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In herrlichem Auf und Ab geht es über Wiesen und durch Wälder auf unsere Radltour um Prem – die noch weißen Berggipfel immer im Blick.

Durch Bären-Land

Da wünscht man sich, es wäre einer dieser Föhntage, wenn die Allgäuer Berge so dermaßen senkrecht vor Prem stehen, dass man glaubt, sie anfassen zu können, wenn man den Arm nur ein wenig vorreckt.

Erstmals öffnet sich der Gipfel-Blick auf dem Weg hinauf nach Unterried, das eigentlich eher ein Oberried ist, wenn man hier so bergan strampelt! Eine kleine Kapelle gehört zum Weiler genau wie behäbige Höfe und dann geht’s bergab. Wer nach rechts schaut, hat immer wieder den markanten, 1986 Meter hohen Aggenstein vor Augen. Vor ihm fläzt breitschultrig der Breitenberg. Linker Hand liegen die Ammergauer Alpen und den Vordergrund für das gewaltige Panorama bildet der Kaltenbrunner See.

Im Reigen der kleinen oberbayerischen Moorseen ist er sicher immer noch ein verstecktes Juwel für Angler, Badewütige und Nase-in-die Sonne-Halter. Am See dümpeln ein paar Enten umher, weit mehr Arten hat es unten am Halblech, in einer Wildflusslandschaft, wie sie selten geworden ist. Der Flussuferläufer kommt deshalb auch bis aus Afrika. Da hat der bayerische Radl- und Naturfan vergleichsweise Glück, dass er es gar nicht so weit hat, dieses unbekannte Fleckchen Erde zu entdecken. Vom Flussuferläufer gibt es nur noch 150 bis 180 Brutpaare in Bayern, der Vogel steht auf der Roten Liste und zeigt sich zumeist von April bis Mitte Juli am Halblech. Wenn er aus Afrika einschwebt, hat er nur noch 40 bis 50 Gramm Gewicht und muss erst mal ordentlich zulegen, damit er den anstrengenden Sommer mit der ganzen Kindererziehung übersteht.

Zwischen Sägern und Lappentauchern

Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel. Lizenz: 17-0906-LVB.

Auch der Lappentaucher ist zu sehen, er hat einen Schwimmlappen zwischen den Zehen und lebt ausschließlich von Wasserinsekten und Fischen. Und dann wären da noch die Säger, Entenvögel, die einen Sägeschnabel haben, mit dem sie Fische festhalten können und im Gegensatz zu Enten auf Fischfang spezialisiert sind. Enten gibt’s natürlich auch, neben Stockenten auch Knäk-, Pfeif- und Löffelenten. Nur einer ist schon wieder weg: Der Zwergsäger ist Wintergast und zieht zum Brüten bis in die Taiga! Es ist ein sehr fragiles und sensibles Ökosystem hier am Halblech und drum wurde auch die Beobachtungsstation gebaut, wo man hinter der Holzfassade durch die Luken spähen kann und auch nicht auf den Kiesbänken herumturnen sollte. Ein Fernglas gehört bei der Tour in den Rucksack. Von Lech retour ins bucklige Land hinter Prem. Bis Jans geht’s ordentlich bergauf, einmal mehr ist der Blick sagenhaft und man beneidet die Traumlagen der Lage. An der Romantischen Straße hat einen die Zivilisation wieder, die nächste kleine Flucht heißt Gasthof Sera, alte Stuben, ein kleiner Gastgarten – eine herrlich unprätentiöse und angenehm altmodische Ausflugswelt. Wer entlang der B 17 auf dem Radweg bleibt, trifft nicht nur auf Weiler mit so schönen Namen wie Schlauch oder Biberschwöll, sondern auch auf eine ganze Armee von Holzkameraden. Thomas Jung ist der „Bärenschnitzer“ und zaubert aus einem Baumrundling Bären zum Knutschen! Wie er das macht, ist faszinierend: Erst mit der großen Motorsäge, dann mit der kleineren Elektrosäge. Zum abschließenden Feinschliff eine Flex. Mittlerweile hat Jung jede Menge Bären gesägt – teilweise auch ganz schön große Kaliber. Nebst Bären darf es auch mal eine Wildsau sein oder ein Hase – immer entstehen Tiere, die irgendwie zu leben scheinen...

Nicola Förg

RADLTOUR BEI PREM

ANFAHRT – A 95 München – GAP bis A.-Dr. Starnberg. Nach Starnberg. B 2 über Weilheim bis Peißenberg. Dort auf die B 472 bis Peiting. In Peiting auf die B 17 bis Steingaden. Parken: im Ortszentrum oder am Fischerhaus am Ortsende (frischer Fisch und Käse aus Heumilch, gut zum Provianteinkaufen oder als Ausklang).

TOUR – Kurze Frühlingstour für die ganze Familie mit Bademöglichkeit und einigen knackigen Anstiegen; Asphalt oder Feldwege; Insgesamt 25 Kilometer. Tourverlauf: Durchs Mischgebiet Steingaden (Radlschilder) nach Steingädele; auf der Dorfstraße bleiben durch Steingädele bis hinauf nach Unterried. Weiter bis Prem. An der Kirche vorbei und dann links (Richtung Moosreithen, Kaltenbrunner See); rechts zum See hinunter, den See umrunden, der Feldweg endet scheinbar in einer Wiese; dort rechts auf die Pfadspur abbiegen (wenige Meter) und erneut auf den Feldweg nach rechts abbiegen, bis zur Teerstraße. (Abstecher: rechts zur Hauptstraße, diese überqueren und zur Vogelbeobachtungsstation; retour). Die Teerstraße hinauf bis Jans und weiter bis zu Wegkreuzung mit Schildern: links nach Schwaighof; unter der B 17 durch zum Gasthof Sera, entweder Radlweg an der B 17 entlang (Werke des Bärenschnitzers; in Biberschwöll 3 a mehr Infos) oder über Schober und Fronreiten retour nach Steingaden.

VARIANTE – (für echte Biker) Von der Vogelbeobachtungsstation auf der Straße kurz Richtung Süden, dann rechts weg und hinauf nach Ostern und wieder hinunter nach Thal; dann links auf Radweg nach Bayerniederhofen und Buching. Wer es nun wissen will, bikt auf den 1142 Meter hohen Buchenberg (Traumblick auf 13 Seen; schöne Wirtschaft) und auf selber Strecke retour. Über Halblech und Trauchgau nach Sera; dort Anschluss an kleine Runde.

KARTE – Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

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