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Jenseits des tiefschwarzen Alpsees bauen sich die schroffen Nordwände von Pilgerschrofen und Älpeleskopf auf.

Abwechslungsreiche Spätherbst-Runde am Alpsee

Die Königsschlösser im Blick, golden leuchtende Wälder und zwei romantische Bergseen vor Augen – was will man mehr erwarten von einer gemütlichen Spätherbsttour?

Wie wär’s mit einem Walderlebniszentrum, das nicht nur bei Kindern Begeisterung hervorruft? Einem schmucken Gasthaus, das fast exakt auf der Mitte der Wanderung zur Einkehr lädt? Oder einer zweimaligen Grenzüberschreitung? Ja, der Rundweg um den 1200 Meter hohen Schwarzenberg bei Füssen bietet genug Abwechslung.

Der erste Höhepunkt ist gleich nach dem Start erreicht: Das Walderlebniszentrum mit seinem „Au- und Bergwaldpfad“ ist spannend, lehrreich und spaßig. Große Affenschaukeln, eine Springgrube, eine Waldkegelbahn und ein Kletter-Spinnennetz wird die Kleinen in den Bann ziehen. Danach verlässt man den Bergwaldpfad und folgt dem „Alpenrosenweg“. Der Weg ist schmal und verläuft unterhalb steiler Felswände, vor Steinschlag wird gewarnt. Alternativ hält man sich ein kurzes Stück auf der Forststraße, der ein paar hundert Meter später wieder in den Alpenrosenweg mündet.

Dank der lichter werdenden Laubbäume bieten sich immer wieder wunderschöne Ausblicke. Nach dem „Sankt-Herbert-Steg“ liegt einem der Schwansee zu Füßen, und man genießt das Panorama auf den Füssener Kalvarienberg mit Kapelle, das Schloss Bullachberg und den Tegelberg. Kurz darauf blitzt Neuschwanstein durchs Geäst. in der Ferne werden Bannwald- und Forggensee sichtbar. An der nächsten Pfadkreuzung ist auch ein Abstecher nach Hohenschwangau möglich (rund 20 Minuten).

Wer das Schloss schon kennt, wandert weiter Richtung Alpsee, an dessen Nordufer es sich wunderbar entlang spazieren lässt. Gegenüber liegen die schroffen Nordseiten des Älpeleskopf und Pilgerschrofen, dahinter der Säuling, der als Füssener Hausberg gilt. Am Ende des malerischen Sees lohnt sich der kurze Abstecher zum Marienmonument, das auf einer kleinen Landzunge liegt und mit drei Bänken zur Brotzeit lockt (übrigens ist das Monument nicht der Jungfrau Maria gewidmet, sondern der Königin Marie von Bayern, der Mutter Ludwigs II.).

Über den geteerten „Fürstenweg“ geht es rund 1,3 Kilometer Richtung Schluxen/Pinswang bis zur deutsch-österreichischen Grenze. Dahinter wechselt schlagartig die Vegetation: Hier vor allem Laubwald, dort hauptsächlich Nadelbäume. Auf diesem Teil der Wanderung folgt man der alten Römerstraße „Via Claudia Augusta“, die von der italienischen Po-Ebene bis zur Donau führt. Die rund 500 Kilometer lange antike Straße ist der einzige kaiserliche Weg über die Alpen gewesen.

Die Spritztour führt, schon mit Blick auf den einladenden Gasthof zum Schluxen, in Serpentinen den Berg hinunter. Vorsicht: In der ersten Kehre nicht dem rechts beschilderten Weg Richtung Füssen folgen – der zunächst breite Weg mündet in einen extrem schmalen Pfad, der den steilen Berghang quert, der im späteren Verlauf folgende Aufstieg und Abstieg bei der Rotwand ist nur für geübte, trittsichere und vor allem konditionsstarke Bergsteiger zu empfehlen!

Am Gasthof zum Schluxen geht’s erst nordwest-, dann nordostwärts zurück in Richtung Deutschland. Auf einem Feldweg an einem Weiher vorbei gelangt man auf den Kratzerweg, der einen wieder an den Lech zurückführt. Am Elektrizitätswerk Weißhaus kreuzt der Weg die Straße und bringt den Wanderer an der ehemaligen Grenzstation vorbei sicher zurück zum Ausgangspunkt, an dem man durchaus überrascht erkennt, dass die Vier-Stunden-Tour wie im Flug vergangen ist...

Chris Baumann

Schlösserweg Füssen

Anfahrt – A 95 München – GAP, A 992 bis Starnberg. B 2 bis Weilheim, B 472 über Peißenberg bis Peiting. B 17 über Steingaden Richtung Füssen. Durch Schwangau hindurch und vor Füssen Richtung Reutte links abbiegen. Am Lechfall vorbei, rechter Hand kommt das Walderlebniszentrum Ziegelwies. Rund 200 Meter weiter auf dem Parkplatz rechts parken. Mit der Bahn: Über Buchloe und Kaufbeuren nach Füssen.

CHARAKTER – Teilweise kleine Wege / Pfade, zwischendurch Forststraße und Feldwege; 10,7 Kilometer vom Walderlebniszentrum Ziegelwies. Mit Gegenanstiegen gesamt ca. 218 Höhenmeter. Gehzeit: knapp 4 Stunden. Leicht gehbar, jedoch nicht kinderwagengeeignet. Bei Bahnanreise: 14,3 Kilometer und ca. 235 Höhenmeter.

TOUR – Bahn: Vom Bahnhof aus durch die Altstadt dem Wegweiser Lechfall folgen, dort weiter Richtung Walderlebniszentrum, am schönsten auf dem Auwaldpfad. Auto: Vom Parkplatz aus zur Ampel am Walderlebniszentrum Ziegelwies, hier die Straße Richtung Bergwaldpfad queren. Dem Bergwaldpfad linksherum – an den zwei langen Affenschaukeln vorbei - folgen, am Kletter-Spinnennetz vorbei, kurz danach auf der beschilderten „Kinderwagenvariante“ bleiben. An der Forststraße rechts ein paar Meter dem Bergwaldpfad folgen und dann erst links dem Wegweiser „Alpenrosenweg“ (Fußpfad) nachgehen. Nach ca. 1 Stunde 10 Minuten eine Kreuzung im Wald, dort dem Wegweiser Richtung Alpsee folgen.

Nach kurzer Strecke der Fürstenstraße Richtung Pinswang ca. 20 Meter folgen, dann nach links auf kleineren Weg. Dem Sommerweg weiter Richtung Pinswang oberhalb des Alpsees. Am Ende des Sees führt der Weg nach rechts auf die Fürstenstraße bis zur Grenze. Der Beschilderung zum Gasthof zum Schluxen folgen, dort dann rechts auf den „Kratzerweg“ Richtung Füssen abbiegen. Nach dem Weiher rechts halten (aber nicht den Bergpfad Richtung Ziegelwies wählen, der Abstieg bei der Rotwand ist nur für geübte Bergsteiger!). Der „Kratzerweg“ verläuft oberhalb der Verbindungsstraße Vils – Füssen. Die Straße dann beim Kraftwerk Weißhaus kreuzen und nach rechts, linker Hand der Straße, auf Schotterweg nach Weißhaus und zum Parkplatz zurückgehen.

EINKEHR – Gasthof zum Schluxen (Wildbret, Fisch, vegetarische Gerichte), täglich 10 bis 22 Uhr geöffnet, Warme Küche 11 bis 21 Uhr.

Karte – Kompass-Karte 4, Füssen-Ausserfern.

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