Hochjoch und Soldatenköpfe: „Unbedeutende“ Gipfel bieten grandiose Schau

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    • 04.10.11
    • Spritztouren
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Königliches Intermezzo

Norwegen in den Alpen: Wer würde sich nicht begeistert zeigen vom fjordartig eingeschnittenen Plansee, der von dicht bewaldeten Bergen eingerahmt wird?

© Rauch

Schauen und staunen: Unten leuchtet der Plansee, im Hintergrund baut sich mächtig die Zugspitze auf. Der Traumblick von den Soldatenköpfen.

Das Massiv, das das türkis schimmernde Gewässer im Norden überragt, ist der Zwieselberg.

Laut Alpenvereinsführer trägt er einige „unbedeutende“ Gipfel. In der Tat sind Schellelesköpfe, Hochjoch und Soldatenköpfe von unten gesehen recht einförmige Latschenbuckel. Doch eine Überschreitung gehört zu den stillsten und aussichtsreichsten Touren der Region und endet mit einer luftigen Schifffahrt! Den Einstieg hinter den letzten Wohnwägen des Campingplatzes am Seespitz markiert nur eine rostige alte Stange. Dann geht es rund 800 Meter höher, vorbei am wild eingeschnittenen „Hölltal“. Dieser schuttreiche, steile Felsgraben zeugt vom Baumaterial unseres Tagesziels: dem Hauptdolomit. Unter den Schellelesköpfen, die als Gipfel im Kamm kaum erkennbar sind, wendet sich der Steig dem höchsten Punkt zu.

Auch Bayerns Märchenkönig hat sich in den Plansee verliebt

Doch am Hochjoch zeigt sich das kleine „Problem“ unserer Tour. So herrlich der Blick in alle Richtungen schweift, auf die Allgäuer und Tannheimer Berge im Westen, auf den Säuling, Urisee und die Ammergauer im Norden und bis zur mächtigen Zugspitze im Süden – die meisten Wanderer wünschen sich den perfekten Tiefblick auf den Plansee. Hat er schon im Anstieg verführerisch zwischen Bäumen und Latschen herausgespitzt, so sollte man vom höchsten Punkt der Tour den idealen Blick haben. Doch leider sind auch oben am Hochjoch die Latschen so kräftig, dass nur ein kleiner Teil des Sees in der Tiefe zu sehen ist. Doch wie so oft im Leben, ist das Höchste nicht immer das Beste.

Später nämlich in der Mulde zwischen den beiden Soldatenköpfen führt eine grasige Spur rechts hinauf zum Kamm. Dort weichen die Latschen plötzlich zurück und der ganze, rund sechs Kilometer lange See breitet sich 700 Meter tiefer zu unseren Füßen aus. Steil und felsig wächst gegenüber die Danielkette in die Höhe. Ein tolles Bild!

© RauchAuf der Bootsfahrt schön zu sehen: der Kamm des Zwieselberg.

Kein Wunder, dass sich auch Bayerns Märchenkönig in den Plansee verliebte und gerne ein Sommerschloss an seinen Ufern geschaffen hätte. Vorbild für dieses Schloss sollte die Residenz der chinesischen Kaiser in Peking sein. Kurz vor Ludwigs II. Tod 1886 soll es zu Verhandlungen mit dem Tiroler Seeeigentümer Singer gekommen sein, doch der soll abgewunken haben: „Ums Göld war mai it und wanscht a Viertel Million gabst, is er mit nit feil“, sagte Singer angeblich und schlug dem König vor, den See doch einfach als Gast zu besuchen, „so lang d’mogscht und so oft di’s g’freit...“

Nach der wohlverdienten Aussicht führt der Weg zunächst in vielen steilen Kehren hinab zum Altenberg- Forstweg. Der schont unsere Knie auf dem Rückweg zum Plansee-Nordufer, wo uns ein Denkmal für Ludwigs Vater Max II. empfängt. Der hatte 1852 die Straße am See entlang erbauen lassen, die Reutte mit Linderhof und Ettal verbindet. 20 Jahre später dankten es die Tiroler Gemeinden mit dem mächtigen Obelisken, der oben den bayerischen Löwen trägt.

Für die Rückkehr bietet sich am Ende ein besonderes Vergnügen an: MS Margarethe und MS Wilhelm fahren nahezu im Stundentakt zum Seespitz zurück. Vom luftigen Oberdeck aus lässt sich perfekt die Kammwanderung verfolgen: statt aus der Vogel- nun aus Auf der Bootsfahrt schön zu sehen: der Kamm des Zwieselberg der Froschperspektive.

CHRISTIAN RAUCH

HOCHJOCH / SOLDATENKÖPFE

ANFAHRT – A 95 München – GAP. Entweder Ausfahrt Murnau, Bad Kohlgrub, Unter-/Oberammergau. Oder Autobahnende, B 2 bis Oberau. Über Linderhof zum Plansee. 4 km nach Hotel Forelle rechts Hotel Seespitze mit Parkplatz.

TOUR – Gehzeit: 4,5 bis 5 Stunden. Ohne Schifffahrt zusätzlich 1,5 Stunden Rückweg am See. Spärlich rot markierte, aber deutliche Bergwege. Streckenweise schmal und in steilem Gelände, daher Trittsicherheit wichtig. Verlauf: Vom Parkplatz am Hotel Seespitze dem gelben Schild folgend über Stufen hinauf zum Campingplatz. Auf dem Teerweg rechts hinauf. An seinem Ende beginnt an einer Markierungsstange der Steig. Er führt bis nahe vor den Kamm der Schellelesköpfe, bleibt aber rechts knapp unterhalb (nicht links hinaufsteigen!).

© RauchAuss.: Kompasskarte 4, Füssen, Außerfern. Lizenz: 17-0906- LVB.

An einem alten toten Baum unscheinbare Markierung nach rechts (der Pfad links zum Kamm ist durch Krummholz bewusst „abgeriegelt“). Weiter am Kamm entlang und aufwärts bis vor den Hochjoch- Gipfel. Links quert der Steig in die Nordflanke. An einer breiten grasigen Latschengasse ist wenig später ein Gipfelaufstieg möglich. Auf dem Steig weiter und links am ersten Soldatenkopf vorbei. (Auch hier ist aus der Nordflanke ein Gipfelabstecher durch Latschen möglich, einfacher ist es, vor der nächsten grasigen Mulde zwischen beiden Soldatenköpfen rechts zum Kamm mit tollem Tiefblick aufzusteigen!) Der Steig umgeht links abwärts den zweiten Soldatenkopf. In steilen Kehren abwärts zur Forststraße; rechts zum Hotel Forelle am Plansee. Rückfahrt per Schiff oder rechts der Straße auf erhöhtem Weg zum Hotel Seespitze.

INFO – Plansee-Schiffe bis Mitte Oktober meist stündlich vom Hotel Forelle zum Hotel Seespitze (Fahrplanänderung bei schlechtem Wetter); Info: www.fischeramsee.at

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen, Außerfern.

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Kommentare

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Rpichler19.10.2012, 19:46Antwort
(0)(0)

Danke für die info wollte morgen 20.10 201 machen. Hab schon von mehreren gehört viele latschen !!

Wanderfan14.08.2012, 13:32
(0)(0)

Wanderung im August 2012 gemacht. Nicht empfehlenswert! Weg in schlechtem Zustand (Latschen nicht ausgeholzt, Wegmarkierungen verblichen nicht vorhanden oder nicht zu finden usw.). Schöne Aussicht nur sehr selten. Da gibts viele schönere Touren. Die Schifffahrt war ok.

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