompass-Karte 182, Isarwinkel. Lizenz-Nr. 17-0906-LVB.

Tourverlauf: Vom Parkplatz kurz auf der Straße in den Ort Hinterriß. Direkt vor dem Infozentrum „Alpenpark Karwendel“ ist ein Wegweiser. Hier rechts Richtung „Rohntal“. Auf steinigem Wanderweg bergan. Man überquert einen Ziehweg, folgt dem Wanderweg und mündet in eine breite Forststraße. Auf dieser rechts im Wald aufwärts, immer den Ausschilderungen „Rohntal“ folgen. Man erreicht die Wiesen (Rohntalboden) bei der Rohntalalm (1262 m). Kurz vor den Almhütten geht’s rechts über ein Bachbett Ww. „Rappenklammspitze“. Der Weg zieht am Waldrand entlang an einer Hütte vorbei. Dann in Serpentinen einen mit einzelnen Baumgruppen und Latschen bestandenen Hang empor auf einen Wiesensattel (1700 m). Hier entweder rechts (nordostwärts) über freien Rücken zum grasigen Gipfel Hochalplkopf oder am Wiesensattel nach links (südwestwärts) zur felsigen Rappenspitze. Zunächst unterhalb vom Latschenkamm entlang. Dann auf den Kamm hinauf zum Gipfelaufbau und in teils brüchigem Fels zum Gipfelkreuz. Einkehr: Rohntalalm (1262 m) Getränke, evtl. kleine Brotzeit, bewirtschaftet bis Ende September (witterungsabh.)

KARTE – Kompass-Karte 182, Isarwinkel.

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