...der guten Autobahnan- und Zugverbindung näher liegt als gedacht. Und auch ein Besuch der kreisfreien Stadt lohnt: Allein schon wegen der Altstadtromantik samt Stadttoren. Memmingen ist voller Geschichte und Geschichten – und gerade jetzt interessant: Es gibt einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt und jede Menge Möglichkeiten, die Festeinkäufe zu erledigen. Aber zuerst darf es der Martin-Luther-Platz sein. Man stelle sich das vor: Die Antoniter waren ein Spitalorden, mit Mutterkloster in Südfrankreich, und sie kümmerten sich um eine der schlimmsten Krankheiten des Mittelalters: Heute heißt es Ergotismus, früher Antoniusfeuer oder Mutterkornbrand. Im Mittelalter wird die Erkrankung durch den Verzehr von mit Mutterkorn-Pilz befallenem Roggen verursacht, es kommt zu Halluzinationen, Durchblutungsstörungen, Finger und Zehen sterben ab. Die Antoniter unterhalten im 15. Jahrhundert in ganz Europa etwa 370 Spitäler, aber erst im 17. Jahrhundert entdeckt man, dass der Mutterkornpilz die armen Menschen vergiftet hat!
Ein Bach von reinstem Wasser
Einige Treppen tiefer liegt der Marktplatz mit dem Rathaus – 1589 errichtet, im 18. Jh. mit geschweiftem Giebel, feinem Stuck und den eleganten Türmen umgestaltet. Richtig italienisch fühlt man sich unter den Arkaden – mit Straßencafe und auch an schönen Wintertagen zum Draußensitzen – des Steuerhauses. Im 18. Jh. wird es um ein Stockwerk erhöht und es bekommt Anfang des 20. Jhs. mit dem Historismus eben auch opulente Malereien im Neurokoko-Gewand. Einige finden es kitschig, andere mediterran… Die Stadtinfo hat zwei interessante Spaziergänge durch die Stadt gelegt, die grüne Route zu Stadtmauer, Graben und Toren und die rote Route durch die Innenstadt. Ein Wahrzeichen ist die Memminger Ach, die schon zu Stadtgründungszeiten in die Stadt geleitet wurde. 1564 schreibt man: „Durch Memmingen fließt ein Bach von reinstem Brunnenwasser“. Das war hinter der Stadtmauer sicher anders, denn Gerber und Metzger kippten ihre Abfälle in den Kanal. Jedes Jahr durften Gesellen einer anderen Zunft den Bach – bevor er zur Unratbeseitigung abgelassen wurde – leer fischen. Daher stammt die Tradition das Fischerfests. Es ist genug geboten, diese Stadt zu durchschlendern, die auch durch ihre Patrizierfamilien zu Reichtum kam. Die Vöhlin aus Memmingen finanzieren schon Anfang des 16. Jhs. Handelsschiffe nach Portugal und Indien. Der Wohlstand ist bis heute sichtbar – und dazu liegt trotz Vorweihnachtszeit Entschleunigung über der Altstadt. Das dürfte 1630 auch Wallenstein gespürt haben, der mitten im Dreißigjährigen Krieg in die Stadt einzog und dort für einige Wochen Ruhe suchte. „Es hat Glück und Heyl gewest!“ Bis heute, wo man in der Bäckerei Standharinger Hildegard von Bingens Nervenkekse kaufen kann! Auch gut für die Nerven: Im Cafe Kunz im Antoniterhaus umsorgt die Familie ihre Gäste schon zwei Jahrzehnte – Memmingen ist nämlich auch die Stadt der Cafes, Gasthöfe und Weinstuben!
Nicola Förg
CHRISTKINDLESMARKT
CHRISTKINDLESMARKT ANFAHRT – Auto: Autobahn A 96 München – Lindau. Bis Memmingen Ost und weiter der Beschilderung zu den Parkplätzen in der Innenstadt. Bahn: Regelmäßige Verbindung ohne Umsteigen (EC/RE). Info: www.bahn.de
INFORMATIONEN – Stadtinformation, Marktplatz 3, 87700 Memmingen. Tel.: 0 83 31 / 850 172 u. –173; www.memmingen.de; Öffnungszeiten: Montags bis freitags 9 bis 17 Uhr, samstags 9.30 bis 12.30 Uhr. Dort gibt es Flyer mit den Stadtspaziergängen und Stadtführer. Am 12.12., 26.12. und 2.1. um 18 Uhr amüsante Stadtführung, Treffpunkt Marktplatz; 28.12. Gruselführung mit dem Nachtwächter, 20 Uhr, Marktplatz am Brunnen. Spezialstadtführungen ganzjährig buchbar!
CHRISTKINDLESMARKT – jeweils Fr., Sa., So. bis 19.12., 11 bis 20 Uhr, So. von 12 bis 20 Uhr.
WINTERAUSSTELLUNG – im Stadtmuseum Memmingen (Zangmeisterstraße 8, Eingang Hermansgasse, Tel.: 0 83 31 / 850 134): Mechanisches Spielzeug. Öffnungszeiten: Di. bis So. 10-13 und 14-17 Uhr.
MEHR INFO: Alles rund zum Thema Weihnachten finden Sie hier.


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