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In einem zauberhaften Hochtal liegt die Klareralm auf 1052 Meter. Gegenüber bauen sich die imposanten Ruchenköpfe auf.

Abheben am Bankerl

Zwischen der Rotwand und dem Wendelstein bei Bayrischzell entdeckt man auf der Landkarte einen behäbigen grünen Rücken.

Ganz zu Unrecht führt der Seeberg- Rücken mit dem kecken Gipfel namens Seebergkopf ein Schattendasein neben seinen bekannten Nachbarn. Diesem stillen Bergziel nähert man sich zunächst über einen längeren, aber durchaus unterhaltsamen Talweg. Über den Wiesen eines Segelflugplatzes bestaunt man die lautlosen Gleiter und ihre Piloten. Als Wanderer hebt man sich das „Abheben“ jedoch besser für später auf. In sanfter Steigung führt der Weg im ruhigen Steilenbachtal empor, hoch über dem Wildbach, der über senkrechte Felsstufen ins Tal sprudelt. Unter luftigem Blätterdach gewinnt man langsam an Höhe. Dann öffnet sich wie mit einem Paukenschlag der Wald und gibt den Blick frei auf ein zauberhaftes Hochtal. In die saftigen Wiesen der Klareralm schmiegen sich einige Hütten. Auf der anderen Talseite drängen die imposanten Ruchenköpfe ins Blickfeld. Kletterrouten jeglicher Schwierigkeit in optimalem Voralpenfels rufen dort alljährlich die Sportkletterer auf den Plan. Etwas unterhalb erahnt man den Soinsee, in dessen Fluten sich der legendäre Bär Bruno einst erfrischte, bevor er ein unwürdiges Ende fand...

Unser Aufstieg führt um die Klareralm herum und zieht sich ein bisschen in die Länge. Aber es lohnt sich! In beneidenswerter Lage trifft man jetzt auf die Neuhütte. Und die sieht für ihr Alter (Baujahr 1678) trotz sonnenverbrannter Holzwände ziemlich gut aus. Zudem ist die Hütte in der Almsaison einfach bewirtschaftet. Während der Brotzeit schweift das Auge über das Ursprungstal bis zu den fernen Schneegiganten der Hohen Tauern und streift vor der Neuhütte einen Steinbrocken mit Bankerl. Der Stein auf dem Aussichtsplatz erinnert an ein trauriges Kapitel der Geschichte: Hier schoben die Gebirgsschützen in den Jahren 1805 bis 1809 bei Wind und Wetter Wache, um ihre Heimat gegen die Tiroler zu verteidigen...

Auss.: Kompass-Karte 8, Tegernsee. Lizenz: 17-0906-LVB.

In der letzten Etappe führt ein steiniges Wegerl über Almwiesen und lichten Wald stetig bergan und zieht vorbei an der urigen Seebergalm. Als Wegbegleiter fungieren der leuchtend blaue Frühlingsenzian und das filigrane Alpenglöckchen mit zartrosa Blütenkelchen. Am Schluss spaziert man über einen breiten, grasdurchsetzten Kamm bis zum höchsten Punkt. Dort erwartet einen nicht nur ein schmuckes Kreuz mit Gipfelbuch und Wanderstempel, sondern auch eine herrliche Aussicht über die Chiemgauer Alpen, zum Chiemsee und zum greifbar nahen Wendelstein. Nach Norden hin bricht der Seeberg steil ab. Tief unten liegt Bayrischzell inmitten von weiß-gelb getupften Sommerwiesen. Für den Abstieg nimmt man hernach die „Direttissima“. Dieser schmale Weg beginnt hinter den Gebäuden der Seebergalm. Über Wurzelwerk, teilweise steil, aber nie schwierig steigt man hinab. Nach einer Windwurfschneise erreicht man nochmals die schönen Weideflächen bei der Klareralm und mündet zugleich in die Aufstiegsroute. Parallel zum rauschenden Flusslauf führt die Route wieder aus dem Tal hinaus.

Doris Neumayr

SEEBERGKOPF (1538 M)

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Staatsstraße 2073 bis Miesbach. Dann B 307 über Schliersee Richtung Bayrischzell. In Geitau rechts und Schildern „Flugplatz“ folgen. Man erreicht einen Wanderparkplatz vor einem gesperrten Teersträßchen. Bahn: Bhf. Geitau. BOB 955; www.bayerischeoberlandbahn.de

TOUR – Meist schmale Wirtschaftswege und schmale Bergwege, ohne Schwierigkeiten. Im steilen Abstiegsweg ist etwas Trittsicherheit angenehm. 820 Höhenmeter inkl. kleiner Gegenanstiege. Aufstieg: 8 km, Gehzeit: ca. 3 – 3,5 Stunden. Abstieg: 6,5 km, Gehzeit: ca. 2,5 Stunden.

Aufstieg: Auf Teersträßchen gen Süden (Schild: „Seeberg“). Über Wiesen vorbei am Segelflugplatz bis an Verzweigung mit Schilderbaum. Hier links in den Wald (Schild: „Rotwand Miesing Taubenstein“). Gleich danach rechts und über eine Brücke. Hier endet der Asphalt. Man wandert nun auf einem Wirtschaftsweg leicht bergan. Am nächsten Abzweig links aufwärts (Schild: „Seeberg über Klarer-alm zuerst W6 dann B2a“). Vorbei an Waldschneisen bergauf bis zu einem Schilderbaum (1050 m). Hier links (Schild: „Seeberg“). Bis hierher könnte man auch mit dem Mountainbike fahren. Der Wirtschaftsweg führt durch Bergwiesen vorbei an der Klareralm (1052 m) und am Fuß des licht bewaldeten Seebergs sanft aufwärts gegen Osten.

In freiem Almgelände zur Neuhütte (1235 m). An der Hütte weist ein Schild den Weiterweg („Seeberg“). Links über hügelige Bergwiesen bergan. Bei der Seebergalm (1364 m) nach rechts und weiter auf dem Weg hinauf zum Gipfelkreuz.

Abstieg: Vom Gipfel zurück zur Seebergalm. Direkt oberhalb der Almgebäude auf einem schmalen Weg nach Westen. Man kommt zu einem Steinhaufen mit blauen Punkten. Hier geht’s links bergab. Bisweilen steil auf schmalem Weg durch lichten Wald hinunter zur Klareralm. Dort über die Aufstiegsroute zurück zum Ausgangspunkt.

EINKEHR – Klareralm (1052 m), Neuhütte (1235 m). Privat, keine festen Öffnungszeiten! Einfache Brotzeiten und Getränke während der Almsaison.

BIKE & HIKE – Mit dem MTB bis zur Klareralm (mittelschwer, 270 Hm, 4 km). Dann zu Fuß auf den Gipfel.

SEGELFLIEGEN – Probeflug in Geitau. Info: Andreas Bucher, Tel.: 0 80 23 / 14 38; www.lsc-schliersee.de 

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee.

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