St. Clemens: Außergewöhnlicher Kirchenbau mit prachtvoller Ausstattung

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    • 27.12.11
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Quellwunder an der Loisach

Eschenlohe ist vielen nur als Ortsname am Ende der Garmischer Autobahn, speziell als Nadelöhr mit viel Rückstau, bekannt. Dabei lohnt sich ein Abstecher in den hübschen Ort am Fuß des Estergebirges...

© Höfler

Das Deckengemälde (oben) stammt vom Augsburger Maler Ignaz Paur und zeigt auf der oberen Ebene zentral die Verklärung des heiligen Clemens.

...schon allein wegen der Pfarrkirche St. Clemens, eine der schönsten Kirchen des Loisachtals. Die Loisach, von den Werdenfelsern liebevoll-kantig besungen, war bis zur Eröffnung der Eisenbahnlinie von Murnau nach Garmisch-Partenkirchen im Jahr 1889 eine wichtige Wasserstraße für den Transport per Floß. Zudem führte durch diese Gegend bereits in der Antike eine von den Römern angelegte Straße, die über den Brenner bis nach Augsburg reichte und die auch nach Ende des Römischen Reiches ihre Bedeutung behielt.

Der heilige Clemens, Patron der Seeleute

Im Mittelalter wird der Ort zunächst im Zusammenhang mit den Grafen von Eschenlohe erwähnt. 1225 verkaufte Bertold III. seinen Besitz an Freising – so entstand die Grafschaft Werdenfels. 1332 erwarb Ludwig der Bayer Stiftungsgüter für Kloster Ettal, zu dem Eschenlohe bis zur Säkularisation im Jahr 1803 gehörte.

Die katholische Pfarrkirche Sankt Clemens befindet sich in der Ortsmitte. Dass die Kirche dem heiligen Clemens (er wurde der Legende nach an einem Anker im Meer versenkt), dem Patron der Seeleute, Bergleute, Steinmetze und Marmorarbeiter geweiht wurde, ist relativ ungewöhnlich. Doch dafür gibt es mehrere Erklärungen: Kirchen an Römerstraßen wurden oft frühchristlichen Heiligen geweiht. Außerdem war die Loisach ja ein wichtiger Wassertransportweg. Die Geschichte des Kirchenbaus beginnt mit dem Bau der gotischen Vorgängerkirche. Auf den Turmfundamenten dieser Kirche wurde die heutige Kirche zwischen 1764 bis 1782 erbaut. Ein interessantes Detail dabei ist, dass der geplante Kirchenneubau viel größer war als sein Vorgängerbau.

Der Platz zwischen Maierhof und Wirtshaus hätte nicht ausgereicht. So musste die Kirche in Nord-Süd-Richtung gedreht werden, anstatt wie üblich in Ost-West-Richtung. Auch der Grundriss – ein quadratisches Kirchenschiff mit angeschnittenen Ecken, also ein Achteck – ist nicht ganz alltäglich. Da der Bauauftrag durch das Kloster Ettal vergeben wurde, beeinflusste man auch die Auswahl des Architekten und der Künstler. So kamen namhafte Künstler, die in Ettal arbeiteten, auch in Eschenlohe zum Einsatz und trugen maßgeblich zu der harmonischen und festlichen Ausgestaltung bei.

Bauarbeiten stocken immer wieder

In den folgenden Zeilen soll und kann nur auf die wichtigsten Kunstwerke in der Kirche hingewiesen werden. Die Baupläne wurden von Johann Michael Fischer, einem Meister der barocken Baukunst, entworfen und nach seinem Tod durch Franz Anton Kirchgrabner vollendet. Die Bauarbeiten stockten immer wieder und lassen sich in drei wesentliche Abschnitte einteilen.

1765 wurde der Chor errichtet und vom Tiroler Maler Johann Jakob Zeiller in Freskotechnik (Farbe wird auf den noch feuchten Putz aufgetragen) ausgemalt. Das Fresko zeigt das sogenannte Quellwunder. Unter Kaiser Trajan wurde Clemens auf die Halbinsel Krim zur Zwangsarbeit in einem Steinbruch verbannt. Durch sein Gebet entsprang eine Quelle, diese linderte den Wassermangel aller Gefangenen. Im Bild entspringt die Quelle direkt unter dem göttlichen Lamm und symbolisiert die Quelle des Lebens. Der Rokoko-Hochaltar wird dem Bildhauer Johann Baptist Straub zugeschrieben. Das Altargemälde von Johann Baptist Schmon versetzt das Martyrium des heiligen Clemens vor die Stadtkulisse von Hamburg. Der Grund dafür war eine großzügige Spende des Eschenloher Kaufmanns Johann Anton Eurl, der es in der Hansestadt zu Wohlstand gebracht hatte.

Die Ausgestaltung der Räume um die Deckengemälde herum erfolgte in den barocken Farben Hellgrün und Ocker sowie in Formen muschelförmiger Stuckornamente und gemalten Stuckornamenten.

Der hohe, weite Raum des Hauptschiffs wird von einer Flachkuppel überwölbt, die mit einem Deckengemälde vom Augsburger Maler Ignaz Paur geschmückt ist. Das Bild ist aus Untersicht gemalt und zeigt auf der oberen Ebene zentral die Verklärung des heiligen Clemens, auf dem unteren Ring vor antiker Kulisse fünf verschiedene Beispiele von Martyrien und die sieben Notare des Clemens. Als Papst von Rom setzte Clemens sieben Notare für die Bezirke von Rom ein, die die Martyrien der verfolgten Christen als Zeugen aufzeichnen sollten.

In den beiden abgeschrägten nördlichen Ecken des Hauptraumes befinden sich in den Kapellennischen Altäre. In der Gesamtansicht lenken diese den Blick direkt auf den Hauptaltar.

ST. CLEMENS, ESCHENLOHE

ANFAHRT – Mit der Bahn Bahn: Eschenlohe ist eine Station der Eisenbahnlinie von München nach Garmisch- Partenkirchen. Mit dem Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Ausfahrt Eschenlohe und unmissverständlich in den Ort. Parkplätze direkt bei der Pfarrkirche.

SPAZIERGANG – Von der Pfarrkirche zur Loisachbrücke. Nicht über sie, sondern rechts der Garmischer Straße nach bis zum Bahnübergang. Über ihn, und gleich beginnt ein guter Weg hinauf zum Kalvarienberg, der herzerfrischende Ausblicke bietet. Abstieg bei Schneelage am besten nur über den Aufstiegsweg. Die Gehzeit beträgt etwa 1 Stunde – hin und zurück.

INFORMATIONEN – Katholisches Pfarramt St. Clemens, Bahnhofstraße 3, 82438 Eschenlohe, Tel. 08824/1784. Die heilige Messe beginnt jeden Sonntag um 9 Uhr. Einmal im Monat wird am Sonntag die heilige Messe als Familiengottesdienst gefeiert, der dann um 10.15 Uhr beginnt. Am Dorfplatz, gleich neben der Kirche, befindet sich der Landgasthof Alter Wirt, Tel.: 0 88 24 / 91 05 28.

ANGELIKA WITT UND HORST HÖFLER

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