Atemberaubende Wanderung zur neuen Rotmoosalm

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    • 25.06.12
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Die große Schau

Ein gewaltiges Schneebrett begrub vor drei Jahren die traditionsreiche Rotmoosalm unter sich. Letzten Sommer eröffnete der Neubau und lädt auf der Südseite des Wettersteingebirges zu einer sonnigen Panoramatour.

© Rauch

Grandiose Aussichten: Auf dem Predigtstein schweift der Blick ins Gaistal und auf die markante Hochwand (2719 Meter).

Der Anstieg beginnt im „Almenparadies Gaistal“, das hinter den letzten Häusern der Tiroler Leutasch beginnt. Wo einst der Schriftsteller Ludwig Ganghofer mit seinen Künstlerfreunden auf die Pirsch im riesigen Jagdrevier ging, laden heute zahlreiche Almhütten zur Einkehr.

Bald hinter den Weidegründen der Hämmermoosalm geht’s bergwärts. Die Felskolosse von Hoher Munde und Hochwand im Rücken erreicht man den neu markierten Jagdsteig über das Schäferhüttl. Sturzbäche, Steilgrasflanken und Latschen begleiten einen auf dem spannenden, doch nirgends schwierigen Anstieg.

© RauchAuf einem sonnigen Logenplatz neu errichtet: die Rotmoosalm.

Nach den letzten steileren Metern ist der Schönberg erreicht, eine mehr als 2000 Meter hohe grasige Anhöhe, die der Wettersteinkamm wie eine Terrasse über das Gaistal vorschiebt. Hier hat die Agrargemeinschaft Leutasch die neue Rotmoosalm errichtet. Rund 100 Meter höher steht sie, aussichtsreicher und lawinensicherer als die von Schneemassen zerstörte Vorgängerhütte. Den schmucken Holzblockbau bewirten Gabi und Sigmund Neuner. Seit rund 20 Jahren kümmern sie sich im Juli und August auch um mehr als 200 Leutascher Rinder und Pferde, die auf der „Rotmoos“ ihre Hochweiden haben. Für selbstgemachte Butter und Graukäse ist also gesorgt. Mit ihrem großen Solarzellenausleger und einem „Hydraulischen Wetter“, der ohne Stromverbrauch Wasser von der alten Quelle heraufpumpt, ist die neue Rotmoosalm auch zu einem umweltfreundlichen Stützpunkt für Wanderer geworden.

Von der Terrasse schweift der Blick über die Mieminger Kette und im Osten bis Seefeld und ins Inntal, dahinter die Eisberge der Tuxer und Zillertaler Alpen. Im Westen grüßt der Hausberg der Hütte, der in Karten und Büchern wenig bekannte Predigtstein (auch Predigtstuhl). Wer eine noch umfassendere Aussicht genießen und ein wenig Fels unter Stiefeln und Händen spüren möchte, kann den Gipfel beim Abstieg „mitnehmen“.

Zunächst wandert man auf der Almstraße in die Senke, wo rund 50 Jahre der Steinbau der alten Rotmoosalm stand. Jenseits geht’s hinauf in den grasigen Sattel, der den Predigtstein vom mächtigen Hochwanner trennt. Von Felsriesen umgeben Dessen rötlich-graue Felsund Schuttmassen hat man beim finalen Gipfelanstieg durch steile Schrofen stets im Rücken. 2744 Meter misst der Hochwanner – von den Zugspitz- Nebenbergen abgesehen, ist er Deutschlands zweithöchster Berg. Unser Ziel misst „nur“ 2234 Meter, doch unterm stolzen Kreuz lässt sich gut rasten.

© Kompass-KarteAuss.: Kompass-Karte 5, Wetterstein. Lizenz: 17-0906-LVB.

Beeindruckend ist der Tiefblick auf die Almen des Gaistals und die ehemalige Ganghofer-Villa. Auch das Zugspitzplatt ragt im Westen ins Blickfeld. Ein weiteres Schaustück ist die gut 1000 Meter hohe Nordkante der Hochwand – man möchte kaum glauben, dass dieser Gipfel für sehr ausdauernde und etwas kletterfertige Wanderer von der Südseite einigermaßen „unschwierig“ ersteiglich ist. Im Abstieg benutzt man die Almstraße der Rotmoosalm, die man allerdings bald zugunsten eines Wanderwegs verlassen kann. Er führt nochmals vorbei an den Wiesen der Hämmermoosalm. Wie auf den anderen Weidegründen im Gaistal, so wurde auch hier schon vor vielen Jahrhunderten Almwirtschaft betrieben. Bis zum Ende des Mittelalters gehörte das Tal gar noch zur Grafschaft Werdenfels. Dass es heute längst Tirol ist, daran erinnert – trotz inzwischen unsichtbarer Grenzen – der kernige Leutascher Dialekt...

Christian Rauch

PREDIGTSTEIN (2234 M)

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. B 2 über GAP bis Mittenwald. Weiter ins Leutaschtal. Über den Ortsteil Platzl ins Gaistal und zum hintersten Parkplatz „Salzbach“.

TOUR – Gehzeit: 5 bis 5,5 Stunden, Höhenunterschied 1100 Meter (ohne Gipfel 4 bis 4,5 Std./ 800 Meter). Anstieg zur Hütte teils Forstweg, teils steilerer Bergsteig. Abstieg Forststraße und leichter Wanderweg. Gipfelanstieg Predigtstein am Ende einige steile Schrofen (ungesichert, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich). Auf der Forststraße taleinwärts Richtung Rotmoosalm, bald rechts in den Ganghoferweg. Rechts hinauf zur Hämmermoosalm, dahinter auf Forststraße Richtung Wangalm. Auf halber Höhe der Beschilderung zur Rotmoosalm folgen und links auf Fußweg abzweigen.

Über den rot-weiß-rot markierten Steig zur Hütte. Von der Hütte jenseits auf der Almstraße hinab, bis zu der Senke, wo die alte Rotmoosalm stand. Hier rechts auf einen Steig, der hinauf zum Sattel und von dort links markiert auf den Predigtstein führt. Zurück zur Almstraße, auf dieser hinab und später auf Wanderweg links abzweigen. Er führt rechts unterhalb der Hämmermoosalm vorbei und zurück zum Ganghoferweg. Den Beschilderungen folgend zurück zum Parkplatz Salzbach.

INFORMATIONEN – 1. Rotmoosalm; Tel.: 0043/ 664 / 422 6149; Internet: www.rotmoosalm.info
2. Hämmermoosalm; Telefon: 0043 / 676 / 33 37 000; Internet: www.haemmermoosalm.at

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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