+
Ein wunderbares Panorama eröffnet sich Wanderern – und Badenden – am Blindsee bei Biberwier.

Von der Grubigalm hinunter zum Blindsee

Ab in die Tiefe!

Bevor man sein herrliches Ufer erreicht, hat man ihn schon von weit oben im Blick – den verführerischen, grünblau glitzernden Blindsee.

Daher kann man diese Tour ohne schlechtes Gewissen mit Seilbahn und Sessellift starten und sich erst mal 700 Höhenmeter hinaufbefördern lassen. Auf der Grubigalm hoch über Lermoos beginnt der Weg, der über sonnige, aussichtsreiche Südhänge Richtung Fernpass hinunterführt. Das mächtige Zugspitzmassiv und die Mieminger Kette sind zunächst Blickfang im Osten, ehe sich die Sicht nach Süden weitet: Auf die lange Kette von Handschuhspitzen und Hochwannig, sowie weiter rechts auf die Gipfel des Loreamassivs, einem der einsamsten und urtümlichsten Ecken in den Lechtaler Alpen.

Aus dem Massiv sind vor gut 4000 Jahren gewaltige Felsmassen herausgebrochen. Der Bergsturz hat im Tal zwischen Biberwier und Nassereith den Fernpass aufgeschüttet – in erdgeschichtlichen Maßstäben ist er damit sehr jung. Dennoch blieb der Fern- in Kombination mit dem Reschenpass einer der einfachsten und wichtigsten Alpenübergänge. Schon die Bernsteinhändler nutzten ihn lange vor Christi Geburt, dann bauten die Römer ihre Via Claudia Augusta über den Fernpass ins heutige Augsburg. Das wohl schönste Überbleibsel des einstigen Bergsturzes sind mehrere kleine Seen, die sich in die Landschaft des Passes einbetten. Der größte ist der Blindsee. Er gerät auf der Tour bald immer besser ins Blickfeld. Im unteren Drittel wird der Tiefblick so frei, dass man am liebsten zum Sprung in das klare Wasser ansetzen möchte. Dieses Vergnügen muss man sich bis zum Erreichen des Seeufers freilich noch eine Weile aufsparen. Bevor es so weit ist, warten am Weg noch die kleinen Wasserfälle des Rossköpfletals.

Vom Bergsturz erschaffen

Kurz streift man die vielbefahrene Fernpassstraße, ehe sich der Fußweg in stille Wälder zurückzieht. Noch ein kurzer Abstieg, dann ist der Blindsee erreicht. Am Nordwestufer warten herrliche kleine Rastplätze mit freiem Blick auf die umgebenden Berge. Aufgrund der bescheidenen Tiefe ist der See meist weniger kalt als andere Gebirgsseen und lädt zu einem erfrischenden Bad. Der Steig führt dann, mit Stufen und Geländern gut ausgebaut, an einer Felswand entlang, die das steile Nordufer begrenzt. Auf diesem Wegabschnitt sollte man den Fotoapparat unbedingt griffbereit haben. Neben dem Panorama erkennt man tief unterhalb des Wegs zahlreiche versunkene Baumstämme im Wasser, Überbleibsel von Erdrutschen und Lawinen aus den steilen Flanken des Grubigsteins. Diese bizarre Atmosphäre am Grund macht den Blindsee auch für Taucher interessant. Der Weiterweg steigt dann noch einmal an, ehe man in der Nähe des Bergfußes bequem in das Örtchen Biberwier absteigt. Davor ist noch eine kleine Variante vorbei am Mittersee und an den Loisachquellen möglich. Der Fluss, der über Garmisch und Kochel rund 114 Kilometer bis Wolfratshausen fließt, entspringt hier mit mehreren unscheinbaren Bachläufen. Im Hintergrund grüßen weiter die Felsberge der Mieminger Kette. Vor allem Sonnenspitze und Wamperter Schrofen bauen sich immer gewaltiger über dem Tal auf.

Wer in Biberwier ein wenig Glück mit den Busabfahrzeiten hat, kann von hier aus den Rückweg nach Lermoos abkürzen. Alle anderen vertrauen sich dem schönen Wachtersteig an, der an der Ölbergkapelle vorbei mit schönem Zugspitzblick zum Ausgangspunkt zurückführt.

GRUBIGSTEIN – BLINDSEE

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter auf der B 2 und dann Richtung Reutte bis nach Lermoos. Nach der Ortsmitte links zu den Grubigsteinbahnen. Auch vom Bhf. Lermoos an der Bahnlinie München – GAP – Reutte ist die Seilbahn rasch erreicht.

TOUR – Gehzeit: 4 bis 4,5 Stunden. Höhenunterschied 900 Meter abwärts, 200 Meter aufwärts. Gute Bergsteige, streckenweise schottrig. Einige Stellen sind mit Geländern gesichert, etwas Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind empfehlenswert.
Wegverlauf: Mit der Seilbahn und der anschließenden Sesselbahn hinauf zur Grubigalm. Der Beschilderung zum Fernpass folgend, rechts am obersten Sessellift vorbei, unter ihm hindurch und links abzweigend (der Abstieg nach Biberwier bleibt kurz danach links liegen). Auf dem Fernpasssteig nun noch ein Stück hinauf, dann stetig abwärts. Unten an der Fernpassstraße links halten und von nun ab immer der Beschilderung „Biberwier“ folgen. Die Abzweigung „Blindsee-Blick“ ignorieren, und später links hinab zum Blindsee. Am steilen Nordufer mit Geländern entlang und vor der Liegewiese links oben halten. Die Biberwier-Schilder leiten nochmals bergauf. Danach bleibt man bei allen Abzweigungen immer links am Bergfuß (rechts ist eine Variante über die Loisachquellen möglich).
Am Sportplatz auf eine Teerstraße. Sie führt durch die Unterführung der Fernpassstraße und weiter nach Biberwier. Dort an der Straße links halten, durch den Ort, an seinem Ende links ab auf den Wachtersteig nach Lermoos. Mit Abstecher zur Ölbergkapelle an den Berghängen entlang und schließlich hinunter nach Lermoos. Dort an der Straße links in den Ort. Nach der Kirche hinab zur Durchgangsstraße und an dieser links. Wenig später geht es links zurück zum Parkplatz.

TIPP – Die letzten 45 bis 60 Minuten kann man abkürzen, wenn man in Biberwier in den Bus (Haltestelle direkt am Weg) steigt. Nachmittags recht regelmäßige Verbindungen (ca. alle 1 bis 1,5 Stunden, siehe www.oebb.at).

EINKEHR – Erst in den Talorten Biberwier und Lermoos. Während der Tour zwischen Fernpass und Blindsee Abstecher zum Zugspitzblick (Rasthaus/Kiosk) möglich.

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen-Außerfern.

  • 0 Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Mehr zum Thema