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Feierte heuer sein 1250-jähriges Bestehen: das sehenswerte Dorf Deining, Start- und Zielpunkt unserer heutigen Spritztour.  Neumayr

Runde durchs Deininger Moor

Frostige Zauberwelt

„So nah, und doch so fern“, könnte König Ludwig II. beim Anblick der Gebirgskette sinniert haben, als er auf der, nach ihm benannten „Ludwigshöhe“ bei Kleindingharting stand.

 Von einer Residenz auf dieser schönen Anhöhe träumte er noch kurz vor seinem Tode. Knapp 100 Höhenmeter tiefer, aber mit ähnlichem Weitblick, beginnt ein traumhafter Spaziergang durch das Deininger Moor. Ein bequemer Weg streift die Südseite des Deininger Weihers, der sich aber hinter Schilf verborgen hält. Durch das kurze Gastspiel des Winters verwandelten sich die Bäume und Gräser in eine malerische, aber frostige Zauberwelt. Für Überraschungen sorgt die warme Mittagssonne, wenn im lichtdurchfluteten Wald feuchter Schnee von den Zweigen herab direkt in den Mantelkragen prasselt. Rote Beeren, die frühmorgens noch ein mattweißes Raureifkleid trugen, glänzen jetzt wie kleine Diamanten in den Sträuchern. Während des Spaziergangs stößt man auf Infotafeln über das Deininger Filz, das mit seiner Vielzahl an tierischen wie pflanzlichen Raritäten als wertvollstes Moor im Landkreis München gilt.

In der Vergangenheit entstand durch Trockenlegung oder Torfabbau der Moore eine große Gefahr für unser Klima. Aus trockengelegten Mooren entweichen bei der Zersetzung des Torfs unter Luftzufuhr Kohlendioxid und Lachgas. Die Regierung stellte deshalb in den letzten Jahren Gelder für die Renaturierung bayerischer Moore zur Verfügung. Das Deininger Moor profitierte davon mit einer groß angelegten Wiederbelebungsmaßnahme. Man entnahm moorfremde Gehölze und verschloss mit Torfdämmen die ehemaligen Entwässerungsgräben...

Hinter ausgedehnten Wiesen entdeckt man in der Ferne schon den Ort Dettenhausen. Und dahinter stehen die Berge Spalier: Wallberg, Benediktenwand, Herzogstand und Alpspitze präsentieren sich schon im Winterkostüm. Unsere Route dreht hier ab nach Nordwesten und man durchstreift nochmals die anmutige Moorlandschaft. Nach einem alleinstehenden Hof mit Weideflächen für Schafe, tauchen auch schon die ersten Gebäude von Deining auf. Noch bevor man das erste Haus erreicht, führt einen ein Wiesenweg am Ortsrand entlang. Man nähert sich dem Ort durchs Hintertürl und steht plötzlich in der Dorfmitte neben der ehemaligen Wagnerei Kneißl. Dass der Kneißl Gustl dort Leiterwagen, Truhenwagen, Schubkarren und vieles mehr bis Ende der 1950er-Jahre angefertigt hat, ist an der Hauswand zu lesen. Anlässlich der 1250-Jahr-Feier von Deining heuer wurden Schilder mit Fotos und Texten zur Dorfgeschichte an Häusern und Plätzen angebracht. So erfährt man im Vorbeigehen, in welchem Haus die Post- und Pferdewechselstation war, dass der älteste Hof seit 1510 existiert und dass die mächtigen Linden beim einstigen Neuwirt unter Denkmalschutz stehen. Während man lesend und staunend durch den Ort schlendert, ist man viel zu schnell zurück am Ausgangspunkt. Wem jetzt noch der Sinn nach Höherem steht, könnte eine Heimfahrt über die Ludwigshöhe planen und dort die Spritztour mit einer königlichen Aussicht ausklingen lassen...

Von Doris Neumayr

WANDERUNG UM DEINING

ANFAHRT – Auto: A 95 München – Garmisch-P., Ausfahrt Schäftlarn. St 2071 nach Hohenschäftlarn. Nach dem Bahnübergang an der Ampel (Münchner Straße / Wolfratshauser Straße) geradeaus Richtung Kloster Schäftlarn. Weiter St 2071 über die Isarbrücke und bergauf an die große Kreuzung St 2072. Hier rechts Richtung Bad Tölz bis Deining. Kurz nach dem Ortsschild links (Talstraße). Nach den letzen Häusern in der Talstraße bei der Rechtsabzweigung mit Wegweiser: „Deininger Weiher“ am Straßenrand parken. Bitte umsichtig parken und landwirtschaftlichen Verkehr berücksichtigen. Bahn: S 7 Wolfratshausen bis Halt Höllriegelskreuth. Mit Bus 271 bis Deining. (Info: www.mvv-muenchen.de).

TOUR – Gesamte Runde: Wegstrecke 6,4 km, Gehzeit ca. 2 Stunden. Die Forststraßen werden fast immer begangen. Robuste winterliche Wanderschuhe sind zu empfehlen (mit Morast muss gerechnet werden). Nach Schneefall ist die Route anstrengender und könnte in einigen Etappen Spurarbeit und Orientierungssinn erfordern. Verlauf: Von der „Talstraße“ führt die „Weiherstraße“ nach rechts (Osten), Wegweiser: „Deininger Weiher“. Die anfangs asphaltierte Straße wird bald zur Forststraße. An der nächsten Verzweigung geht’s nach rechts durch das Moor, Ww. „Deininger Weiher, Ascholding“. Nach einer Brücke an einer Verzweigung wieder rechts über Wiesen in den Wald, Ww. „Ascholding“.

Auf freien Wiesen (Blick auf den Ort Dettenhausen) erreicht man eine Rechtsabzweigung (kein Wegweiser, nur Hinweisschild „Wirtshaus Deininger Post“). Hier also rechts durch das Moor und vorbei an einem Einödhof. Der Weg zieht über Weideflächen Richtung Deining. Direkt vor dem ersten Haus folgt man einem Wiesenweg (kein Wegweiser) nach rechts. Der Weg verläuft über Wiesen am Ortsrand entlang nordwärts. Man kreuzt einen breiten Feldweg und folgt diesem nach links bis Deining. Hier wendet man sich nach rechts und spaziert auf einem Gehweg entlang der Straße (an den Häusern sind Schilder der Ortsgeschichte) bis man wieder in die „Talstraße“ kommt und somit den Ausgangspunkt erreicht hat.

ADVENTSMARKT – Adventsmarkt in Deining am Sonntag, 2. Dezember 2012. Der traditionelle Markt findet im Anschluss an die Sonntagsmesse (Beginn 9 Uhr) auf dem Dorfplatz statt.

KARTE – Kompass-Wanderkarte 180, Starnberger See und Ammersee.

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