Direkt über die Terrasse der Ederkanzel verläuft die Grenze zwischen Bayern und Österreich.  Rauch

Ederkanzel, Klamm und Christkindlmarkt

Grenzgänger und Geister

Klaus Tiefenbrunner ist ein Grenzgänger. Jeden Tag, jede Stunde. Dutzendfach pendelt der Wirt der Ederkanzel zwischen Bayern und Österreich: Die Grenze verläut direkt über seine Terrasse.

So kann sich auch der Gast entscheiden, ob er derzeit lieber draußen frierend auf Tiroler Boden speist oder sich in das gemütliche Stüberl auf bayerischer Seite zurückzieht. Grundsätzlich muss man selbst bei Schnee nicht vor einer Tour zur Ederkanzel zurückschrecken. Der Fahrweg wird geräumt und mit Sägemehl gestreut, da auch Rodler hier gerne hinabfahren.

Schöner ist der meist ebenfalls präparierte Fußweg über den Lautersee, der sich in einer tiefen Waldsenke zwischen Ederkanzel und Kranzberg einbettet. Direkt am See lockt auch ein Abstecher zum Walderlebnispfad mit zehn lehrreichen Stationen. Der anschließende Aufstieg zur Ederkanzel dauert nicht lange und am Berggasthaus öffnen sich weite Blicke. Entsprechend der Grenzziehung kann man sich hier für ein bayerisches oder österreichisches Panorama entscheiden. Das bayerische zeigt den Klassiker, die Karwendelwände über Mittenwald mit der fast überhängenden Viererspitze. Der Ausblick nach Tirol präsentiert die Leutasch, überragt von den Felspfeilern des Wettersteins. Dass dies ein guter Platz zum Rasten war, wusste schon der königlich bayerische Forstmeister Hubert Eder, der um 1900 heroben einen Hochstand errichtete. Später kam ein zwölf Meter hoher Aussichtsturm und ein kleiner „Erfrischungsraum“ dazu, aus dem im Laufe der Zeit der Berggasthof erwuchs.

Sollte Petrus noch schneearmes Wetter bescheren, lohnt nach der Rast ein Abstieg nach Tirol. Ein kurzer, recht steiler Steig führt entlang historischer Grenzsteine hinab zur Straße. Gegenüber beginnt der Weg zur Geisterklamm. Im Winter – sobald richtig Schnee liegen bleibt – ist der Eisensteig offiziell gesperrt, doch der Weg rechts oberhalb der Schlucht ist bequem bis zum Gasthaus Gletscherschliff zu begehen. Auf diesem waldreichen Abschnitt laden zahlreiche Stationen ein, die kurzen Geschichten der Klammgeister und Kobolde zu lesen.

Auch Erwachsene erfahren hier viel über die Welt der Gesteine, Wälder und Pflanzen rund um die einst sagenumwobene Felsenklamm. Neben dem Berggasthaus Gletscherschliff zeugen die abgewetzten Felsen von der Kraft des Inntalgletschers, der sich einst durchs enge Isartal zwängte.

Der Rückweg führt dann nach Mittenwald, dem „lebendigen Bilderbuch“, wie schon Goethe den Ort nannte. Im 18. Jh., als der Dichter auf seinem Weg nach Italien durchreiste, entstanden die vielen Lüftlmalereien an den Häusern. Auch der Turm der barocken Pfarrkirche St. Peter und Paul ist so bunt und reich verziert wie in keiner anderen Gemeinde. Vor dem Turm steht das Denkmal von Matthias Klotz, der um 1680 die bis heute lebendige Geigenbautradition begründete. Wie so ein Instrument gebaut wird erklärt das Geigenbaumuseum wenige Meter weiter in der Ballenhausgasse. Einer urtümlichen Ecke Mittenwalds, in der auch heuer wieder der schöne altbayerische Christkindlmarkt (ab 7. bis 16. Dezember) stattfindet.

Christian Rauch

RUND UM MITTENWALD

ANFAHRT - A 95 München – GAP bis Autobahnende. Weiter die B 2 über Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald. Durch den Ort – über Mühlfeld- und Tiefkarstraße – zum Parkplatz am Bahnhof. Die Tour kann man gut mit dem Zug erreichen (Bahnlinie München–Innsbruck), da der Ausgangspunkt direkt am Bahnhof liegt.

TOUR – Gehzeit: Ederkanzel und zurück 2 bis 2,5 Stunden. Rundweg über die Tiroler Seite: etwa 3,5 Stunden (durch die Klamm etwas länger). Verlauf: Vom Parkplatz am Bahnhof südwärts und rechts in die Viererspitzstraße. An der Albert-Schott-Straße links und über die Karwendelstraße zum Dekan-Karl-Platz. Dahinter rechts in die Adolf-Baader-Straße und weiter in die Wettersteinstraße. Von nun an leiten Schilder zur Ederkanzel auf einen ansteigenden Weg und hinauf zu einer Teerstraße. Von ihr zweigt etwas weiter links der geräumte Fahrweg zur Ederkanzel ab. Wenn kein Schnee oder präpariert, lohnt der Fußweg halbrechts zum Lautersee. Dort am Pavillon mit dem Baumartenquiz links zur Straße und auf den Fußweg zur Ederkanzel, der oben den Fahrweg erreicht. Rückweg über einen der beiden Wege. Im Ort vor dem Dekan-Karl- Platz am Alpenhotel Rieger links halten zum Obermarkt und zur Kirche mit dem Christkindlmarkt und Museum dahinter. Vor der Kirche rechts zurück zum Bahnhof. Liegt kein (oder nur sehr wenig) Schnee und ist es nicht zu kalt, lohnt der längere Rundweg über die Tiroler Seite: Von der Ederkanzel auf dem Fahrweg kurz zurück und bald links Richtung Leutasch abbiegen. Teils steil hinab zur Straße, rechts über die Brücke und links Richtung Gletscherschliff durch den Wald. Abzweigungen links hinunter in die Geisterklamm (Eisenstege und Brücken) sind ab dem ersten richtigen Wintereinbruch gesperrt (Info: 0 88 23 / 33 981). Von der Klamm bzw. vom Gletscherschliff aus zurück nach Mittenwald. Im Ort an der Straße links, später links in die Adolf-Baader-Straße. Vor dem Alpenhotel Rieger rechts zum Obermarkt und weiter wie oben.

EINKEHR – Gasthof Ederkanzel und Gletscherschliff. In der Adventszeit Samstag und Sonntag geöffnet. Ederkanzel: Tel. 0 88 23 / 16 81; www.ederkanzel.de. Gletscherschliff: Tel.: 0 88 23 / 14 53; www.gletscherschliff.de.

CHRISTKINDLMARKT – 7. bis 16. Dezember 2012 an der Kirche und in der Ballenhausgasse, Montag bis Freitag 16 bis 20 Uhr, Wochenende 12 bis 20 Uhr.

KARTE – Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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