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Da kann man endlos Ausschau halten: Auf dem Gipfel der Benediktenwand (1800 Meter).  

Benediktenwand

Auf „Altweiber-Runde“

Wer kennt sie nicht, die Benediktenwand? Wie ein riesiger Magnet zieht die majestätische Kalkmauer Wanderer in ihren Bann.

Obwohl sie zu den Voralpen zählt, sind einige der Gipfelwege schon recht anspruchsvoll. Lang sind die Anstiege allesamt, deshalb sollten Gipfelaspiranten konditionell gut in Form sein. Eine anregende Rundtour führt von der Jachenau aus durch die Südflanke. Über den Westgrat und den Höhenweg Tanner Alm geht’s dann retour.

Beim Weiler Petern schnürt man die Stiefel und erreicht nach einer Weidefläche einen duftiggrünen Mischwald, der immer wieder hübsche Ansichten gewährt. Auf einem flachen Sattel schiebt sich die mächtige Südflanke des Gipfelzieles ins Blickfeld. Man zieht durch ein verträumtes Tälchen und entdeckt etwas unterhalb inmitten eines gelben Blumenteppichs die schöne Orterer Alm. Dann erreicht man auf der anderen Talseite die sonnigen Bergwiesen der Bichler Alm.

Mit etwas Glück erspäht man ein paar Steinböcke

Die private Hütte ist zwar keine Jausenstation, aber in der Saison lässt man Wanderer nicht verdursten. Während einer Rast suchen die Augen vergeblich nach einer Aufstiegslinie im schrofigen Gipfelaufbau der „Benewand“. Aber erst hernach oberhalb der Höllgrube zeigt sich der Weiterweg, der „Altweibersteig“. Ein steiler, schottriger Pfad windet sich in engen Serpentinen einen felsdurchsetzten Grashang hinauf. Konzentration ist angesagt, wenn man mit etwas Luft unter den Sohlen den letzten schrofigen Aufschwung quert. Dann hat man die Latschenzone erreicht und kann aufatmen.

Mit etwas Glück erspäht man ein paar Steinböcke, die sich unglaublich elegant durch dieses Gelände bewegen. An die 70 bis 80 Tiere gibt es im Gebiet der Benediktenwand. Als Jagdtrophäe, Festtagsbraten oder als medizinischer Hilfsstoff verarbeitet, wären sie im 18. Jh. beinahe ausgerottet worden. Doch dann erwarb König Vittorio-Emanuele II von Savoyen das Gebiet um den Gran Paradiso, wo es noch einen kleinen Restbestand gab. Weil ihm die imposanten Hörnertiere am Herzen lagen, beschäftigte er die Ex-Wilderer als gut bezahlte Wildhüter und rettete so den Alpensteinbock. Aus dieser Kolonie gelangte in den 60er-Jahren ein verirrter Bock an die Benediktenwand. Als er gesichtet wurde, war die Freude groß und man flog ihm einige Geißen aus der Schweiz ein. Das Experiment gelang...

Nach der Unterstandshütte ist es nur noch ein Katzensprung zum Gipfelkreuz. Und hier genießt man ein sagenhaftes Panorama. Die höchsten Karwendel- und Wettersteingipfel zeigen sich in voller Pracht und am Horizont glänzen die Firnflanken der Stubaier und Zillertaler Alpen. Der Abstieg über den unschwierigen Westgrat eröffnet dann Aussichten zu Estergebirge und Walchensee. Wild romantisch erweist sich der nächste Abschnitt über den stillen Höhenweg zur Tanner Alm.

Mehrmals balanciert man über kleine Bäche, bevor man auf einem guten Wegerl an Grashängen entlangwandert. Auf einer Anhöhe schaut man hinab zur Alm, die sich an einen Wiesenhügel schmiegt. Jetzt ist es nicht mehr weit, bis man in die Aufstiegsroute mündet – und sich der Kreis schließt...

Von Doris Neumayr

BENEDIKTENWAND (1800 METER)

ANFAHRT – A 95 München – GAP, Ausfahrt Sindelsdorf. B 472 über Bad Heilbrunn nach Bad Tölz. B 13 Lenggries. Nach Lenggries rechts in die Jachenau. Beim Weiler Petern (Bushaltestelle) rechts zum Parkplatz (728 m).

RUNDTOUR – Benediktenwand (1800 m) 1280 Höhenmeter inkl. Gegenanstiege; Gehstrecke insges. 17,3 km; Gehzeit: Aufstieg ca. 3,5 Stunden, Abstieg ca. 3 Stunden; 50 % Forstwege, 50 % Bergwege (im Gipfelanstieg Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig); ausreichend Proviant und Getränke mitnehmen!!

Kompass 182, Isarwinkel.

Aufstieg: Vom Parkplatz auf dem Forstweg über flache Wiesen nach Westen (Ww. „Benediktenwand 3 ½ Std.“). An der nächsten beschilderten Gabelung rechts aufwärts. Im Wald auf grobsteinigem Forstweg bergan. An einer Wegkreuzung auf flachem Sattel (1167 m) geradeaus leicht bergab (Ww. „Benediktenwand 2 ½ Std.“). Nun durch ein Tälchen und vorbei an der Orterer Alm. Dann bergauf zu Verzweigung. Hier Forstweg (Ww. „Benediktenwand“) nach rechts auf die andere Talseite folgen. Bald bei einem Forstweg- Abzweiger links empor (Ww. „Bichler Alm“). Hinter der Bichler Alm (1438 m) über einen mit roten Punkten markierten Steig (Altweibersteig) einen Wiesenrücken hinauf. Auf schottrigem Steig erst westwärts, dann steil empor (Steinschlag!). Über niedrige felsige Stufen durch Schrofen und Gras aufwärts. Nach kurzer ausgesetzter Schrofenquerung geht’s in die Latschenzone und leicht zum Gipfel. Abstieg: An der Unterstandshütte am Gipfel weist der Ww. „Tutzingerhütte, Rabenkopf“ nach Westen. Auf steinigem Bergweg durch Latschen hinab. An einer Wegkreuzung in lichtem Wald links (Ww. „Rabenkopf“). Nun steiler in engen Kehren bergab in schrofigem Wald (Steinschlag!). Nach einem Flachstück zu einer Kreuzung mit vielen Schildern (Glaswandscharte). Hier links steiniger Waldpfad abwärts (Ww. „Jachenau“) bis zu breiter Forststraße. Auf dieser links (Ww. „Petern-Jachenau“). Wenig später rechts bergab (Ww. „Petern“). Über einige Bäche, später an Grashängen entlang. Auf einem Wiesensattel oberhalb der Tanner Alm (1340 m) zu Schilderbaum und hinunter zur Alm. Man folgt dem Pfad und mündet in einen Karrenweg. Jetzt links abwärts, bis man auf den Forstweg trifft, den man schon vom Aufstieg kennt. Auf diesem zurück zum Ausgangspunkt.

KARTE – Kompass 182, Isarwinkel.

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