Radltour durch die Drumlin-Landschaft zwischen Weilheim und Seeshaupt

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    • 16.07.12
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Radltour

Teufelstritt und Orchideenjäger

Der Übergang kommt rasch: Hier noch ein Weilheimer Wohngebiet mit kleinen Einfamilienhäuschen, dort nichts mehr als Wiesen und Weiden.

Durch eine einsame und reich blühende Landschaft führt der Radweg von Weilheim nach Seeshaupt: das Alpenpanorama am Gut Raucherberg.  Förg

Gut, ein wenig mehr gibt es dort schon, namentlich Häuser und ehemalige Gutshöfe jener Menschen, die diese charmante Lage nahe Weilheim lieben. Wer sich eine Weile im steten Bergauf warm gestrampelt hat, kommt zum Anwesen von „Herrn K&L“ und zu zufriedenen Kuhherden – wuschlige Galloways, Dexter Minirinder –, die hier vor dem Alpenpanorama grasen. Gleich nebenan liegt Gut Raucherberg, wo man Wohnungen und Büros von Hubertus Graf Beissel von Gymnich mieten kann – das hat Klang und Lagegunst. Hübsch platziert ist auch die Hardtkapelle, die in ihrer jetzigen Ausstattung aus dem Jahr 1866 stammt. Nach einer schweren Viehseuche 1793 errichteten die Haunshofener auch einen Kreuzweg, den man in umgekehrter Richtung als kleinen Abstecher erradeln kann.

Der Grund aber, dass wahrscheinlich jedes Kind in und um Weilheim schon mal einen Schulausflug zur Kapelle gemacht hat, ist eine ganz andere Geschichte. Um das Jahr 1250 gerieten die Weilheimer und Haunshofener in Streit wegen der Weiderechte und versammelten sich immer wieder auf den Wiesen, beschimpften sich gegenseitig und bekriegten sich mit Argumenten. Da kam plötzlich ein windiges kleines Männlein in Gestalt eines Hirten des Weges. Es setzte den Fuß auf einen großen Stein und rief: „So wahr ich tritt in diesen Stein, so wahr ist dies Haunshofer G’mein!“ Kaum war’s ausgesprochen, war das (teuflische) Männlein weg, was aber übrig war: Ein Fußtritt, der sich tief in dem Stein eingedrückt hatte.

Übernachtung mit Folgen

Die Haunshofener haben zum Andenken eine Feldkapelle um den Abdruck herum errichtet, vor dem Altar ist der Fußabdruck noch zu sehen. Wahrscheinlich weil diese Geschichte so schräg ist, taucht die Hardtkapelle im Internet auf diversen Geister-Homepages auf, wo sie auch „verfluchte Pestkapelle“ ist. Ziemlich wahrscheinlich vermengen hier die Geisterjäger die Geschichte/n der Pollingsrieder Kapelle mit der Hardtkapelle: Dass man den Verstand verliert, wenn man hier nächtigt, ist bislang jedenfalls nicht erwiesen... Man fährt lieber weiter und hinein ins Naturschutzgebiet Magnetsrieder Hardt, hinein in eine Drumlin-Landschaft, wo sich die typischen tropfenförmigen Hügel mit Moorbecken abwechseln. Hier gedeihen seltene Sumpfgladiolen und Orchideen. Eine Landschaft voller Energie, schade nur, dass Naturschützer Batterien von Schildern aufstellen müssen, um uneinsichtige Menschen davon abzuhalten, überall herumzutrampeln!

Also bitte auf dem Weg bleiben und per Zoom fotografieren! Über Magnetsried und Arnried geht es zur Schlossgaststätte Hohenberg: 1873 suchte der Eigentümer des Gutes Hohenberg um die Gastwirtschafts-Konzession an, „da ich für mein großes Hauswesen viele Dienstboten haben muß, so bin ich gezwungen, bey mehr als halbstündiger Entfernung von den nächsten Gasthäusern immerfort Bier in meinem Keller zu haben. Die nächstgelegenen Gutsbesitzer wünschen nun durch mich Bier erhalten zu können, besonders zur Sommerzeit, weil ihnen die Gasthäuser von Hohenkasten, Eberfing, Magnetsried und Sees-haupt zu entlegen sind.“ Und als der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Arnried, zu der Hohenberg in jener Zeit gehörte, ein „Leumunds- Zeugniß“ abgab, gab es endlich die ersehnte „Bierwirthschaft“. Damals wie heute ein charmanter Platz, bevor es hinunter geht zum königlichen Starnberger See – zum Baden, Sonnen, Leutebeobachten…

Von Nicola Förg

RADTOUR WEILHEIM – SEESHAUPT

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Zugverbindung nach Weilheim, zurück ebenfalls mit dem Zug ab Seeshaupt. Informationen: www.bahn.de; Auto: A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis A.-Dr. Starnberg. Weiter bis Starnberg. Dann durch den Ort und die B 2 bis nach Weilheim. Parken im Zentrum.

TOUR – Charakter: Kurze Tour mit viel Sehenswertem; Möglichkeit zum Baden in Seeshaupt; kurzer Abstecher in Weilheims gute Stube, den Marienplatz; auch von Seeshaupt nach Weilheim fahrbar; gesamt ca. 22 Kilometer auf Asphalt-Sträßchen und geschotterten Feldwegen. Verlauf: Von Weilheim Bhf über die Bahnhofsallee auf die Münchner Straße, kurz links abbiegen, dann rechts weg in die Kaltenmoserstraße. Diese geht in einem Knick kurz über in die Römer- und Hardtkapellenstraße. Stetig leicht bergauf bis zu den Gütern und hinunter zur Hardtkapelle. Dort gegenüber beginnt der beschilderte Feldweg nach „Magnetsried, 3,3 km“. In Magnetsried die Hauptstraße überqueren, Beschilderung nach Arnried folgen; scharfer Rechtsknick weiter der Beschilderung Arnried nach.

An der T-Kreuzung links weg, ein kurzes Stück auf der Hauptstraße bis Hohenberg. Gegenüber der Schlossgaststätte dem Feldweg nach Ellmann folgen. Die Straße trifft kurz vor dem Ortsschild Seeshaupt wieder auf die Hauptstraße. Weiter zum See oder direkt zum Bahnhof.

KARTE – Kompass-Wander- und Bikekarte 180, Starnberger See, 1: 50 000. Oder: ADFC-Regionalkarte Bayerische Seen. 1:75 000.

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Kommentare

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Rolf Heine16.07.2012, 08:56
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leider ist die schöne Strasse über den Hardt nur unter Lebensgefahr zu befahren,da wegen Bauarbeiten an der Strasse B2-Tutzing die Strasse bis Herbst nicht befahrbar ist.Die Autofahrer verhalten sich hier wie Rambos und kurven hier teilweise mit B2 Tempo um die engen Kurven ,Tempo 60 ist hier schon zu viel,wo stetig auch Radfahrer mit Kindern und Wanderer unterwegs sind.Ich fahre jeden Tag diese Strasse,um im Hardt auf eine Weide zu kommen.Also Autofahrer nehmt Rücksicht auf die Erholungssuchenden.

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