Ilkahöhe bei Tutzing
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Herrliche Aussichten erwarten den Wanderer auf der Ilkahöhe bei Tutzing – sofern das Wetter mitspielt.

Tolle Aussicht bei Tutzing

Der Tristan fährt Mist an

Am Ende eines schneereichen Winters sehnt man sich so richtig nach Sonne und Licht und die meisten wollen die immer noch weißen Berge nur noch von der Ferne sehen.

Dafür ist die Ilkahöhe bei Tutzing wie geschaffen: Nähert man sich dem prominenten Ausflugshügel von der stillen Nordwestseite, dann hat man als Dreingabe zum Gipfelpanorama neben dem Starnberger auch noch die Deixlfurter Seen. Und ein paar Superstars, gesucht und gefunden in Bayern...

Beim Start in Traubing befindet man sich auf einer Hochebene: Recht mühelos lässt sich’s hier wandern bis zu den steil abfallenden Moränenzügen aus der Würmeiszeit, die das ganze Fünf-Seen-Land geformt haben. Diese Gegend hat schon den Römern gefallen: Reste eines Gutshofes am Deixlfurter See bestätigen das. Heute ist auf Gut Deixlfurt eine Restauratorenwerkstatt untergebracht. Einst wohnten hier die beiden Aushängeschilder der Münchner Oper: 1875 kaufte das Tutzinger Ehepaar Heinrich und Therese Vogl das kleine Anwesen des Fischwarts von Deixlfurt und baute es zum Mustergut aus. Die beiden verkörperten damals sozusagen den „bayerischen Traum“ vom Dörfler zum Helden in Wagners Opern, protegiert von König Ludwig II.

Gegen den anfänglichen Widerstand des Komponisten setzten sie sich an der Münchner Oper durch, studierten binnen einer Woche Lohengrin ein und besetzten ab der nächsten Oper europaweit die Tristan- und Isolde-Rollen. 1870 kauften sie zunächst ein Haus in Tutzing am See und trafen dort die Künstlerriege von Lenbach bis Kaulbach. Mit Brahms übten sie im Pavillon dessen neue Lieder und sogar der König soll sie vom Boot aus gegrüßt haben. 1875 kauften sie dann das Gut Deixlfurt: Die 80 Tagwerk Grund wurden auf 1100 erweitert, dazu kamen Fischzucht, Obst- und Gemüsegarten, 100 Kühe, 18 Ochsen und 12 Pferde. Ab 1880 wohnten die Vogls auf dem Hof. An der Oper lästerte manch einer: „Heute singt er Tristan, morgen fährt er Mist an.“ Was der Karriere aber keinen Abbruch tat...

Verstehen kann man die Vogls heute ohnehin: Hier an der stillen Seenplatte kann man sich bestens vom Gewusel der Stadt erholen. Letzteres holt einen an einem schönen Tag an der Ilkahöhe ein: Viele schätzen den Aussichtsbalkon auf 726 Metern. Unten glitzert der Starnberger See, dahinter rahmen die Alpen ein Postkartenmotiv, das zum Gipfelraten von Österreich bis zum Allgäu lädt. Am Ende des Höhenzuges zeigen Tafeln die Geschichte des Prominentenhügels auf, der seinen Namen nach Helene Gräfin von Vieregg, genannt Ilka, erhielt. Die Tochter des letzten Tutzinger Patrimonialherren Karl Matthäus Graf von Vieregg musste nach der Märzrevolution 1848, als das Ende der Hofmark besiegelt war, das Schloss Tutzing und die weiteren Besitzungen verkaufen. Das Denkmal an der Ilkahöhe, das sie ihrem Vater errichtete, ist nicht mehr erhalten – davon erzählen nun die Tafeln.

Der Stuttgarter Verlagsbuchhändler Georg Eduard von Hallberger (gest. 1880) wurde neuer Eigentümer des Schlosses und des Dorfes Oberzeismering mit den Bauernhöfen auf der Ilkahöhe. Ende des 19. Jhs. fasste der nächste Besitzer, der Münchener Kommerzienrat Max Kustermann, die Anwesen auf dem Hügel zu einem Gutshof zusammen und holte die schillernde Literatenwelt und das Großbürgertum nach Tutzing. Heute sind noch drei der Höfe neben den forstwirtschaftlichen Gütern erhalten. Mondäne Zeiten also in Tutzing – die der Wanderer jetzt allmählich wieder hinter sich lässt. Über weite Felder, Dörfer und mit einem letzten Blick auf die Seenlandschaft geht es zurück Richtung Traubing. Noble Gesellschaft – dieses Mal in Form von Golfern – begleitet ihn aber doch noch bis zum Parkplatz.

Von Freia Oliv

PANORAMA-TOUR TRAUBING

ANFAHRT – Auto: A 95 bis Starnberg, B 2 bis Ortsende Traubing, Abzweig Gut Deixlfurt, Parkplatz Golfclub Tutzing. Bahn: S 6 oder Zug bis Tutzing, Bus 958 nach Traubing.

TOUR – Gehzeit: 2 Std., Forstwege mit kaum Steigungen, auch mit Tourenrad oder geländegängigem Kinderwagen. Verlauf: Ab Golfclub entlang der Deixlfurter Straße, erster Abzweig links, danach Einfahrt zum Gut Deixlfurt rechts liegen lassen, nächsten Linksabzweig ebenso ignorieren und zwischen Johanna- und Langem Weiher dem Hauptweg folgen. An der T-Kreuzung rechts ab, an den Deixlfurter Seen entlang bis Anfang Obertraubing. Die geteerte Kustermannstraße überqueren, nach wenigen Metern gegenüber Bavariastraße gen Süden.

Auf dem Hauptweg alle Abzweigungen ignorieren. An der T-Kreuzung in die geteerte Monatshauser Straße 100 m rechts hinauf und dann links in den Weg über die Ilkahöhe einbiegen. (Mit Kinderwagen statt dem Höhenweg die Forstweg-Allee unterhalb nehmen und dann rechts hinauf zur nachfolgenden Kreuzung.) Am Ende des Höhenwegs gleich nach dem Bergab-Stück scharf rechts im spitzen Winkel den Forstweg entlang („rückwärts“). Im Wald den ersten Rechtsabzweig nehmen und auf dieser Forststraße bis zur geteerten Monatshauser Straße, diese überqueren und gegenüber in die Haltabergstraße. Dieser folgen (Hofzufahrten ignorieren) und am Ende rechts in die Kustermannstraße einbiegen. Nach 200 m links in die Deutenbergstraße. Alle weiteren Abzweige ignorieren, westlich des Deixlfurter Sees entlang zurück bis zur Deixlfurter Straße und hier links weiter bis zum Parkplatz.

EINKEHR – 1. Restaurant Golfclub Tutzing (auch für Nicht-Golfer); T. 08158/9261023; www.golfclub-tutzing.de 2. Forsthaus Ilkahöhe; Tel. 08158/8242, www.ilkahoehe.de – hierfür entweder von der unteren Höhenweg-Allee links abbiegen oder vom oberen Höhenweg nach dem Bergab- Stück gleich links zurück und hinunter. 3. Buttlerhof Traubing, T. 08157/926666, www.buttlerhof.de

TIPP – Wagner-Sänger Heinrich u. Therese Vogl. Ausstellung Tutzinger Ortsmuseum (bis 22.9.); Mi./Sa./So. 13-17 Uhr, T. 08158/258397, www.ortsmuseum-tutzing.de

KARTE – Kompass-Karte 180, Starnberger See.

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