Ein Berg, der Wanderer und Wissenschaftler magisch anzieht

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    • 26.03.12
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Wo die Römer siedelten

Peter Ernst lebt seit 1974 am Fuße des Auerbergs. Als Vorsitzender des Museumsvereins hat er mit Helfern rund 8000 ehrenamtliche Stunden Arbeit in das Auerbergmuseum im Kiebelehaus gesteckt.

© Förg

Im Gipfelbereich des Auerbergs hat man einen weiten Blick über die Alpenkette und staunt darüber, dass sich hier oben die älteste Siedlung der Römer in Bayern befand.

© FörgInfotafeln auf dem Römerweg

Ein titanischer Akt war das. Heute ist das Museum in Bernbeuren – mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet – perfekt als Einstieg auf das, was es draußen zu entdecken gibt: Einen Weg hinauf auf den magischen Berg und zwei Rundwege über den Auerberg, den die Kelten als Ort der Kraft verehrten. Viele Wege führen nach Rom, nur eine Via Damasia hinauf auf den Berg. Auf dem vier Kilometer langen Aufstieg geht’s um Tiere, Jagd, Forst und Geologie, zwei Stunden vergehen so wie im Fluge. Oben beeindrucken eine gewaltige Aussicht und ein schwer fassbarer Zauber: Es muss was dran sein, dass dieser Berg Menschen seit Jahrtausenden nicht mehr loslässt. Und da kommt Peter Ernst wieder ins Spiel. Er hat die Römerwege betextet und lässt die Welt vor 2000 Jahren durch die sympathische Großnase Crispus in herrlichen Sprechblasen auf Texttafeln am Wegesrand wiederauferstehen. „Faber est suae quisque fortunae – Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt Crispus zum Beispiel. Ursprünglich galten die bis zu drei Meter hohen und drei Kilometer langen Wallanlagen auf dem 1055 Meter hohen Auerberg als keltisch. 1901 begann der Heimatforscher Christian Frank mit Grabungen und konnte über 500 wertvolle Stücke entdecken – alle römisch, nicht keltisch! Die große Ausgrabungskampagne von Prof. Günter Ulbert von 1966 bis 1979 erbrachte wertvolle Funde sowie die Erkenntnis, dass die Römer auf dem Auerberg sogar Bronze zum Bau von Katapulten geschmolzen haben. Zum letzten Mal versuchte ein Team um Ulbert 2001 dem Berg weitere Geheimnisse zu entreißen. Wer lebte in dieser dörflichen Siedlung der Römer in Bayern? Mit welchem Ziel? Was wurde in den architektonisch aufwendigen Holzbauten erstellt? Fragen über Fragen.

Eine, die mithilft, Antworten zu finden, ist Barbara Zach, die auch am Fuße des Berges in Bernbeuren lebt und sich mit dem Essen der Römer beschäftigt. „Sumen, Schweineuter, muss ja nicht unbedingt sein. Globuli, kleine Mohnkugeln mit Himbeeren, munden auch heute, genau wie lukanische Würstchen“, sagt Zach und lacht. Die Archäobotanikerin, eine diplomierte Biologin, hat sich darauf spezialisiert, Pflanzenresten Geheimnisse zu entlocken. Etwa 800 Samenarten kann sie aus dem Kopf benennen, für die restlichen hat sie Setzkästen mit Vergleichsproben und Bestimmungsbücher.

© FörgArchäobotanikerin Barbara Zach entlockt Pflanzen Geheimnisse.

Ihre Arbeit ist kompliziert: Sie sitzt gebeugt und hat die Augen fest auf ihr Mikroskop geheftet. Winzige Fitzelchen liegen darunter. „Dill, Koriander, ganz typisch!“ Aber auch Sellerie, Feldsalat, Feigen, Birnen und Süßkirsche waren Zutaten der römischen Küche. Die Proben vom Auerberg enthüllen den Geschmack jener Bewohner, die dieses kurze Gastspiel auf dem exponierten Auerberg gaben. Wirklich kurz: Über die Dendrochronologie, eine Methode der Altersbestimmung von Holz, kann man sagen: Im Winter 12 und 13 nach Christus begann die Befestigung und Bebauung des Auerbergs durch die Römer, die ihn um 45 nach Christus wieder verließen. Die Wissenschaftler puzzeln seit Jahrzehnten mit Hingabe am Gesamtbild, dessen roter Faden wohl die Via Claudia Augusta ist, die von Oberitalien über den Reschenpass nach Augsburg führte. Als die Siedler am Auerberg ankamen, war die Straße noch nicht fertig, aber die Soldaten und Handwerker auf dem Auerberg wurden schon auf diesem Transportweg versorgt. Sollte der Auerberg der Verwaltungssitz der Provinz Rätien werden? War er eine Fliehburg? Heute ist er bestimmt eine: Für die Nebelflüchtlinge aus dem Unterland, denn der Auerberg liegt über den wabrigen Niederungen des Alltags. So weit höher, auch wenn er „bloß“ 1055 Meter misst.

Von Nicola Förg

AUERBERG (1055 METER)

© KompassAuss.: Kompass 179, Pfaffenwinkel. Lizenz: 17-0906-LVB.

ANFAHRT – A 96 Ausfahrt Landsberg West, B 17 Richtung Schongau/Füssen, bis Schongau West, über Burggen nach Bernbeuren. Parken kann man im Dorfzentrum oder am „Einstieg“ zur Via Damasia (500 Meter hinter dem Ortsende in Richtung Auerberg) oder auf dem Berg, wenn man nur die beiden Römerwege gehen will.

TOUREN – Via Damasia: Vom Museum durch den Mühlenweg bis zum Doldewirt, rechts weg auf der Auerbergstraße bis zum „Einstieg“ in den Weg, wo der hölzerne Römer grüßt. Durch die Feuersteinschlucht zum Berg, zirka 1,5 Stunden Gehzeit, mit mehr Zeit für die Erklärungstafeln zirka zwei Stunden. Es gibt zwei Römerwege, einen südlichen und einen nördlichen. Für beide Wege benötigt man etwa eine halbe Stunde.

INFORMATIONEN – Auerbergmuseum im Kiebelehaus, Mühlenstraße 9, 86975 Bernbeuren, Tel. 08860/210 (Touristeninformation) oder 08860/91010 (Gemeinde), www.auerbergmuseum.de. Von Mitte April bis Mitte Oktober samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie an Feiertagen oder nach telefonischer Vereinbarung. Förderverein Villa Rustica, Freistr. 14, 86971 Peiting, Tel. 08861/67380.

Die Infotafeln hängen schon, lediglich der Garten ist noch nicht komplett. In dieser Villa, die ein römisches Privatbad umfasst, genannt „balnea“, mit einer Hypokaustenheizung, deren originaler Erhaltungszustand auf dieser Seite der Alpen ihresgleichen sucht. Die Römer dieser Zeit konnten schon betonieren – der Name Zement stammt vom „opus cemaentitium“. Ihr Zement war sogar wasserdicht (www.peiting. de). Infos zur Via Claudia: www.viaclaudia.org

KARTE – Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

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