Starnberg: Stille Winterwanderung zwischen Wäldern und Villen

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    • 07.01.13
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Starnberger See

Auf märchenhaftem Weg

König Ludwig, Kaiserin Elisabeth, die Fürstenfamilie Thurn und Taxis: Dass der Starnberger See so historisch wie hochkarätig ist, ist kein Geheimnis.

© dpa

Starnberger See: Stille Winterwanderung zwischen Wäldern und Villen

Doch kann es zwischen den Touristenströmen, die heute die schönsten Fleckerl zwischen Wasser und Bergpanorama erobert haben, noch einen Geheimtipp geben?

Wie wäre es mit einer stillen Waldwanderung, Ab- und Aufstiegen in Schluchten und als Kontrast dann das Promi-Ufer mit einem Kiosk, der statt Jacht-Schick lieber Open Air das ganze Jahr über bietet? Nebenbei gibt es auch noch den Blick auf zwei ganz besondere Villen. All das wartet auf Wanderer zwischen Feldafing und Tutzing.

Schon der Start am Feldafinger Bahnhof ist ein Schritt in die Historie: Das proper renovierte Gemäuer wurde einst mit Ziegelsteinen erbaut, die für das fünftgrößte Schloss in Bayern gedacht waren. König Max II. ließ aber zuerst sein privates Sommerhaus auf der Roseninsel errichten und starb, als gerade mal das Fundament für den Prunkbau an Land fertig war. Sein Sohn Ludwig II. hatte dann bekanntermaßen andere Pläne. Somit haben die Ziegel für den Bahnhof hergehalten. Über derlei Kehrtwendungen mag man noch nachsinnen, wenn man weiterstapft. Ein Stück des Wegs gedenkt man auch der berühmten Bergsteiger- und Bergmaler-Familie Compton, während schon die ersten Gipfel am Horizont in Sicht kommen. Bis heute hat sich der Begriff Malerhügel für manch idyllisches Fleckerl des Künstlerortes erhalten. Weiher, Felder, Wälder: So geht es ab hier weiter. Doch vorher kommt als Überraschung die neoklassizistische Villa Seewies, märchenhaft auf einer Lichtung am Waldrand gelegen. Der Bauherr hatte wenig Glück damit: Gustav Tschernikow musste seinen abgelegenen Landsitz nach vier Jahren wegen Verarmung nach der russischen Revolution verkaufen.

Nach hundert Jahren wechselvoller Geschichte ist das Anwesen heute in Privatbesitz und geleitet den Wanderer in das unbekannte Hinterland. Der Weg schlängelt sich durch Wälder und Moore. Schluchtenliebhaber sollten noch das Eck über den Kalkgraben gehen, bevor sie Garatshausen ansteuern. Im Winter ist das Freibad dort einer der wenigen Stellen, wo man mit einem Becher Glühwein auf den Steg gehen kann.

© dpaHans Albers Villa

Diesen Platz wusste auch schon Hans Albers zu schätzen: In unmittelbarer Nähe hatte „Der blonde Hans“ das ehemalige Schlossverwalter-Häuschen der benachbarten fürstlichen Familie von Thurn und Taxis gekauft. Bis zu seinem Tod 1960 erholte er sich dort alljährlich für einige Wochen von den Dreharbeiten – und wurde von der Seeflotte per Horn gegrüßt. 1971 richtete der Freistaat dort für viele Jahre eine Außenstelle der Landesanstalt für Fischerei ein. Bei den aktuellen Diskussionen über einen Verkauf schlugen die Wellen hoch. Privatbesitz oder Museum – was nun daraus wird, ist offen. Momentan kann man jedenfalls, mit einem wehmütigen „La Paloma“ auf den Lippen, vom Spazierweg aus ein wenig von der großen Freiheit träumen.

Oder von einer Begegnung mit der Familie Thurn und Taxis: Denn das Fürstenschloss nebenan wird teils noch privat genutzt, teils ist es Kreisaltenheim. Im 16. Jh. als Hofmarksanwesen begonnen, im 19. vollendet, strahlt das gelbe Gebäude Fröhlichkeit und Festlichkeit aus. Man spekuliert zu Recht, dass hier auch die junge Kaiserin Elisabeth, damals noch die Sisi, getollt haben soll – hat doch ihr Vater Herzog Max diese Ergänzung zu seinem Schloss Possenhofen gekauft. Romantik ist auch heute noch angesagt: Im Jugendstil-Spiegelsaal von 1910 kann man heiraten und anschließend im Park flanieren.

Der Weiterweg nach Feldafing führt über die wohl schönste Bootshütte am See entlang. Just bevor man dann erneut zu historischen Exkursen angeregt wird, biegt man ab in den Eichgraben, eine weitere kleine Schlucht. Am Ufer würde hier sonst der Lenné-Park beginnen, angelegt als völlig „natürlicher“ und damit umso auffälliger, durchgeplanter Englischer Garten mit Sichtachsen und Spannungsmomenten. Der würde dann wieder die Geschichte von König Max II. und Ludwig II. erzählen…

von Freia Oliv

FELDAFING / GARATSHAUSEN

ANFAHRT – Bahn: S 6 bis/ab Feldafing (bzw. ab Tutzing). Auto: A 95 Starnberg, Seestr. bis Feldafing.

TOUR – Länge: ca. 8 bis 10 km, 2 bis 2,5 Std.; Verlauf: Ab Feldafing Bahnhofsgebäude über Spielplatz in die Rat- Jung-Straße hinauf, gleisparallel nach Süd (Comptonweg) zur Koempelstraße, rechts über Bahnbrücke bis Linksabzweig Fichtenweg, am Ende rechts in die Föhrenstr., dann links in die Seewiesstr. Kurz vor Seewies rechts den Weg parallel zur Str. und auf diesem weiter (X-Markierung). Im Wald kurz vor der Straße Garatshausen – Traubing Pfad nach links markiert, 50m später nach rechts. Dort die Str. überqueren, gegenüber in den Forstweg. Achtung: Kurz darauf die Markierung (X am Baum) nach rechts über einen kleinen Waldanstieg nicht übersehen! Oben nach links dem Pfad folgen (kurze Matschstelle), dann rechts in den Forstweg. Diesem in einer Linkskurve bergab folgen, später rechts halten, bis zur Str. „Am Pfaffenberg“. Nach der Kurve über die Bahn-Brücke, leicht links und die Klenzestr. hinab. Über Tutzinger Hauptstr. in den Sprungleitenweg bis zum See, links ist das Freibad Garatshausen. Rückweg nach Norden den Seeuferweg entlang (Abstecher Hans-Albers-Villa beschildert) vorbei am Kreisaltenheim Schloss Garatshausen bis Feldafing. Hier am Ende der ersten freien Wiese (Bank am See) links hinauf zur Str. Feldafing – Tutzing. Durch Fußgängerunterführung. Wenige Meter rechts und sofort links in den Eichgraben. Bergauf die Straßen überqueren, bis der Weg in der Eichgrabenstraße endet. Rechts und gleich wieder links in Koempelstraße. Vor Bahnüberführung rechts über Comptonweg zum Bahnhof. 2. Kurzvariante Tutzing: Ab Freibad den Seeuferweg nach rechts (Süd) in den Ort, über Ev. Akademie, Kirche und Ortsmuseum bis zum Gymnasium und in die Bahnhofstr. 3. Langvariante Kalkgraben: wie Haupttour über Seewies bis zu den Matschstellen und weiter in den Forstweg. In der Linkskurve aber gerade bzw. später rechts dem Weg folgen, auf Treppen den Graben überqueren, dann links hinunter dem Kalkgraben folgen bis Teerstr. „Am Pfaffenberg“: nun nach links bis Überführung der Haupttour oder rechts bis zu einer weiteren Überführung direkt nach Tutzing.

TIPPS – a) Ortsmuseum Tutzing, geöffnet Mi. und Wochenende 13-17 Uhr, Tel.: 0 81 58 / 25 23 97. b) Einkehr: Freibad Garatshausen, tägl. ab 11 Uhr bis Dunkelheit, nur draußen. Café im Kreisaltenheim Schloss Garatshausen, Di.-So. 14-17.30 Uhr. Weitere Einkehr: Feldafing / Tutzing.

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

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